Auf dem Weg zum Papst

Seit drei Jahren arbeitet Ferenc Janka in St. Gallen, bereits zum zweitenmal reiste er am Sonntag nach Rom, zur Audienz beim Papst. Dorthin begleitete er das Präsidium des Rates der Europäischen Bischöfe, in dessen Dienst er steht.

Josef Osterwald
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Ferenc Janka, Stellvertretender Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, vor seiner Europa-Ikone. (Bild: Ralph Ribi)

Ferenc Janka, Stellvertretender Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, vor seiner Europa-Ikone. (Bild: Ralph Ribi)

In St. Gallen zu Hause, in Europa daheim: Beruflich ist der aus Ungarn stammende Priester in ganz Europa unterwegs, um den Austausch unter den Bischofskonferenzen zu fördern. In St. Gallen befindet sich nämlich das Generalsekretariat des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Von hier aus werden Begegnungen unter Bischöfen, Fachleuten, Kommissionen vorbereitet und die Kontakte mit der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) gepflegt.

Mit dieser zusammen wurden die drei grossen Begegnungen der europäischen Kirchen (Basel, Graz und Sibiu) vorbereitet. Netzwerke knüpfen, hegen, pflegen, dies ist die Aufgabe des CCEE, das an der Gallusstrasse 24 seinen Sitz hat.

Ganz besonders gehört da auch der regelmässige Austausch mit Rom, die Begegnung mit dem Papst, dazu.

Der Wunsch des Kardinals

Bis vor drei Jahren hätte sich der ungarische Priester wohl nie gedacht, dass er einmal in St. Gallen landen würde. Dass es geschah, verdankt er dem Kardinal von Esztergom-Budapest, Péter Erdö. Dieser ist zurzeit Präsident des CCEE und darauf bedacht, dass auch die Kirchen aus Mittel- und Osteuropa ihren Beitrag zum europäischen Austausch leisten. Da war es naheliegend, einen Priester aus Osteuropa ins Generalsekretariat des CCEE zu entsenden.

Bei der Suche nach möglichen Kandidaten ist die Wahl auf den Ungarn Ferenc Janka gefallen, der einem ganz speziellen Zweig der Kirche angehört: dem griechisch-katholischen. Die griechisch-katholische Kirche stammt aus der ostkirchlichen Tradition. Ihre Priester unterstehen dem Ostkirchenrecht. Das heisst, dass sie eine Ehe führen und Familie haben können. Das ist auch bei Ferenc Janka der Fall. Er hat 1994 geheiratet; ein Jahr später wurde er zum Priester geweiht.

Umzug nach St. Gallen

Ferenc Janka ist mit seiner Frau und den drei Kindern nach St. Gallen gezogen. «Wir fühlen uns hier wohl; die Kinder wurden in der Schule gut aufgenommen und nach zwei Monaten sprachen sie schon Schweizerdeutsch.» Seine Frau Maria, ausgebildete Pharmazeutin, hatte in Ungarn als Managerin für ein amerikanisches Pharmaunternehmen gearbeitet. «In St.

Gallen hat sie nun aber eine besondere Aufgabe übernommen, sie unterrichtet unsere Kinder in der ungarischen Sprache, Literatur und Geschichte. Die entsprechenden Examen legen sie dann in Ungarn ab.»

Durch seine Anwesenheit in St. Gallen gibt Ferenc Janka Einblick in eine hier wenig bekannte kirchliche Tradition, in eine besondere Spiritualität. Dazu gehört die feierliche Form der Liturgie, ihre besondere Musik, die Majestät der Ikonen. Solche malt auch Ferenc Janka selbst.

Sein Lieblingsbild sind die drei Patroninnen und Patrone Europas; in deren Mitte Maria mit einem Jesuskind, das die Weltkugel in den Händen hält.