Auf den letzten Drücker

ST.GALLEN. Einen Tag vor den Wahlen sind die Meinungen gemacht, die meisten Wahlzettel ausgefüllt. Doch es gibt auch Spätentschlossene: Noch erwartet die Stadt rund 2000 Couverts.

Ralf Streule
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Was interessiert mehr? Die städtischen Wahlen oder das morgige Spiel des FC St. Gallen? Der Vergleich hinkt, aber er reizt. Gut 18 000 Zuschauer waren beim letzten Heimspiel im Stadion, fast gleich viele dürften es morgen sein. Im Vergleich dazu: 16 501 St. Gallerinnen und St. Galler haben bis gestern ihr Wahlcouvert eingeworfen. Eine Zahl, die bis morgen Mittag jedoch sicher noch grösser wird. Gemäss Schätzungen der Stadt im Online-Wahlbarometer dürften nämlich noch zwischen 1500 und 2500 Couverts dazukommen. Würde man alle Wähler im Stadion versammeln – es wäre wohl praktisch ausverkauft.

Wähler in letzten Tagen aktiv

Von den knapp 45 000 Wahlberechtigten in der Stadt haben damit bis gestern 36,8 Prozent gewählt, zwei bis fünf Prozent sollen noch dazukommen. Der Wahlbarometer zeigt, dass am meisten St. Galler ihr Couvert in der vergangenen Woche gesendet oder beim Rathaus eingeworfen haben (Grafik). Viele Stimmberechtigte aber zögerten nicht lange und füllten ihre Unterlagen gleich nach Erhalt Ende August aus. Auch ein Blick auf die Wahlhilfe Smartvote, die aufgrund von Antworten auf politische Fragen Wahlempfehlungen erstellt, zeigt: Die meisten Wähler waren in der zweiten Hälfte der laufenden Woche aktiv. Am vergangenen Donnerstag zum Beispiel wurden fast 250 Wahlempfehlungen runtergeladen. Insgesamt waren es bis gestern 2864.

Die aktuelle Wahlbeteiligung beim städtischen Wahlbarometer muss hingegen mit Vorsicht genossen werden. Da sich die Zahlen nur auf die eingegangenen Couverts beziehen, aber nicht alle Städter sowohl Stadtparlament als auch Stadtrat wählen, kann nicht direkt auf die effektive Wahlbeteiligung geschlossen werden. Dennoch wird die Wahlbeteiligung um einiges höher sein als bei den städtischen Wahlen vor vier Jahren. Damals wählten 29,5 Prozent das Stadtparlament, 32,5 Prozent den Stadtrat. Urs Weishaupt, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt, führt die viel höhere Beteiligung vor allem auf den spannenden Stadtratswahlkampf mit neun Kandidaten für fünf Sitze zurück. Und weniger auf die parallelen eidgenössischen und kantonalen Abstimmungen. Auch die Wahlbeteiligung von 2004 dürfte zumindest egalisiert werden. Damals wählten 39,3 Prozent das Parlament.

Resultate im Waaghaus

Ab morgen Mittag werden die gegen 20 000 Couverts im Rathaus ausgepackt, rund 100 Wahlhelfer werden die Listen und Namen auszählen. Die Ergebnisse werden gemäss Mitteilung gegen 16.30 Uhr im Waaghaus bekanntgegeben. Der Zugang zum Waaghaus ist ab 16 Uhr allen Wahlinteressierten offen. Die meisten Kandidatinnen und Kandidaten von Parlaments- und Stadtratswahlen werden ebenfalls anwesend sein – bevor sie in verschiedenen Lokalen der Stadt (siehe Kasten) ihre parteiinternen Wahlfeiern abhalten werden.