Auf der Bühne statt vor der Kamera

Zu Gast

Laura Widmer
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Steffi Buchli und Johannes Gunzenreiner diskutierten am Montag in der Aula der PHSG in Gossau. (Bild: Benjamin Manser)

Steffi Buchli und Johannes Gunzenreiner diskutierten am Montag in der Aula der PHSG in Gossau. (Bild: Benjamin Manser)

«Ich glaube, das ist der turbulenteste Arbeitstag seit 14 Jahren», sagt Steffi Buchli. Am Montagmorgen hat sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ihren Abschied vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) bekannt gegeben. Am Abend ist sie beim Sport-Talk mit Johannes Gunzenreiner an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen in Gossau zu Gast. Zustande gekommen ist der Talk dank ihrer Bekanntschaft mit Gunzenreiner, der neben seiner Tätigkeit als Dozent Fussballspiele moderiert.

Lange habe sie mit der Entscheidung gerungen, sagt Steffi Buchli gegenüber dem Gossauer Publikum. Sie hat sich jedoch für den Wechsel zum neu gegründeten Sender MySports von UPC Cablecom entschieden. Bei MySports wird sie zusätzlich zur Moderation auch als Programmleiterin fungieren. Es sei reizvoll, neue Inhalte aufzubauen. «Ich brauche mehr Freiraum und Platz zur Gestaltung», sagt sie. Ebenfalls ein Faktor seien die von MySports erworbenen Exklusivrechte für das Schweizer Eishockey gewesen. Den humorvollen Einwurf von Johannes Gunzenreiner, ob sie sich vom Sender habe kaufen lassen, weist sie lachend zurück. Ihrem Mann Florian Kohler, CEO von Swiss Ice Hockey, habe sie die Entscheidung erst mitgeteilt, als sie schon feststand.

Sport habe sie schon immer interessiert, und er sei in der Familie stets präsent gewesen. In der Arbeit als Sportmoderatorin seien es die Emotionen und die Leidenschaft, die sie noch heute begeistern. Die Nachrichten zu moderieren, habe sie sich hingegen nie vorstellen können. Sie sagt: «Mit schlechten News kann ich nicht gut umgehen.» Ihr Spezialgebiet ist Eishockey, sie war in den letzten Jahren aber auch an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Das seien immer fantastische Erlebnisse gewesen, sagt Buchli. «Besonders die Olympischen Spiele in Rio waren unbeschreiblich.»

Steffi Buchli polarisiert, auch nach zehn Jahren in der Öffentlichkeit. Davon zeugt auch der volle Saal in Gossau. Nicht nur Studenten, sondern auch externe Besucher sind anwesend. Ihre Frisur, die vor einigen Jahren nach den Sports Awards vom Boulevard als «Frisurendebakel» bezeichnet wurde, gibt heute noch zu reden. Sie habe in den letzten Jahren viel einstecken müssen, sagt Steffi Buchli. Im Fernsehen sei das Aussehen fast schon zum öffentlichen Gut geworden. Sie frage sich, was das für ein Wertesystem sei. «Ich habe vielleicht eine lustige Frisur, bin aber ein unglaublicher Bünzli, was die Arbeit betrifft», sagt Buchli charmant. Was als lockere Moderation beim Zuschauer ankommt, sei mit viel seriöser Vorbereitung verbunden. Sie fühle eine Verpflichtung zur fehlerfreien Arbeit: «Es ist schlimm, wenn Fehlinformationen verbreitet werden.» Das müsse auf jeden Fall vermieden werden. Buchli sieht einen Unterschied in der Bewertung der Geschlechter. «Machen Männer einen Fehler, gilt das als Versprecher, Frauen wird das als Unwissen ausgelegt.» Die neue Generation der Frauen im Fernsehen habe einen geebneteren Weg, leider seien Frauen aber immer noch in der Unterzahl.

Ihre Entscheidung, im vergangenen Sommer an die olympischen Spiele zu reisen, acht Monate nach der Geburt ihrer Tochter, wurde ihr von vielen Seiten übel genommen, insbesondere von Frauen, sagt sie. «Über die Heftigkeit war ich erstaunt.» Ein anderes Lebensmodell provoziere enorm. «Wenn ich als Winkelried arbeitender Mütter dienen kann, mache ich das aber gerne», sagt sie zur Freude des Publikums.

Bis jetzt habe sie kaum Zeit gehabt, die Reaktionen auf ihren Jobwechsel anzuschauen, sagt Steffi Buchli. Freunden und Verwandten werde sie antworten, ansonsten sei es schwierig, auf jeden Kommentar zu reagieren. Die Meinungen sind gespalten: «Das SRF verliert einen Farbtupfer», heisst es etwa. In den vergangenen Jahren hat sie sich an die Aufmerksamkeit gewöhnt. Manchmal habe sie sich aber schon gefragt, was sich die Leute erlaubten. Wenn sie sich die Kommentare und das Medienecho ansehe, das entstanden sei, kommt sie zum Schluss: «So schlecht kann’s aber nicht gewesen sein.»

Laura Widmer

laura.widmer@tagblatt.ch