ARBON: In Sorge um die Altstadt

Ein verkehrsfreies Städtli an schönen Tagen, ein Busersatz und Unterstützung für Ladengeschäfte. Das sind Vorschläge, um einer Verödung des Zentrums entgegenzuwirken.

Max Eichenberger
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Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Die Politik bekümmert die Zukunft der Arboner Altstadt. Dies kommt gleich in mehreren parlamentarischen Vorstössen zum Ausdruck, die diese Woche eingereicht worden sind. Von einem «Sorgenkind» sprechen Lukas Auer und Luzi Schmid (beide CVP). Sie befürchten nämlich, dass im Städtli weitere Geschäfte schliessen könnten und sehen dadurch den Niedergang des Städtlis schleichend sich fort­setzen.

Altstadt hat durchaus identitätsstiftendes Potenzial

«Einzelne Geschäfte sind verkauft, einige Betreiber in einem Alter, in dem eine Aufgabe der Geschäftstätigkeit absehbar ist», schildert Ruth Erat (SP) Fakten und die kollektive Besorgnis. Auch die Folgen des jüngsten Aderlasses sind noch nicht absehbar: Denn seit Dezember ist die Altstadt nach der Aufhebung der Bushaltestelle beim Marktplatz vom Öffentlichen Verkehr abgeschnitten, erinnert Erat. Auch wartet man immer noch auf die Umsetzung des Projekts einer Begegnungszone. Wie diese konkret aussehen soll, ist immer noch unklar. Auer und Schmid bemängeln ihrerseits, dass – zudem – das Konzept einer definitiven Verkehrsführung durch die Altstadt «nicht transparent ist, rechtlich kontrovers und immer noch ein Provisorium». Anderseits sieht Ruth Erat «identitätsstiftendes Potenzial», das die Arboner Altstadt mit ihrer vielfältigen Bausubstanz von Einzelbauten und Ensembles von grossem histo­rischem Wert birgt. Und Aktivitäten hätten durchaus einen gewissen Schwung gebracht, weist Erat auf den Wochenmarkt hin, die Tavolata im Kappeli, die «Usestuehlete» im Spätsommer sowie neue Lokale und Treffpunkte.

Strassenverkauf und Freiluft-Ausschank

Das zeigt den CVP-Parlamentariern Auer und Schmid «eindrücklich, dass gesellschaftliche und touristische Angebote möglich sind und auch angenommen werden». Deren Attraktivität könnte man noch steigern, formu­lieren sie in ihrem Postulat, wenn die Altstadt an schönen Sommertagen verkehrsfrei wäre – oder ganzjährig zumindest teilweise der Verkehr eingeschränkt werden könnte. Diesbezügliche Möglichkeiten zu prüfen beantragen sie dem Stadtrat. Auer und Schmid wollen mit ihrem Vorstoss den Geschäfts­inhabern und Gastronomen ermöglichen, öffentliche Verkehrsräume im Bereich der Altstadt etwa für einen Strassenverkauf oder -ausschank zu nutzen. Ruth Erat bittet den Stadtrat, nach der durch ihn nicht beeinflussbaren Abkoppelung des städtischen Kerns vom öffentlichen Verkehr, einen Ersatz zu prüfen. Ausserdem regt das SP-Fraktionsmitglied eine Anlauf- und Koordinationsstelle für die Geschäfte in der Altstadt an, die bei drohender Geschäftsaufgabe die Suche nach einer Nachfolgelösung unterstützt. Diese sollte auch Zwischennutzungen für leere Ladenlokale und Schaufenster ermöglichen helfen. Dies könnte wiederum davor bewahren, dass am Ende «Verödung und Resi­gnation» bleibt.