Auch den Grossen wird's zu teuer

Kleinere Geschäfte mussten schon früher kapitulieren und aus der teuren Altstadt in die Nachbarquartiere ziehen. Jetzt verlassen auch grössere Ketten das teure Pflaster. Die Onlinekonkurrenz und die Miete machen allen zu schaffen.

Elisabeth Reisp
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Alles muss raus, das Schuhgeschäft Pasito schliesst seine Filiale – Geschäftsziele sind nie erreicht worden. (Bild: Benjamin Manser)

Alles muss raus, das Schuhgeschäft Pasito schliesst seine Filiale – Geschäftsziele sind nie erreicht worden. (Bild: Benjamin Manser)

Neu ist das Phänomen des Laden-Exodus nicht. Nun ist es in der St.Galler Altstadt aber wieder aufgeflammt wie eine ansteckende Grippe. In auffallender Häufigkeit hängen «Räumungsverkauf»-Schilder in den Schaufenstern. Betroffen sind nicht mehr nur kleine Geschäfte, jetzt wirds auch den Ladenketten zu teuer.

Das Unterwäsche-Geschäft Triumph an der Multergasse gibt auf. Der vormalige Laden von S.Oliver an der Neugasse 39 steht bereits leer und seit einer Woche wissen auch die Mitarbeiterinnen vom Pasito-Schuhladen, dass die Filiale an der Neugasse bald schliesst. Das Schuhgeschäft Bata gibt seine Niederlassung am Bohl nach fast 45 Jahren in St.Gallen auf. Wo man fragt, werden die Online-Konkurrenz und die saftigen Mieten als Gründe für die schlechten Geschäfte angegeben.

200 000 Franken Jahresmiete

Die Mieten in der Altstadt sind stattlich. Die Liegenschaft an der Multergasse 16 ist im Internet zur Miete ausgeschrieben, für 1500 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Die Verkaufsfläche ist auf zwei Etagen mit 100 Quadratmetern angegeben, zuzüglich eines Büros und 30 Quadratmetern Lagerfläche im ersten Untergeschoss. Zusammengezählt ergibt das eine Miete von über 200 000 Franken pro Jahr. Für den Unterwäsche-Riesen Triumph war dies offensichtlich zu viel, er zieht Ende Februar aus. Sprecher der Triumph AG Olav Kratz begründet den Auszug mit dem Geschäftsergebnis. «Die Filiale an der Multergasse hat der Profitabilitätsprüfung nicht mehr standgehalten.» Die Miete sei einer von mehreren Faktoren gewesen.

Langen Atem bewiesen

Das Pasito-Geschäft an der Neugasse schliesst ebenfalls wegen mangelndem Umsatz. Der Geschäftsleiter der Pasito-Fricker AG, Werner Aerni, beschönigt nichts: «Wir haben in den fünf Jahren an diesem Standort die betriebswirtschaftlichen Ziele nie erreicht.»

Man habe länger geübt, als es üblich sei. «Nach fünf Jahren aufzuhören, ist nicht ideal, wenn man sich die getätigten Investitionen vor Augen führt.» Doch etliche Massnahmen, wie Sortimentsanpassungen, hätten nie zum gewünschten Ergebnis geführt.

Aus Aernis Sicht ist das Ladensterben nicht unbedingt ein hausgemachtes Problem der Stadt. Die Mietpreise seien in den letzten Jahren eher stagniert. Für Pasito hätten die Probleme schon angefangen, als der Euro unter 1.50 Franken gefallen sei. «Viele Kunden aus dem nahen Ausland blieben ab dann fern.»

Das Sportgeschäft Actdis hat letzte Woche ebenfalls angekündigt, bald das Handtuch zu werfen. Auch das Ledergeschäft Criz an der Neugasse soll dem Vernehmen nach wegziehen. Die Ladenfläche ist jedenfalls zur Miete ausgeschrieben. Für eine Stellungnahme war gestern jedoch niemand erreichbar.

Seit zwei Jahren leerstehend

Zur Miete ausgeschrieben ist nach wie vor die Liegenschaft an der Spisergasse 24. Zuletzt war die Boutique Späti eingemietet. Nachdem der Eigentümer wechselte, wurde die Miete für die Boutique zu hoch. Das war vor zwei Jahren. Seither steht das Geschäft mitten in der Altstadt leer.

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