Auch mit 102 noch Lismen

ANDWIL. Anna Späni feierte vergangenen Samstag im Altersheim Espel ihren 102. Geburtstag. Besuch bekam die älteste Andwilerin dabei nicht nur von Verwandten und Bekannten.

Johannes Wey
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«Wenn ich mich in meinem Zimmer ein bisschen beschäftigen kann, bin ich zufrieden», sagt Anna Späni. (Bild: Michel Canonica)

«Wenn ich mich in meinem Zimmer ein bisschen beschäftigen kann, bin ich zufrieden», sagt Anna Späni. (Bild: Michel Canonica)

Sie hat ein erlebnisreiches Wochenende hinter sich. Spuren davon sind noch immer in Anna Spänis Zimmer zu sehen, etwa in Form einer Blumenschale auf dem Tisch. «Ein schönes Bouquet», sagt sie, und ein Geschenk des Andwiler Gemeindepräsidenten Dominik Gemperli. Der Gemeindepräsident sowie Anna Spänis Verwandte und Bekannte hatten auch guten Grund für einen Besuch. Denn Anna Späni ist die älteste Andwilerin und seit Samstag 102 Jahre alt. «Ich hätte doch nie erwartet, so alt zu werden», sagt sie heute. Ihr Rezept: «Ich habe es einfach auf mich zukommen lassen und nicht daran herumstudiert.»

Trotz des hohen Geburtstags verzichtete Anna Späni am Samstag aber auf Menuwünsche. «Ich hab eigentlich alles gern.» Immerhin, ein Stück Kuchen habe es natürlich gegeben.

Seit der 3. Klasse in Andwil

Mit dem Umzug in den Espel ist Anna Späni wieder nach Gossau zurückgekehrt, in die Gemeinde, wo sie 1913 das Licht der Welt erblickt hatte. Die vielen Jahre dazwischen verbrachte sie seit der dritten Klasse in Andwil. «Dort hat es mir immer gefallen. Das war eine stabile Umgebung.» Ihr Vater hatte sein Geld als Sticker verdient, in einer Branche also, die sich damals im Niedergang befand. Die Gelegenheit, selber einen Beruf zu erlernen, hatte Anna Späni nicht. «Damals hatte man kein Geld für eine Ausbildung.» Stattdessen arbeitete sie im Haushalt.

Regelmässige Besuche

Mit 34, spät für damalige Verhältnisse, heiratete sie ihren Mann August. «Er war ein guter Mann», sagt Anna Späni mit lebhafter Erinnerung. Fünf Kinder hatte sie mit dem «Strassner», dem Strassenbauer. Bis heute sind fünf Grosskinder und einige Urenkel dazugekommen. Über Besuche von Verwandten und Bekannten kann sich Anna Späni regelmässig freuen.

Lismen grösstes Hobby

Doch auch ohne Visiten wird es der ältesten Andwilerin nicht langweilig. «Wenn ich mich in meinem Zimmer ein bisschen beschäftigen kann, bin ich schon zufrieden.» Über das regionale Geschehen hält sie sich über das Radio auf dem Laufenden. Den Fernseher schalte sie hingegen nur selten ein: «Die Augen sind nicht mehr gut genug dafür.» Ihr Lieblingshobby ist auch heute noch das Lismen. «Das ist eine saubere Arbeit, bei der man am Schluss etwas in Händen hält, das Freude macht.» Aber auch kleine Spaziergänge durch den Espel-Garten bereiten der Jubilarin Freude: «Bei schönem Wetter gehe ich sehr gerne nach draussen.»