Auf Arbeitssuche im Gemüsefeld

GOLDACH. Im Rahmen ihres vom RAV organisierten Deutschkurses haben Einwanderer aus aller Welt den Betrieb von Gemüseproduzent Filipp Fässler besichtigt. Er gibt den Arbeitssuchenden Einblick in den landwirtschaftlichen Alltag.

Corina Tobler
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Filipp Fässler (mit Kappe) führt die Teilnehmer des B1-Deutschkurses von Marzena Giemsa (2. von rechts) durch seinen Betrieb in Goldach. (Bilder: Corina Tobler)

Filipp Fässler (mit Kappe) führt die Teilnehmer des B1-Deutschkurses von Marzena Giemsa (2. von rechts) durch seinen Betrieb in Goldach. (Bilder: Corina Tobler)

Sie kommen aus so unterschiedlichen Ländern wie Sri Lanka, Vietnam, Bosnien, Ungarn oder Italien. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bei Marzena Giemsa an der Handels- und Dolmetscherschule St. Gallen den Deutschkurs für Fortgeschrittene besuchen. Diesen finanziert ihnen das RAV, denn die sieben Frauen und zwei Männer haben eine weitere Gemeinsamkeit. Sie sind arbeitslos.

49,5 Stunden Arbeit pro Woche

Im Rahmen ihres Deutschkurses besuchen sie den Betrieb des Goldacher Gemüseproduzenten Filipp Fässler. Arbeit gibt es bei ihm jede Menge, daran lässt er keinen Zweifel. «Man muss in der Landwirtschaft lange, hart und bei teils anstrengenden Umweltbedingungen arbeiten. Wir sind auch an den Feiertagen im Einsatz, um die Kunden zu beliefern und in den Sommerferien haben wir am meisten zu tun, weil es dann viel zu ernten gibt. Die Landwirtschaft ist weltweit unter Druck. Daher müssen wir lange Arbeitszeiten von unserem Personal einfordern», sagt Fässler. Er versuche derzeit, die Arbeitszeit auf 49,5 Stunden pro Woche zu reduzieren.

Ökologie von grosser Bedeutung

Auch er als Betriebsleiter dürfe sich nicht zu schade sein, mit anzupacken. «Für die Arbeit im Gemüsebau muss man berufen sein.» Dass Fässler dies ist, wird auf der Führung durch Gewächshäuser und Felder offenkundig. Er gewährt Einblick in die Anbaumethoden und die Qualitätssicherung. Wiederholt betont er den hohen Stellenwert der Ökologie in der heutigen Landwirtschaft. Wer sich dafür einsetzt, erhält vom Bund finanzielle Beiträge. So wendet Fässler das Prinzip des Kulturwechsels auf seinen Feldern an oder zeigt eine Ökowiese, die als Rückzugsgebiet für Nützlinge dient.

Bezug zum Arbeitsmarkt

Die Kursteilnehmer zeigen sich interessiert und stellen Fragen, die Fässler geduldig beantwortet. Die Frage nach offenen Stellen muss er allerdings verneinen. Er beschäftigt ein kleines Team fix, dazu seit Jahren Kurzaufenthalter, vorwiegend Polen, mit denen er sehr gute Erfahrungen macht. Trotzdem erachtet Deutschlehrerin Marzena Giemsa die Besichtigung als wichtige Erfahrung für die Arbeitssuchenden. «Zum Kurs gehören zwei solche Besichtigungen. So schaffen wir einen Bezug zum Arbeitsmarkt, denn das Verbessern der Deutschkenntnisse soll ja am Ende dabei helfen, Arbeit zu finden», sagt sie.