Asien am Strassenrand

Übrigens

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Lange haben Rorschach, Bazenheid und St. Margrethen um den höchsten Ausländeranteil in der Bevölkerung gestritten. Rorschach allerdings machte in diesem Wettstreit nur noch halbherzig mit. Unbemerkt von den andern lief im Hintergrund die Arbeit an einem neuen Alleinstellungsmerkmal. Jetzt ist es erreicht: Rorschach ist die Döner-Hauptstadt der Schweiz. Acht Imbisse kommen hier auf 9000 Einwohner – da können auch Zürich und Genf nicht mithalten. Überhaupt keine andere Schweizer Stadt. Wahrscheinlich hätte sogar Istanbul Mühe.

Doch es tut sich noch mehr an der Ausländerfront. Für die neue Baumallee an der Hauptstrasse kamen weder Esche noch Buche in die Kränze. Gleditschien wurden gepflanzt, eine Baumart aus den USA. Gleditschien werden auch Lederhülsenbäume genannt – was eigentlich viel besser tönt und erst noch zum städtischen Steuerklima passt. Für weitere Alleen steht eine ganze Palette anderer Exoten zur Verfügung: Der Wasser-Tupelo (würde auch im See wachsen), der Blaugurkenbaum (überstünde auch eine Seegfrörni), der Japanische Kuchenbaum (riecht nach Gebäck) und der Chinesische Taschentuchbaum. Von diesem kann sich eine Erinnerungsblüte pflücken, wer nach ausgiebiger Döner-Tour schweren Herzens von klein Instanbul zu Gehacktem und Hörnli nach Hause fährt. (S.L.)