Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

ARCHÄOLOGIE: Der Klosterplatz unter dem Radar

Was befindet sich unter der Klosterwiese vor dem Dom? Wiener Wissenschafter versuchen, diese Frage mit modernen Messmethoden zu beantworten. Diese Woche scannen sie mit dem Radargerät den Boden.
Roger Berhalter
Fast wie Rasenmähen: Die Archäologen Klaus Löcker (links) und Hannes Schiel mit Messgerät auf der Klosterwiese. (Bild: Hanspeter Schiess)

Fast wie Rasenmähen: Die Archäologen Klaus Löcker (links) und Hannes Schiel mit Messgerät auf der Klosterwiese. (Bild: Hanspeter Schiess)

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Von weitem sieht es aus, als würden sie den Rasen mähen. Aber Klaus Löcker und Hannes Schiel stossen keinen Rasentrimmer über den Klosterplatz, sondern ein Hightechgerät. Die beiden Archäologen des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts sind für ein paar Tage in St. Gallen, um den Untergrund des Klosterplatzes zu vermessen. Sie tun dies mit einem gelben Bodenradar auf Rädern, der einem Rasenmäher ähnelt. Drei Sender jagen Radarwellen bis zu drei Meter tief in den Untergrund, und drei Empfänger zeichnen auf, wo die Strahlen reflektiert werden und wo nicht. «Im Prinzip schicken wir ein Mobilfunksignal in den Boden», erklärt Hannes Schiel.

Ohne Schaufel, dafür mit Computer

Durch diesen Scan erhalten die Wissenschafter nach und nach ein Abbild des Klosterplatz-Untergrundes. Die Radarwellen machen Strukturen wie Mauern oder Fundamente in bis zu zwei Metern Tiefe sichtbar, ohne dass die Archäologen graben müssen. Geophysikalische Prospektion heissen diese modernen Vermessungsmethoden, oder auch: virtuelle Archäologie. Weil der Grossteil der Arbeit am Computer passiert. Die Arbeit im Feld hingegen ist relativ schnell erledigt. Nur zwei Tage brauchen die Wiener Archäologen, um den ganzen Klosterplatz zu scannen. Danach kehren sie mit einigen Gigabyte Daten nach Wien zurück und suchen in den Bildern nach Mustern: Zeichnet sich irgendwo der Grundriss eines Gebäudes ab? Ist irgendwo eine Mauer erkennbar?

«Man weiss erst wenig oder dann nur sehr punktuell über die Vorgeschichte des heutigen Klosterhofs», sagt Klaus Löcker. Es habe zwar schon früher geophysikalische Untersuchungen auf dem Klosterplatz gegeben. Doch die Technik habe in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht. Noch nie konnte man den Boden so schnell und so grossflächig und dennoch so genau scannen. Hannes Schiel kommt auf den alten St. Galler Klosterplan zu sprechen. Mit den heute sichtbaren Gebäuden habe dieser Plan nicht viel zu tun: «Es könnte hier eine andere Aufteilung der Gebäude gegeben haben.» Dies und mehr sollen die per Bodenradar gesammelten Daten zeigen.

Sensation in Stonehenge – und in St. Gallen?

Gut möglich also, dass es schon bald neue Visualisierungen des alten St. Galler Klosters geben wird. Mit solchen Darstellungen ist das Team um den Rheintaler Archäologen Wolfgang Neubauer, der das Ludwig Boltzmann Institut Arch Pro leitet, weltweit bekannt geworden. Beim berühmten Steinkreis im britischen Stonehenge haben die Wissenschafter neue Monumente entdeckt. Und erst vergangene Woche publizierten sie neue Erkenntnisse aus der römischen Stadt Carnuntum bei Wien. Einen ganzen Stadtbezirk konnten sie dort sichtbar machen, und unter der Stadtmauer entdeckten sie Überreste eines hölzernen Amphitheaters – und all das, ohne eine Schaufel in die Hand zu nehmen oder mit dem Bagger aufzufahren.

Die Wiener Wissenschafter kombinieren für ihre virtuelle Archäologie meist mehrere Messmethoden, der Bodenradar ist nur eine davon. Derzeit arbeiten sie an rund 45 Fallstudien in ganz Europa; in St. Gallen sind sie mit ihren Messgeräten zum ersten Mal tätig, auf Einladung der Kantonsarchäologie. Ein weiteres Team arbeitet im Moment am Montlingerberg, und auch der Boden rund um die Burg Wartau wird noch diese Woche gescannt.

Die moderne Technik hat auch ihre Tücken, wie sich an diesem Mittwochmorgen zeigt. Klaus Löcker blickt auf das Tablet an seinem «Rasenmäher» und seufzt. Etwas stört das Messgerät der Forscher; zu zackig sind die Linien, die es vom Untergrund zeichnet. «Probleme mit der Elektronik gehören eben auch dazu», sagt Löcker.

Im Verlauf des Tages können die Archäologen die technischen Probleme lösen; jetzt sind alle Daten aus dem Klosterplatz-Untergrund im Kasten.

www.archpro.lbg.ac.at

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.