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Auch Mörschwil verliert seine Post

Wenn die Schweizerische Post das Gespräch mit dem Gemeinderat sucht, ist das selten ein gutes Zeichen. Seit heute ist es offiziell: Im Frühjahr 2017 wird die Poststelle in Mörschwil geschlossen.
Corinne Allenspach
Rund 50 Jahre lang erledigten die Mörschwiler ihre Postgeschäfte im Haus an der Poststrasse. Ab Frühling 2017 müssen sie das in einer Agentur im Volg tun. (Bild: Urs Bucher (10. Juni 2016))

Rund 50 Jahre lang erledigten die Mörschwiler ihre Postgeschäfte im Haus an der Poststrasse. Ab Frühling 2017 müssen sie das in einer Agentur im Volg tun. (Bild: Urs Bucher (10. Juni 2016))

Der Entscheid war absehbar. Bereits im Dezember 2015 kam die Schweizerische Post auf den Mörschwiler Gemeinderat zu und signalisierte Gesprächsbedarf. «Standortbestimmung zur aktuellen Postversorgung» nennen es die Postverantwortlichen. Was folgt, kennt man aus verschiedenen Gemeinden. Ein- bis eineinhalb Jahre später schliesst in der Regel die Poststelle im Dorf. So geschehen in Engelburg, Muolen, Andwil, Arnegg, Häggenschwil, Tübach, Untereggen, Berg SG, um nur einige zu nennen. Und in Kürze wird es auch in Mörschwil der Fall sein, wie Gemeinderat und Schweizerische Post mitteilen. Der Gemeinderat bedauert die Schliessung «ausserordentlich». «Wir haben der Post mündlich und schriftlich mitgeteilt, dass wir der Ansicht sind, ein Dorf in der Grösse Mörschwils mit rund 3600 Einwohnern sollte eine Poststelle haben», sagt Gemeindepräsident Paul Bühler. Der Gemeinderat könnte den Schliesssungsentscheid weiterziehen an die eidgenössische Postkommission PostCom. Schaue man, wie wenige Gemeinden damit Erfolg hatten in der Vergangenheit, verzichte man bewusst darauf, sagt Bühler. «Das könnte die Schliessung höchstens ein halbes Jahr verzögern, aber nicht verhindern.»

Was mit Mitarbeitern passiert, ist offen

Rund 50 Jahre lang erledigten die Mörschwiler ihre Postgeschäfte im Haus an der Poststrasse, zuvor an der Ecke St. Gallerstrasse/Kirchstrasse. Ab Frühjahr 2017 müssen sie das in einer Agentur im Volg tun. Jede liebgewonnene Institution, die wegfalle, sei ein Verlust fürs Dorf, sagt Bühler. «Aber wir sind auch alle selber schuld. Wir benehmen uns auch anders als vor 30 Jahren.» Er habe einige Mörschwiler gefragt, wie häufig sie zur Post gehen. «Gerade unter 35-Jährige sagten, eigentlich nie.»

Markus Werner, Sprecher Post Region Ostschweiz, bestätigt das. «Statt Briefe schicken die Leute heute SMS und E-Mail, Einzahlungen werden per E-Banking statt am Schalter erledigt.» Gerade bei den Einzahlungen verzeichne man in Mörschwil «einen deutlichen Rückgang». Überhaupt bewegen sich die Nutzungszahlen der Poststelle gemäss Werner «seit einigen Jahren auf tiefem Niveau». Ein für Mörschwiler unverständliches Argument. Denn egal, wann man zur Post geht, man ist selten der einzige Kunde. «Das mag zu gewissen Tageszeiten so sein», räumt Werner ein. «Aber wir schauen die Nutzung übers Ganze an.» Doppelt bitter ist die Schliessung für Reto Rimle. Anfang 2013 wurde bereits «seine Post» in Muolen geschlossen – nach 163 Jahren. Rimles waren die älteste Posthalterdynastie der Schweiz, Reto Rimle führte die Post in fünfter Generation. Seither arbeitet der 58-Jährige in Mörschwil. Wie es für ihn und die anderen zwei Mitarbeiter weiter- geht, sei noch offen, sagt Werner: «Wir werden aufgrund der Situation der Betroffenen nach individuellen Lösungen suchen.»

Genossenschaft baut Volg für 800 000 Franken um

Bühler betont, dem Gemeinderat sei beim Verhandeln wichtig gewesen, dass die bisherigen Postdienstleistungen auch künftig so gut wie möglich im Dorf erledigt werden können. «Ein Hausservice wäre für uns nicht in Frage gekommen.» Mit einer Agentur könne man aber leben. «Ob das Haus, in dem ich mein Schliessfach leere, Briefe einwerfe, Päckli abhole, Rechnungen zahle oder Geld abhebe, mit Post oder Volg angeschrieben ist, ist eigentlich egal.» Um zu schauen, was die Mörschwiler erwartet, habe er bewusst einige Male die Postagentur im Grossacker in St. Fiden getestet. Das habe gut funktioniert. Bühler: «Ich sehe da nicht so schwarz für Mörschwil.»

Nicht wegen der Postagentur, sondern «um den Laden zeitgemässer zu gestalten», wird die Landi-Genossenschaft Mörschwil im Frühjahr 2017 den Volg für «eine grössere Summe umbauen», wie Genossenschaftspräsident Cornel Eberle sagt. «Sofern alle Pläne gutgeheissen werden.» Der Laden werde um einen Drittel kleiner, das Sortiment vor allem im Non-Food-Bereich gestrafft, die Parkplätze angepasst, und die Metzgerei Ehrbar erhalte mehr Platz im Hintergrund zum Vorbereiten und Lagern. Während des Umbaus bleibe der Volg drei Wochen geschlossen. Danach wird er neu Montag bis Freitag von 7 bis 18.30 Uhr durchgehend geöffnet sein.

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