Au - Tanz endet im Blutbad

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Am 6. Februar 1530 wurde in einer Wirtschaft im Dickenau bei Au eine Hochzeit abgehalten. Der Ammann von Lustenau, Ulrich Zoller, und einige weitere Lustenauer waren eingeladen. Und vom Hirschberg her erschien eine Gruppe Appenzeller mit Musik. Laut Reformationssatzung von 1528, die von den Höfen Altstätten, Marbach, Balgach und Berneck angenommen wurde, waren Spiel und Tanz nur an Jahrmärkten und öffentlichen Hochzeiten gestattet. Au war zwar zu Lustenau kirchgenössig, stand aber politisch unter dem Mandat von Berneck. Die Appenzeller beharrten aber darauf, dass ein Fest ohne Musik nur ein halbes Fest sei. Der Lustenauer Ammann Zoller gab seinen Segen zum Tanz. Als man in Berneck von Weitem die Pfeifen und Trommeln der Appenzeller vernahm, eilte sogleich eine Schar Bernecker in die Dickenau, um dem Affront ein Ende zu setzen. Die Appenzeller machten sich sogleich aus dem Staub. Zwischen den Berneckern und den Lustenauern kam es zum Handgemenge. Die unterlegenen Lustenauer ergriffen die Flucht und stürzten zu ihren Booten, wurden von den Berneckern aber abgefangen. Ammann Zoller und ein Gefährte wurden verhaftet und nach Altstätten gebracht. Im Gefecht wurde einem Bernecker ein Arm abgetrennt. Tage später starb dieser an der Verletzung. Durch die Frage nach der gerichtlichen Zuständigkeit verstrickten sich die vier Rheintaler Höfe, St. Gallen, Lustenau, die acht eidgenössischen Schirmorte sowie Bregenz und zwölf süddeutsche Grafschaften in den sogenannten "Zoller-Handel". Nach wochenlangen diplomatischen Verhandlungen erging am 2. Mai das Urteil. Ammann Zoller und sein Mitgefangener mussten der Familie des Getöteten 55 Gulden und an die vier Höfe für aufgelaufene Haftkosten 45 Gulden bezahlen. (hrt)

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