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Astronauten im Neumarkt

Beim Bau des Neumarkts wurden einst asbesthaltige Platten und Mörtel verwendet. Mit der Sanierung des Einkaufszentrums muss das gesundheitsschädliche Material nun ausgebaut und entsorgt werden. Das kostet Zeit und Geld.
Tobias Hänni
Hermetisch abgeriegelt: Bauarbeiter in spezieller Schutzkleidung entfernen im Küchenbereich des Migros-Restaurants asbesthaltiges Material. (Bild: pd)

Hermetisch abgeriegelt: Bauarbeiter in spezieller Schutzkleidung entfernen im Küchenbereich des Migros-Restaurants asbesthaltiges Material. (Bild: pd)

«Das Migros-Restaurant schliesst bis Anfang 2013 wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten.» Vor den Restauranteingängen im Neumarkt informieren Tafeln über die vorübergehende Schliessung. Die Eingänge sind mit Holzwänden vom Rest des Einkaufszentrums abgeriegelt. Der Grund gemäss Infotafeln: «Es wurden erheblich grössere Mengen an Asbest gefunden als vermutet.»

Zwei Monate Verzögerung

«Im Bereich des Restaurants haben wir während der Sanierung asbesthaltigen Plättli-Mörtel gefunden», sagt Hans-Heiner Kern, Projektverantwortlicher und Vertreter der Bauherrschaft. Ein Fund mit Folgen: Der Umbau verzögert sich aufgrund des Asbestausbaus laut Kern um zwei Monate. Schon bei der Projektierung des Umbaus waren grosse Mengen an asbesthaltigem Material gefunden worden. «In allen drei Neumarkt-Türmen wurde Asbest verwendet», sagt Kern. In Turm drei und vier seien festgebundene Asbestplatten eingebaut worden. «Solange diese Platten nicht bearbeitet, etwa auseinandergesägt werden, sind sie ungefährlich.» In Turm fünf sei leicht gebundener Asbest aufgetaucht, der ein grösseres Sicherheitsrisiko darstelle.

Strenge Vorschriften

Da Asbest schädlich für Mensch und Umwelt ist (Kasten), gelten für dessen Handhabung strenge Vorschriften. «Der betroffene Bereich muss hermetisch abgeriegelt werden und kann nur über mehrere Eingangsschleusen betreten werden. Ausserdem herrscht im Innern ein Unterdruck, damit keine Fasern nach draussen dringen», erklärt Kern. Der Ausbau wird von Spezialfirmen ausgeführt, deren Angestellte in ihren weissen Spezial-anzügen wie Astronauten aussehen. «Mit diesen Massnahmen kann man zu hundert Prozent ausschliessen, dass etwas nach aussen dringt.»

Doch die aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen kommen die Eigentümer des Neumarkts teuer zu stehen. Von den rund 50 Millionen Franken für den gesamten Umbau wurden «einige für den Ausbau des Asbests gebraucht», sagt Kern.

Die Suva kontrolliert

Begleitet wird der korrekte Umgang mit Asbest vom städtischen Amt für Baubewilligungen. «Wir sorgen dafür, dass die Auflagen im Zusammenhang mit Asbestsanierungen verfügt werden», sagt Heinz Studer vom Amt für Baubewilligungen. Die Einhaltung der Auflagen werde dann während der Sanierung zusammen mit den zuständigen Fachstellen, zum Beispiel mit Entsorgung St. Gallen oder dem Amt für Umwelt und Energie, kontrolliert.

«Für uns ist Asbest ein Problem, wenn es nach draussen dringt», sagt Harry Künzle, Leiter Amt für Umwelt und Energie. Da es sich jedoch primär um Vorschriften zur Arbeitsplatzsicherheit handle, sei sonst die Suva zuständig. «Schweizweit werden uns pro Jahr etwa 1500 Sanierungen von asbesthaltigen Materialien in Gebäuden gemeldet», sagt Adrian Bloch, Bereichsleiter Bau bei der Suva. Die Einhaltung der Vorschriften werde mit unangemeldeten Kontrollen stichprobenartig überprüft.

Wie viel Asbest in St. Gallen jedes Jahr aus Gebäuden ausgebaut wird, kann keine der verantwortlichen Stellen sagen. «Wir erfahren nur bei bewilligungspflichtigen Renovationen davon», sagt Studer. «Oder wenn uns jemand darauf hinweist.» Nicht jedoch, wenn ein Privater im eigenen Haus Asbest ausbaue. Bei der Suva ist man sich des Problems bewusst. «Auch wenn wir nicht zuständig sind, streuen wir unsere Asbestkampagne möglichst breit», sagt Bloch. Grundsätzlich müsse man davon ausgehen, dass in sämtlichen Gebäuden, die vor 1990 erstellt worden seien, Asbest in irgendeiner Form vorkomme.

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