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Auch hier spielt die Musik

Ist St. Gallen kulturelle Provinz? Veranstalter verneinen. Viele internationale Künstler finden den Weg in die Gallusstadt. Das braucht allerdings Zeit, Kontakte und öffentliche Gelder.
Roger Berhalter
World Music kommt in St. Gallen an: Die kongolesische Band Staff Benda Bilili bei ihrem Auftritt 2012 am Kulturfestival im Stadtpark. (Archivbild: Urs Jaudas)

World Music kommt in St. Gallen an: Die kongolesische Band Staff Benda Bilili bei ihrem Auftritt 2012 am Kulturfestival im Stadtpark. (Archivbild: Urs Jaudas)

Köln, Hamburg, Berlin, St. Gallen. Meist wird die Gallusstadt nicht in einem Atemzug mit deutschen Grossstädten genannt. Beim aktuellen Tourplan von Mark Lanegan aber ist das der Fall. Der Songwriter aus den USA gibt in diesem Frühling im gesamten deutschsprachigen Raum nur vier Konzerte – eines davon am 21. Mai im Palace in St. Gallen.

Es geht um Aufmerksamkeit

Für Damian Hohl, Booking-Chef des Kulturlokals, ist das nur ein Beispiel dafür, dass sehr wohl bekannte Künstler den Weg in die «Provinz» – also nach St. Gallen – finden. «Durch unsere guten und langjährigen Kontakte ist vieles möglich, und die St. Galler Kulturszene hat in den letzten Jahren viel Aufbauarbeit geleistet, über alle Sparten hinweg.» Allerdings sei es nicht einfacher geworden, Bands nach St. Gallen zu locken. «Es gibt definitiv die Tendenz, dass international angesagte Bands kleine Schweizer Städte im Tourplan auslassen.» Englische Konzertagenturen und Managements kalkulieren kühl: Eine Band tritt dort auf, wo es am meisten Zuhörer, die höchste Aufmerksamkeit und die grösste Medienpräsenz gibt. Allzu oft ist das in Zürich statt in St. Gallen der Fall.

Je nach Rahmenbedingungen

Liegt St. Gallen aus kultureller Sicht also doch am «Arsch der Welt», wie Veranstalter Etrit Hasler gegenüber unserer Zeitung behauptete (Ausgabe vom Donnerstag)? Und müsste die Stadt tatsächlich Anreize schaffen, um bekannte Künstler anzulocken, etwa in Form von gesponserten Hotelübernachtungen?

Dario Aemisegger von der Veranstaltungsagentur Allnight widerspricht vehement: «Jede Stadt und jeder Veranstalter kann am <Arsch der Welt> oder im Epizentrum stehen!» Man müsse sich überlegen, welcher Anlass wo funktioniert, und wo die Rahmenbedingungen am besten seien. Gehe eine Veranstaltung finanziell «in die Hosen», müsse man selbstkritisch nach der Ursache suchen. «Ob ein Konzept funktioniert oder nicht, liegt ganz bestimmt nicht in der Verantwortung der Kulturförderung oder des Standortmarketings.»

Wer mit der Art der finanziellen Unterstützung nicht zufrieden sei, müsse sich halt neue Partner suchen: sei es neue Sponsoren oder einen neuen Standort in einer anderen Stadt, die der Veranstaltung gegenüber freundlicher gesinnt sei. Als Negativ-Beispiel nennt Aemisegger die SRF-Spendenaktion «Jeder Rappen zählt»: «Da stimmen die Rahmenbedingungen in St. Gallen anscheinend nicht.»

Mit dem Dom punkten

Aemisegger veranstaltet seit Jahren das «Weihern unplugged»-Festival auf Dreilinden. Die Rahmenbedingungen seien dabei von Anfang an wichtiger gewesen als die Höhe der Fördergelder – auch wenn er anfangs froh um die Anschubfinanzierung der öffentlichen Hand gewesen sei. Heute punktet Aemisegger mit anderem. Er zeigt eine Broschüre, die er jeweils den Bands vorab schickt. Sie zeigt mögliche Ausflugsziele, die der Veranstalter den Musikern am Tag nach dem Konzert anbietet: den Seealpsee, das Bergrestaurant Aescher, das Säntismassiv und den St. Galler Dom. «Dagegen kommt kein Zürcher Veranstalter an.»

Ins gleiche Horn stösst auch Damian Hohl vom Palace: «Man muss ein guter Gastgeber sein, damit kann man in der Provinz punkten. Das spricht sich auch herum, denn den Bands ist eine persönliche Betreuung lieber als eine durchgetaktete Grossveranstaltung ohne Herz.»

Hauptstadt der Poetry-Slammer

Aus einer anderen Warte spricht Lukas Hofstetter, Veranstalter von Gapevents. Er organisiert seit 15 Jahren Poetry Slams in der Stadt, aktuell die Schweizer Meisterschaften vom 17. bis 19. März. Für diese Szene ist St. Gallen keine Provinz, im Gegenteil: «St. Gallen gilt in der Slam-Szene als Metropole, viele Künstler wollen hier auftreten.»

Bei der World Music top

Dennoch: Ohne öffentliche Fördergelder gehe es nicht. Hofstetter veranstaltet auch das Kulturfestival im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums. Im Bereich World Music spiele man dort in der «Champions League». Hier spielen im Sommer mittlerweile Künstler, die man sonst nur am «Blue Balls» in Luzern, in Montreux oder am Paleo-Festival in Nyon erleben kann. Diesen Ruf aufzubauen, habe Zeit gebraucht – und Geld: «Ohne Unterstützung der öffentlichen Hand hätten wir das nicht geschafft oder aufgeben müssen.»

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