Auch ein Abbruch ist möglich

Die Kolpingfamilie Gossau hat ihren Anteil am Andreaszentrum verkauft. Käufer ist die katholische Kirchgemeinde. Wie es mit dem sanierungsbedürftigen Andreaszentrum und der «Zunftstube» weitergeht, ist derzeit völlig offen.

Daniela Walter
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Die Zukunft des Andreaszentrums ist offen. Denkbar ist, dass das Gebäude im Stadtzentrum dereinst Alterswohnungen weichen muss. (Bild: Urs Jaudas)

Die Zukunft des Andreaszentrums ist offen. Denkbar ist, dass das Gebäude im Stadtzentrum dereinst Alterswohnungen weichen muss. (Bild: Urs Jaudas)

GOSSAU. Das Andreaszentrum in Gossau ist über 30 Jahre alt. Und das merkt man: Die Räume weisen starke Verschleisserscheinungen auf, die Haustechnik ist veraltet. Und auch das Restaurant Zunftstube müsste dringend saniert werden. Verschiedene Anpassungen in der Küche, wie beispielsweise eine neue Lüftung, sind aus gesundheitspolizeilichen Gründen zwingend notwendig.

Eine Sanierung wäre für nächstes Jahr geplant gewesen. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort wäre. Denn der ehemaligen Mitbesitzerin, der Kolpingfamilie Gossau, fehlte das Geld dafür. Deshalb hat sie am Montagabend beschlossen, ihren Anteil an die katholische Kirchgemeinde zu verkaufen (Ausgabe von gestern).

Pächter hat gekündigt

Die Kirchgemeinde steht nun vor einer neuen Ausgangslage. «Die Sanierung könnte frühestens im Jahr 2014 gestartet werden», sagt Ruedi Manser, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Gossau. Ob die Sanierung jedoch so wie sie geplant war durchgeführt wird, ist noch unklar. Der Pächter der «Zunftstube», Jacob van Seijen, hat seinen Pachtvertrag auf Ende Jahr gekündigt. Die Kirchgemeinde übernimmt also nur die leeren Räume. Demzufolge wird das Restaurant Zunftstube in der heutigen Form noch bis Ende 2012 bestehen. Wie es danach weitergeht, ist offen. «Die Führung eines Restaurants gehört nicht zu den Kernkompetenzen einer Kirchgemeinde», so Manser. Dennoch habe die Kirche eine gewisse Verantwortung den Bürgern gegenüber. «Und wenn die Bürger ein Restaurant wollen, dann wird es auch wieder eines geben.»

Laut Manser sind aber auch andere Möglichkeiten denkbar. Zum Beispiel, die Räume der Sana Fürstenland AG zu verpachten. Oder dem Verein Wohnen im Alter. «Wir sind offen für alles», betont Manser. «Von der geplanten Sanierung, zur Zwischenlösung bis hin zum kompletten Abriss des Andreaszentrums. Alles ist möglich.» Jedoch wollten sie nichts überstürzen. «Wir möchten uns Zeit lassen, gemeinsam mit der Gossauer Bevölkerung die optimale Lösung zu finden.» An einer Informationsveranstaltung, die voraussichtlich Ende November oder Anfang Dezember stattfinden wird, sollen die Gossauer deshalb ihre Ideen einbringen.

Zu grosses Risiko

Bis anhin war die Kolpingfamilie mit 15,8 Prozent am Andreaszentrum beteiligt. Oder anders gesagt: Die «Zunftstube» sowie eine Fünfeinhalbzimmerwohnung gehörten dem Verein. An den geschätzten Sanierungskosten von rund sechs Millionen Franken hätte sich die Kolpingfamilie deshalb mit rund 515 000 Franken beteiligen müssen. Hinzu wären Kosten für die Sanierung des Restaurants gekommen. «Alles in allem hätte die Kolpingfamilie über 1,2 Millionen Franken zahlen müssen», sagt Beat Lehmann, Präsident der Liegenschaftskommission der Kolpingfamilie. Dies würde für den Verein ein jährliches Defizit von 48 000 Franken bedeuten. Dieses Risiko wollte die Kolpingfamilie nicht eingehen. An einer ausserordentlichen Generalversammlung hat sie beschlossen, ihr Stockwerkeigentum für insgesamt 330 000 Franken zu verkaufen.

Verkauf auch eine Erleichterung

Der Entscheid für den Verkauf fiel laut Lehmann deutlich aus: von 100 Anwesenden hätten 99 dafür gestimmt. Obwohl Kolping viel Herzblut in die «Zunftstube» gesteckt habe, sei der Verkauf auch eine Erleichterung, sagt Lehmann. «Wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr. Das müssen wir akzeptieren.»