Asylfragen treffen Nerv

Bis im April soll der Kanton St. Gallen 800 neue Asylbewerber und Flüchtlinge in den Gemeinden verteilen. Vier Politiker haben an einem Podium in Wittenbach diskutiert.

Mirjam Bächtold
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Unter Daniel Wirths Leitung (Mitte) diskutierten (von links): Karl Güntzel (SVP), Richard Ammann (BDP), Bernhard Keller (CVP), Iusuf Sherifi (SP). (Bild: Michel Canonica)

Unter Daniel Wirths Leitung (Mitte) diskutierten (von links): Karl Güntzel (SVP), Richard Ammann (BDP), Bernhard Keller (CVP), Iusuf Sherifi (SP). (Bild: Michel Canonica)

WITTENBACH. In Wittenbach wurden im Januar bisher 43 Asylsuchende untergebracht. Das entspricht noch nicht dem Sollwert der Gemeinde von 77 Asylbewerbern für den ersten Monat. Es sei klar, dass stetig mehr Personen hier einquartiert werden. Mit diesen Worten eröffnete Gemeinderätin Marlies Lorenz die Podiumsdiskussion, die am Mittwoch in der Aula des OZ Grünau stattfand.

Der Gossauer Stadtrat und Regierungsratskandidat Bruno Damann erzählte, wie Gossau als viertgrösste Stadt im Kanton die grosse Anzahl an Asylsuchenden bewältigt: «Drei neue Unterkünfte sind bereits eröffnet oder in Bearbeitung.»

Wie Menschen behandeln

Die Podiumsdiskussion leitete Daniel Wirth, Leiter der Tagblatt-Stadtredaktion. Mit ihm diskutierten Karl Güntzel (SVP, St. Gallen), Richard Ammann (BDP, Gaiserwald), Bernhard Keller (CVP, Muolen) und Isuf Sherifi (SP, Wittenbach). Karl Güntzel stellte gleich zu Beginn klar, dass er nicht dieselben Begriffe verwende wie andere: Er bezeichnete die Asylsuchenden als «Leute auf einer Wanderung», was im Publikum Kopfschütteln auslöste. Isuf Sherifi konterte: «Ich war selbst ein Flüchtling. Ich wurde gezwungen, mein Land zu verlassen, habe mich nicht für eine Wanderung entschieden.» Die Asylsuchenden seien hier und man müsse sie wie Menschen behandeln.

Daniel Wirths Frage, ob Zivilschutzanlagen zumutbar seien, bejahten alle Kantonsratskandidaten. Bernhard Keller: «Wir haben während des Militärdienstes auch darin gelebt, natürlich sind diese Unterkünfte zumutbar. Es ist frustrierend, wenn man erleben muss, dass Flüchtlinge sich weigern, in eine Zivilschutzanlage zu ziehen.» Karl Güntzel sprach sich sogar für Zeltstädte wie in Dänemark aus.

Religion als Konfliktherd

Ein lange diskutierter Punkt war die erfolgreiche Integration. Lehrer Richard Ammann war der Meinung, die beste und günstigste Integration geschehe in Schulen. Bernhard Keller argumentierte, dass Asylsuchende sich an unsere Werte und Regeln halten müssten. Die Sprache sei das wichtigste Mittel zur Integration und die Religion der schwierigste Punkt, der oft auch Konfliktpotenzial berge.

Isuf Sherifi plädierte dafür, dass die Gemeinden besser mit den Repas-Stellen zusammenarbeiteten. Er war auch der Meinung, dass die Gemeinden investieren müssen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, davon würden sie dann auch profitieren. Bernhard Keller entgegnete, das sei nicht leicht, in der Schweiz fehle es an Arbeitsplätzen und Richard Ammann sowie Karl Güntzel waren der Meinung, es könne nicht sein, dass ein Flüchtling einem Schweizer den Arbeitsplatz wegnehme.

Falscher Ansatz

Auch die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten wurden thematisiert. Karl Güntzel: «Wir müssen den Mut haben, jemanden nach mehrfachem Vergehen auszuschaffen.» Die anderen drei Politiker verurteilten die Vorfälle, nutzten aber die Gelegenheit, um gegen die Durchsetzungs-Initiative der SVP zu sprechen. Bernhard Keller: «Diese Initiative ist ein völlig falscher Ansatz und Gift für unsere Wirtschaft.» Damit erhielt er Applaus.

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