Auch die fünf Sinne altern

Im Gossauer Altersheim Abendruh können Besucher selber erleben, wie es sich anfühlt, wenn im Alter die Sinne eingeschränkt sind. Gehörschutz simuliert Schwerhörigkeit, Nasenklemmen dämpfen den Geruchssinn.

Tim Wirth
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Mit einer Brille, durch die man verschwommen sieht, und mit Gewicht am Bein, wird das Gehen entlang einer Linie zur Herausforderung. (Bilder: Urs Bucher)

Mit einer Brille, durch die man verschwommen sieht, und mit Gewicht am Bein, wird das Gehen entlang einer Linie zur Herausforderung. (Bilder: Urs Bucher)

GOSSAU. Im zweiten Stock des Altersheims Abendruh ist ein Sinnesparcours aufgebaut. An fünf verschiedenen Posten – für jeden Sinn einen – ist es den Besuchern möglich, Alltagstätigkeiten mit verschiedenen Einschränkungen auszuführen. Nachdem Pro Senectute vergangene Woche ein Symposium zum Thema «Fragilität im Alter» veranstaltet hat, können Besucher die Theorie hier während einer Woche praktisch austesten.

Sinne künstlich einschränken

Fünf kleine Konfitürengläser, gefüllt mit verschiedenen Gewürzen, stehen auf einem Tisch. Die Besucher sollen erschnuppern, was sich darin befindet. Was in der Jugend nicht schwierig ist, kann im Alter unmöglich sein. Mit einer Klammer auf der Nase soll dieses Gefühl nachvollzogen werden. «Ist der Geruchssinn beeinträchtigt, wirkt das Essen oft fade. Appetitlosigkeit kann die Folge sein», sagt Brigitta Meili, Leiterin Hilfe und Betreuung der Pro Senectute Gossau und St. Gallen Land. Auch bei den anderen Posten werden die Sinne mit Hilfsmitteln eingeschränkt: Mit einer schwummrigen Brille soll der Fahrplan gelesen, mit sperrigen Handschuhen die Knöpfe eines Hemdes geöffnet werden. «Wir wollen die Besucher für den Umgang mit älteren Menschen sensibilisieren», sagt Meili.

Respekt vor Senioren

Im April organisierte das Altersheim Abendruh bereits einen Parcours zu den fünf Sinnen für die Bewohner. Der jetzige Parcours richtet sich an Angehörige und Interessierte, aber auch an Mitarbeitende des Altersheims. «Die Bewohner erleben die Defizite ja bereits täglich», sagt Meili.

Die Pro Senectute Gossau und St. Gallen Land ist eine Anlaufstelle für Altersfragen und bietet Kurse, Beratungen und Betreuung an. «Es gibt viele Leute, die wütend werden, wenn Senioren im Laden an der Kasse mal etwas länger brauchen», sagt Brigitta Meili. Der Sinnesparcours solle dabei helfen, älteren Menschen mehr Respekt entgegenzubringen.

Andrang hält sich in Grenzen

«Der Andrang auf den Parcours hat sich bis jetzt in Grenzen gehalten», sagt Meili. Die Pro Senectute habe aber auch nur wenig inseriert. Cornelia Gauch, Besucherin des Parcours, findet die Gelegenheit zur Selbsterfahrung sehr wertvoll: «Im Alltag macht man sich wenig Gedanken darüber, wie sich der Körper eines Menschen im Alter verändert.» Wer den Sinnesparcours im Altersheim Abendruh noch besuchen möchte, hat heute Donnerstag und morgen Freitag noch die Gelegenheit. Von 9 bis 11 und von 14 bis 16 Uhr ist jemand von Pro Senectute anwesend, der die Posten erklärt.

Auch das Zeitungslesen geht im Alter oft nicht ohne Hilfsmittel. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Auch das Zeitungslesen geht im Alter oft nicht ohne Hilfsmittel. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))