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Auf den Spuren von Indiana Jones

Eine Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum widmet sich den Archäologen im Wandel der Zeit. Von den früheren Abenteurern und Schatzsuchern bis zu den seriösen Wissenschaftern von heute.
Roger Berhalter
Helden in Schwarz-Weiss: Blick in die neue Ausstellung im Historischen Museum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Helden in Schwarz-Weiss: Blick in die neue Ausstellung im Historischen Museum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Mann mit Hut und Peitsche begegnet einem schon beim Betreten der Ausstellung. Ein Film zeigt, wie sich ein junger Mann im Zeitraffer in Indiana Jones verwandelt. Die Hollywood-Figur hat das allgemeine Bild des Archäologen geprägt: Ein Abenteurer, der auf eigene Faust im Dschungel nach Schätzen und verschollenen Artefakten sucht.

So weit das Klischee. Wie die Wirklichkeit aussieht, zeigt ein weiterer Film im Zeitraffer: Der Archäologe von heute trägt nicht mehr Hut und Peitsche, sondern Sicherheitsschuhe, orange Weste und Helm. «Archäologie ist eine seriöse Wissenschaft geworden», sagt Daniel Studer, Direktor des Historischen und Völkerkundemuseums. Sein Museum ist das Mutterhaus der Kantonsarchäologie. «Wenn etwas Interessantes ausgegraben wird, dann landet es schnell bei uns», sagt Studer. Deshalb ist es nur naheliegend, dass der runde Geburtstag der Kantonsarchäologie hier gefeiert wird: Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Kantonsarchäologie eröffnet morgen Freitag die Sonderausstellung «Etwas gefunden?».

Vadian schrieb als Erster von Skeletten

Spektakuläre neue Funde sind in der Ausstellung aber nicht zu sehen. Das ist laut Kuratorin Sarah Leib auch nicht die Idee: «Wir legen den Fokus auf die Forscher und begeben uns sozusagen auf Spurensuche nach diesen wahren Helden der Archäologie.» Und das ist eben nicht Indiana Jones, sondern zum Beispiel sein reales Vorbild, der hawaiianische Forscher Hiram Bingham, der zwischen 1911 und 1913 die Ruinenstadt Machu Picchu in Peru freilegte. Oder der Schweizer Jean Louis Burckhardt, der Anfang des 19. Jahrhunderts unter Lebensgefahr den Orient bereiste – als falscher Scheich mit Bart und Turban getarnt.

Diese zwei Beispiele verdeutlichen: Die Ausstellung zum 50jährigen Bestehen der Kantonsarchäologie geht weit über St. Gallen hinaus und umfasst nicht nur 50 Jahre, sondern mehrere Jahrhunderte, von 1485 bis heute. Im Vordergrund stehen aber dennoch die hiesigen Helden. Beispielsweise der St. Galler Stadtvater Vadian, der 1549 in seinen Chroniken von Silberkleinod, Gebeinen und seltsamen Gemäuern schrieb. Es sind die ältesten bekannten Fundmeldungen aus dem Kanton; die Originaldokumente sind in einer Vitrine zu sehen.

Wie im Zeitraffer zeigt die Ausstellung, wie sich die Archäologie von der Raubgräberei allmählich zur systematischen Wissenschaft entwickelte. Doch wie improvisiert die Forscher noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein arbeiteten, beweisen Ausstellungsstücke zu den Ausgrabungen am Montlingerberg: Von der Ovomaltine-Dose bis zur Zigarren-Schachtel benutzen Archäologen fast alles, um ihre Funde aufzubewahren. Die erste Heldin taucht erst 1952 in der Ausstellung auf. Es ist die bekannte Schweizer Burgforscherin Franziska Knoll-Heitz.

Mit Rucksack und Kopftuch

Die St. Galler Kantonsarchäologie wurde 1966 gegründet. Unter anderem deshalb, weil der Bauboom einsetzte und immer mehr gegraben wurde. Benedikt Frei leitete die Abteilung bis 1970, danach wurde Irmgard Grüninger die erste vollamtliche Kantonsarchäologin. Mit Rucksack und Kopftuch war sie auf Grabungsstätten anzutreffen, und bis 1999 betreute sie auch die Dauerausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum. Seither leitet Martin Schindler die Kantonsarchäologie. Auch er verzichtet auf Hut und Peitsche und ist mit oranger Weste unterwegs. Die St. Galler Realität sieht eben anders aus als ein Hollywood-Film.

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