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Architektur als Passage

Grossackerzentrum, Sporthalle Kreuzbleiche, Hochhäuser in Achslen – die Bauten Heinrich Grafs prägen das Stadtbild: Bleibende Erinnerung an den zu Sommerbeginn verstorbenen Architekten.
Heinrich Graf, 7. April 1930 – 20. Juni 2010. (Bild: pd)

Heinrich Graf, 7. April 1930 – 20. Juni 2010. (Bild: pd)

Es gibt keinen Heinrich-Graf-Stil. Keine seiner Bauten gleicht der andern. Und doch gibt es etwas, was sie miteinander verbindet: der Wille, für jede Aufgabe die angemessene Antwort zu finden.

Die Hochhäuser in Achslen setzen am Siedlungsrand einen urbanen Akzent. Dort, wo sonst das Siedlungsgebiet ausfranst, findet es bei ihm einen klaren Abschluss; Türme, die wie Stadttore wirken.

Mit dem Grossackerzentrum wiederum hat Heinrich Graf schon in den 1970er-Jahren gezeigt, dass auch ein Einkaufszentrum überraschend und unverwechselbar gestaltet werden kann; eine Wirkung, die bis heute anhält. Bei der Sporthalle Kreuzbleiche steht der Wille, einen funktionalen Raum zu schaffen, so stark im Vordergrund, dass gerade dadurch ein stimmungsvoller Bau geschaffen wurde.

Bauen in der Altstadt

Und nochmals anders das Wirken Heinrich Grafs in der Altstadt: Weinburg und Pilgerhof in der Neugasse, Vita-Gebäude in der Brühlgasse, ehemalige Klubschule am Oberen Graben: Jede dieser Bauten fügt sich in das überkommene Gassenbild ein, nimmt Erker, Vorsprünge und Staffelungen der historischen Bauten auf, nicht um sie zu kopieren, sondern in einer modernen Formensprache neu zu erfinden.

Noch etwas ist den vier Bauten eigen: Durch jede führt eine ebenerdige Passage. Der Bau übernimmt eine Funktion im Stadtleben. Das Haus ist keine geschlossene Wand, sondern öffnet sich; kein Bollwerk, sondern eine Brücke. Heinrich Graf hat nicht einfach Häuser gebaut, sondern Städtebau betrieben. So kann die «Passage» als Symbol seines ganzen Schaffens verstanden werden: Architektur, die sich öffnet und wie von selbst öffentlich wird.

Monographie

Nach dem Tod von Heinrich Graf hat sich der BSA Ostschweiz auf Initiative der Vorstandsmitglieder Andy Senn und Beat Consoni seines Nachlasses angenommen und ihn ins Staatsarchiv überführt. Zudem wurde die Architekturhistorikerin Katrin Eberhard beauftragt, seinen Nachlass aufzuarbeiten, einen Werkkatalog zu erstellen und eine Publikation vorzubereiten. Diese soll die Bedeutung des Schaffens Heinrich Grafs im Kontext der Schweizer Nachkriegsarchitektur aufzeigen.

Dies ist aus verschiedenen Gründen wichtig: Es gibt bis heute kaum Publikationen zu Grafs Werk. Dies aber birgt die Gefahr, dass unbedachte Eingriffe seine Architektur beeinträchtigen. Und ausserdem ist zu zeigen, zu welcher Leistung ein Architekt fähig ist, wenn er auf seine eigene Einbildungskraft vertraut und nicht auf die erstbeste und billigste Lösung setzt.

Bei Glaus und Brantschen

Der in St. Gallen aufgewachsene Heinrich Graf hat 1953 sein Architekturdiplom in Winterthur erworben und anschliessend Praktika bei zwei prägenden Architekten absolviert: bei Otto Glaus in Zürich und Ernst Brantschen in St. Gallen. Wettbewerbserfolge ermöglichten 1958 die Eröffnung eines eigenen Büros. Namentlich der 5. Preis beim Wettbewerb für ein Stadttheater am Bellevue in Zürich hat ihn bekannt gemacht.

Inspirieren liess er sich durch zahlreiche Studienreisen zu Städten in Europa und in Übersee.

Im Zeichen der Baukultur

Heinrich Graf hat nicht den leichten Weg gewählt, weder in der Architektur noch persönlich. «Diplomatie, Berechnung oder das Schmieden von Allianzen waren seine Sache nicht», schreibt Katrin Eberhard in einem Nachruf. Seine «zuweilen streitbare Verfassung» hat ihm wohl manches verbaut.

Dennoch oder gerade darum soll an sein Werk erinnert werden, wie die Architekturhistorikerin sagt: «St. Gallen verliert in Heinrich Graf einen Charakterkopf, einen Architekten alter Schule, Einzelkämpfer und Generalisten, der polarisierte, aber auch wertvolle Diskussionen auslöste»; der über Baukultur aber nicht nur sprach, sondern sie auch praktizierte. (J.O.)

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