ARBON: Mit dem Smartshuttle durchs Städtli

Neue Technologien eröffnen Perspektiven im öffentlichen Verkehr: ein führerloser Kleinbus, der durch die Altstadt kurvt. Arboner wünschen sich eine pragmatische Lösung, die abgehängte Haltestelle wieder zu bedienen.

Max Eichenberger
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Es ist noch nicht mehr als eine Vision für Arbon: Der Smartshuttle, der in Sion führerlos verkehrt. (Bild: KEY)

Es ist noch nicht mehr als eine Vision für Arbon: Der Smartshuttle, der in Sion führerlos verkehrt. (Bild: KEY)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Informiert wurde an einer gut besuchten öffentlichen Veranstaltung im Seeparksaal zunächst viel über technologische Innovationen. Das ist einerseits bei den Fahrzeugen so, die im Betrieb immer umwelt- und kundenfreundlicher werden. So bringen Hybridbusse eine Einsparung von 30 Prozent beim Diesel, sind aber bei Kursen mit Steigungen, beispielsweise von Arbon nach St. Gallen, nicht geeignet, sagt Patrick Nussbaumer, Geschäftsführer des Postautounternehmens Eurobus. Bei Bussen, die mit Brennstoffzellen bestückt sind, «kommt hinten nur Wasserdampf raus – sonst nichts». Beim Elektrobus sei vorderhand noch die Reichweite ein Problem – bei dichtem Fahrplan und geringen Aufladezeiten ein Handicap.

Der Kleinbus, der ohne Chauffeur fährt

Nicht mehr nur Vision ist der selbstfahrende Kleinbus: In Sion fahre der Postauto-Smartshuttle ohne Chauffeur, aber noch mit Begleitperson durch die Altstadt. Noch sei der Hürdenlauf gross, um ihn nicht nur beispielsweise in geschlossenen Firmenarealen, sondern auch auf öffentlichen Strassen einsetzen zu können. Doch Nussbaumer ist überzeugt: über kurz oder lang wird der Smartshuttle kommen. Warum nicht auch in Arbon?, schielt er zu Stadtpräsident Andreas Balg hinüber. Etwa bei der Erschlies­sung der Altstadt. Das könnte aus touristischer Sicht interessant sein und auch dem Gewerbe Frequenzen bringen, warf Patrick Nussbaumer durchaus ernst gemeinte visionäre Überlegungen in den Seeparksaal. Ebenso jagen sich innovative Ticketlösungen über Apps. Das Smartphone ersetzt nach und nach das Papierbillett.

Werner Müller, Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr beim Kanton, hofft, dass sich beim aktuellen Chrüsimüsi eine einzige App schweizweit durchsetzen wird. Je länger je mehr akzeptieren die Leute nicht mehr, vor allem Automobilisten, wenn der Postautochauffeur Billette herausgibt und der Bus in der Fahrbahn steht, weiss Nussbaumer. Ein Vorteil des mobilen Tickets sei, dass die Busse pünktlicher fahren können.

Die vorauseilende Zukunft des öffentlichen Verkehrs gut und recht: viele Arboner bewegt nach wie vor die Aufhebung der Bushaltestelle in der Altstadt beim Schloss, ebenso bei der Novaseta, in deren Nähe der neue Bushof seit Dezember in Betrieb ist. Die Diskussion zeigte, dass die Emotionen noch nicht abgeklungen sind. Dass der Bushof gross genug dimensioniert ist, darüber ist Stadtpräsident Andreas Balg schon einmal froh im Blick auf die Entwicklung, die der öffentliche Verkehr nimmt. Die Stadt Arbon, die jährlich 850 000 Franken an die Leistungen des ÖV ­erbringt, setze auch auf die Förderung des Langsamverkehrs: «Je mehr wir hier zulegen, desto weniger Autos haben wir auf der Strasse – mit dem positiven Effekt auf die Gesundheit der Bevölkerung», sagt Balg. Und: «Wenn mehr Tickets gelöst werden, senkt das die Kosten, welche die Stadt aufbringt.»

Stadt setzt Prioritäten nach Frequenzen

Beim Ausbau der Haltestellen­infrastruktur setzte die Stadt die Prioritäten dort, wo die Frequenzen grösser sind. Die Postauto AG und die Autokurse Oberthurgau erbringen Balg zufolge «ein gutes Angebot mit Stadtbusqualität». Der Ausbau des Romanshorner Kurses 941 habe überproportional mehr Frequenzen gebracht. Ein führerloser Smartbus in die Altstadt könnte dereinst einmal ein Thema sein, schliesst Balg diese Option zumindest nicht aus. Das wäre eine Kostenfrage und würde die Politik entscheiden. In naher Zukunft wünschen sich Votanten eine einfache, pragmatische Lösung. Eine Schlaufe in die Altstadt, so wird die Meinung vertreten, sei für die AOT-Busse machbar, allenfalls über die Öffnung der Rebenbrücke. Eine Anregung wäre ein Kleinbus vom Bushof in die Altstadt.

«Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter und prüfen, ob es Alternativen gibt», versprach Walter Schwizer, Leiter der Postautoregion Ostschweiz. Fakt sei, dass es wegen der Barriere eine Route via Bahnübergang nicht fahrbar ist, bekräftigt Müller.