ARBON: Ortsbildprägend und kerngesund

Seit drei Monaten liegt das Gutachten zum Zustand der durch ein Bauprojekt bedrohten Platane beim Novaseta-Kreisel vor. Erst kürzlich findet es den Weg in die Öffentlichkeit. Die Baumschützer fühlen sich bestärkt.

Max Eichenberger
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Die «Bündnerhof»-Platane hat laut Gutachterbericht noch ein langes Leben vor sich. (Bild: Max Eichenberger)

Die «Bündnerhof»-Platane hat laut Gutachterbericht noch ein langes Leben vor sich. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Arbon hat es mit den Bäumen. Die Bürger sind darauf ausgesprochen sensibilisiert. Es sind Geschichten, die sich seit bald zwanzig Jahren wiederholen und die Gemüter bewegen: Von Rodungen im Weiherholz über die erstrittene Rettung der Kastanienallee, Fällaktionen am Philosophenweg und auf dem Schlosshügel bis zum Strandbad­areal, dem nachgeholfenen Wegsterben des Mammutbaums im Bergli und dem Aufruhr um die gefährdete geschützte Ahorn-Platane beim Bündnerhof.

Jüngst sorgte der unangekündigte Kahlschlag zwischen Saurer Werk 1 und der Quaianlage am Seeweg für neuerliche Aufregung. Vier Pappeln, zwei Birken und eine Linde sind dort bis auf die Wurzeln gestutzt worden. Das merkwürdige zeitliche Zusammenspiel mag denn auch nicht erstaunen, dass ein brisantes Papier via die «Bündnerhof»-Platanenfreunde den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat. Es handelt sich um das Gutachten des Baumexperten Matthias Brunner zur 33 Meter hohen Platane beim Novaseta-Kreisel.

Der Grundeigentümer plant auf der «Bündnerhof»-Parzelle einen Neubau ohne diesen markanten Baum, der im rechtskräftigen Schutzplan der Naturobjekte aufgeführt ist. Ein entsprechendes Baugesuch hat der Stadtrat seit dem Frühherbst auf dem Tisch zur Behandlung. Und seit fast drei Monaten auch ein Fachgutachten, das die Behörde zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Platane – und daraus abgeleitet – ein mögliches Sicherheitsrisiko in Auftrag gegeben hatte. Weil es die städtische Abteilung versäumt hat, damit die Einsprecher zu bedienen, ist dies erst auf Nachhaken hin erfolgt.

Parallel dazu ist auch das Protokoll des Augenscheins bei der Pappeln-Baumgruppe am See – mit Wochen Verzögerung – an die Mitglieder der Grünraumkommission verschickt worden. Als diese das Protokoll zugestellt erhielten, waren jedoch bereits Tatsachen geschaffen und die Bäume entfernt worden. Der Stadtrat hatte angekündigt, er werde seinen Entscheid zum «Bündnerhof»-Baugesuch, mit dem das Schicksal der Platane integral verknüpft ist, bis Ende Februar, Anfang März fällen.

Die Platanenfreunde fühlen sich durch das Gutachten und dank der Einsprachelegitimation des Natur- und Vogelschutzes bestärkt. Der Gesundheitszustand der 33 Meter hohen Platane mit einem mächtigen Kronendurchmesser von 28 Meter sei «gut bis sehr gut», heisst es darin. Und: Es gebe «keine Anzeichen, dass sich daran mittelfristig etwas ändern könnte». So kann der Baum noch eine Lebensdauer von zweihundert Jahren vor sich haben.

Eine Rodungsbewilligung wäre ein absolutes No-Go

Baumexperte Matthias Brunner: «Bei dieser Platane handelt es sich um ein Exemplar von seltener Dimension, beeindruckender Schönheit und ortsbildprägender Wirkung.» In der Krone sei praktisch kein Totholz vorhanden, «was den Eindruck einer guten Baumvitalität verstärkt». Brunner erkennt «keine stabilitätsmindernde Defektsymptome». Darum wird die Platane vom Gutachter auch nicht als Sicherheitsrisiko beurteilt.

«Die fachliche Zustandsbeurteilung bestätigt, was wir schon immer gesagt haben», sagt Erica Willi, Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Meise. Für sie und Rainer Faehndrich, Präsident der «Arboner Platanenfreunde», ist darum eine Rodungsbewilligung ein absolutes No-Go. Sie wäre unter keinem Titel zu legitimieren.» Wir sind nicht gegen einen Neubau. Aber ein Projekt muss so aufgestellt sein, dass es mit dem Baum lebt. Das ist machbar und zumutbar.»