ARMUT: Ratslinke will mehr über das "Proletariat" wissen

Die SP-Grüne-Fraktion des St.Galler Kantonsrats verlangte in einem Vorstoss Auskünfte über das Proletariat im Kanton. Die Regierung verweist auf Erhebungen über Working Poor, die zeigen, dass bis zu acht Prozent der Sozialhilfebezüger voll arbeiten – und trotzdem zu wenig verdienen.

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Über die Armut im Kanton St.Gallen gibt es derzeit wenige Informationen. (Bild: CHRISTOF SCHUERPF (KEYSTONE))

Über die Armut im Kanton St.Gallen gibt es derzeit wenige Informationen. (Bild: CHRISTOF SCHUERPF (KEYSTONE))

In der Schweiz sei der Reichtum ungleich verteilt, schreibt die SP-Grüne-Fraktion in ihrem Vorstoss. Eine OECD-Statistik zeige, dass sich die Einkommen des ärmsten Teils der Bevölkerung seit der Finanzkrise kaum verändert habe − im Gegensatz zu den reichsten zehn Prozent. Die Schaffung gleicher Chancen für alle sei deshalb ein zentrales Thema.

Die Fraktion will von der Regierung wissen, wie viele Personen im Kanton St.Gallen unter der Armutsgrenze leben. Eine weitere Frage dreht sich um die Grösse des Proletariats, «eine besitzlose gesellschaftliche Gruppe, die aus dem Verkauf ihrer Arbeitskraft ihren Lebensunterhalt nicht mehr sichern kann», wie es im Vorstoss heisst.

Aussagen erst 2018 möglich

Die Antwort der Regierung zeigt, dass es bisher nur wenig Informationen über die Armut im Kanton gibt. Teilweise sind die entsprechenden Statistiken aber bereits in Arbeit. Differenzierte Analysen zur wirtschaftlichen Situation der privaten Haushalte lägen voraussichtlich Anfang 2018 vor, teilte die Regierung mit.

Bei der Frage nach dem Proletariat verweist die Regierung unter anderem auf eine Studie über die «Working Poor» aus dem Jahr 1999.

Weitere Informationen finden sich in der Sozialhilfestatistik. Dort gebe es einen Indikator, der angebe, «welcher Anteil der Haushalte, die Sozialhilfe beziehen, einen kumulierten Beschäftigungsgrad von wenigstens 100 Stellenprozent ausweist», erklärt die Regierung. Zwischen 2008 und 2014 lag dieser Anteil bei sechs bis acht Prozent.

Weiter liegen Angaben zu den Risikofaktoren für eine Unterstützungsbedürftigkeit vor. Auch diese Informationen stammen aus der Sozialhilfestatistik: Knapp ein Drittel der Bezügerinnen und Bezüger seien Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, stellt die Regierung fest. Eine weitere Gruppe ist darin übervertreten: Die Anzahl der unterstützten Alleinerziehenden ist doppelt so hoch wie die Anzahl der unterstützten Paare mit Kindern. (sda)