Auch in der zweiten Lebenshälfte im Dorf wohnen

Nicht erst seit den Zukunftskonferenzen im Herbst 2009 herrscht weitgehend Einigkeit, dass Gaiserwald eine ausgezeichnete Wohngemeinde ist und sich auch als solche positionieren soll. Dazu gehören gute Schulen, aber auch Wohn- und Betreuungsplätze im Alter.

Drucken
Teilen

Nicht erst seit den Zukunftskonferenzen im Herbst 2009 herrscht weitgehend Einigkeit, dass Gaiserwald eine ausgezeichnete Wohngemeinde ist und sich auch als solche positionieren soll. Dazu gehören gute Schulen, aber auch Wohn- und Betreuungsplätze im Alter. Der Bedarf ist selbst für Pflegeplätze ausgewiesen. So werden bereits heute gegen 50 Gaiserwalderinnen und Gaiserwalder in Heimen auswärtiger Gemeinden betreut. Die jahrelangen Vorbereitungsarbeiten und Diskussionen haben ausserdem immer wieder gezeigt, dass ein Abtwiler in Abtwil und ein Engelburger in Engelburg bleiben möchte.

Nun bietet sich unserer Gemeinde die Möglichkeit, an zwei geradezu idealen Standorten Wohnen und Pflege im Alter realisieren zu können. Die Planung auf der «grünen Wiese» ermöglicht äusserst effiziente Einrichtungen, welche punkto Kosten und Komfort veralteten Pflegeheimen überlegen sind; dies auch bei zwei Standorten. Nutzen wir also mit einem Ja am 19. Juni die Chance, ein überzeugendes Angebot zu schaffen. Dieses wird bestimmt auch überregional Anklang finden, so dass wir uns betreffend Nachfrage wenig Gedanken machen müssen. Die demographische Entwicklung spricht noch zusätzlich für die weitsichtigen Projekte.

Der Wärmeverbund in Engelburg bringt zweifelsohne hohe Investitionskosten mit sich. In Anbetracht der sehr langen Abschreibungsdauer relativieren sich diese aber merklich. Ausserdem wäre es schade, wenn wir die vorhandenen Ressourcen (Holzschnitzel und Heizungsanlage der Firma Schnider) nicht sinnvoll nutzen würden, zumal die Bedarfs- und Interessenabklärungen durch die Gemeinde positiv ausgefallen sind. Auch bei dieser Vorlage sollten wir mutig die Chancen nutzen und das Beste daraus machen, anstatt nur Gefahren aufzuzeigen und im Stillstand zu verharren. Deshalb unterstütze ich auch die zukunftsgerichtete Alternative zu Ölheizungen.

Patrick Rütsche, Präsident

FDP.Die Liberalen Gaiserwald

Vollmoosstr. 26

9030 Abtwil

Lebens- und lohnenswert

Als bis vor kurzem langjährige Bewohnerin und Behördemitglied von Gaiserwald lernte ich viele junge und alte Engelburgerinnen und Engelburger, St. Josefer und St. Joseferinnen, Abtwiler und Abtwilerinnen kennen und schätzen. Viele Einwohner sind schon viele Jahre in ihren Dörfern zu Hause, leisten ihren Beitrag für das Allgemeinwohl, auch ehrenamtlich. Gerade deshalb lohnt es, diesen Menschen im fortgeschrittenen Alter, besonders bei Betreuungs- und Pflegebedarf, ihren Lebensalltag im eigenen Dorf zu ermöglichen. Im hohen Alter wird nicht nur der eigene Lebensradius, sondern auch derjenige der Gleichaltrigen immer kleiner. Daher gewinnt der Wohnort (Standort) zunehmend an Einfluss auf die Lebensqualität.

Berücksichtigt man bei zwei Standorten den Erhalt einer guten, vertrauten Lebensqualität auch im hohen Alter, sind Mehrkosten deswegen keineswegs vergebens investiert. Nicht zu vergessen ist, dass bei der heutigen demographischen Entwicklung solche geplante Wohnangebote für das Alter nebst den vertrauten Institutionen zukunftsgerichtet sind. Die Wahlmöglichkeit, im hohen Alter bleiben zu können, macht das Leben für junge und ältere Dorfbewohnerinnen und -bewohner lebens- oder eben sogar lohnenswert.

Jeannine Bächle-Wildberger

dipl. Gerontologin

Marktgasse 24, 9000 St. Gallen

Lebensqualität für alle

Lebensqualität bedeutet für ältere Menschen unter anderem, ihren Wohnort behalten zu können, Sicherheit im Bereich der Gesundheitsversorgung, mobil zu bleiben dank Verkehrssicherheit und guter Wohnlage und dabei wählen zu können zwischen Alleinsein und Nicht-Alleinsein. Wir Menschen wollen das Leben in der zweiten Lebenshälfte möglichst individuell gestalten. Das Wohnen am angestammten Wohnort wird also im Alter zunehmend wichtiger.

Der Anteil der über 65-Jährigen wird sich weiter erhöhen. Seit sechs Jahren beschäftigt sich in der Gemeinde Gaiserwald eine Arbeitsgruppe mit dem Wohnen im Alter. Zusammen mit Fachpersonen und Fachstellen wie der Förderstelle gemeinnütziger Wohnungsbau wurden Lösungen erarbeitet. Sowohl in Abtwil, St. Josefen als auch in Engelburg soll Betreutes Wohnen mit einem minimalen Grundangebot sowie zusätzlich abrufbaren Dienstleistungen im Haushalt und in der Betreuung das Wohnen auch in der zweiten Lebenshälfte ermöglichen. Mit Pflegewohnungen kann das Angebot flexibel ergänzt werden, so dass auch Pflegebedürftige in bekannter Umgebung bleiben können.

Die Fakten und Erfahrungen an andern Orten zeigen, dass die vorgeschlagene Lösung sinnvoll ist und mit einer Stiftung zweckmässig verwirklicht wird. In einer Leistungsvereinbarung zwischen Gemeinde und Stiftung werden Auftrag und Pflichten geregelt. Ortsansässige Partner, die sich für das Leben und Wohnen im Alter engagieren, sollen im Beirat vernetzt und eingebunden werden, so dass eine Art Alterskonferenz entsteht. Ob eine noch zu bestimmende professionelle Organisation oder Firma mit gutem Leistungsausweis beauftragt wird, ist nicht entschieden. Jedenfalls ist gewährleistet, dass nebst dem Gemeinderat auch Stiftungsrat und Beirat unsere Interessen wahrnehmen.

Mit einem Ja am 19. Juni geben wir nicht nur den älteren Menschen, sondern unseren Dörfern und damit uns allen Lebensqualität.

René Klement

Präsident der WBG Lärchenhügel Ebnetstr. 12, 9032 Engelburg

Aktuelle Nachrichten