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Auch Gallus war ein Flüchtling

Der Weg durch die Stein-, Bronze- und Römerzeit dauert keine fünf Minuten. Die 17 Flüchtlinge aus der Jugendherberge St. Gallen, Männer, die meisten zwischen 20 und 30 Jahren, werfen kurze Blicke auf die Scherben, Messer und Münzen in den Glaskästen.
Katharina Brenner
Museumspädagogin Jolanda Schärli stellt St. Gallen im Modell vor. (Bild: Katharina Brenner)

Museumspädagogin Jolanda Schärli stellt St. Gallen im Modell vor. (Bild: Katharina Brenner)

Der Weg durch die Stein-, Bronze- und Römerzeit dauert keine fünf Minuten. Die 17 Flüchtlinge aus der Jugendherberge St. Gallen, Männer, die meisten zwischen 20 und 30 Jahren, werfen kurze Blicke auf die Scherben, Messer und Münzen in den Glaskästen. Sie besuchen am Freitagmorgen eine Führung im Historischen und Völkerkundemuseum. Das Thema: Die Geschichte der Stadt St. Gallen.

Englisch und Persisch

Deshalb beginnt die eigentliche Führung in einem kleinen Raum, der Gallus und seiner Zeit gewidmet ist. Museumspädagogin Jolanda Schärli, die die Führung lancierte, erzählt aus dem Leben des Heiligen, eines «refugee». Sie spricht Englisch, aber nur wenige verstehen sie. Qorishi Fridun, 25 Jahre alt, vor dem Krieg aus Afghanistan geflohen und seit drei Monaten in St. Gallen, übersetzt Schärlis Sätze ins Persische. Gut zwei Drittel der Männer kommen aus Afghanistan, die anderen aus Syrien und Moldawien.

Schärli zeigt ein Bild von Gallus und dem Bären. Viele der Männer nicken, sagen «oh» oder «ah», als Schärli im Anschluss einen Ausdruck des Stadtwappens hoch hält.

Sie deutet mit der linken Hand auf den steinernen Sarg am Eingang des Raums. Er sei vor ein paar Jahren beim Kloster gefunden worden und darin ein Skelett, sagt die Museumspädagogin. «Is it Gallus?», wollen die Männer wissen. Nein, sagt Schärli, aber Untersuchungen hätten ergeben, dass der Mann zur selben Zeit lebte. Er sei 1,72 Meter gross gewesen. «Like you», sagt Schärli, und zeigt auf den Mann, der neben ihr steht. Er ist einen halben Kopf grösser als sie, trägt eine schwarze Lederjacke und sein dunkles Haar kurz.

Ein Stockwerk höher erklärt Schärli der Gruppe zwei Modelle: eines der ursprünglichen Klosteranlage und eines der späteren Stadt.

Würfelbecher aus Afghanistan

Zum Abschluss zeigt sie Exponate des Historischen und Völkerkundemuseums aus Afghanistan: zwei alte Würfelbecher aus dunklem Holz, die mit filigranen orangefarbenen Blättern bemalt sind. Zwei der Männer nehmen die Becher in die Hand, wenden sie, klopfen mit den Fingern auf das Holz. Sie schütteln den Kopf, Fridun übersetzt: Nein, so etwas hätten sie noch nicht gesehen.

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