ARBON: Ihr Arbeitsort ist auf dem Wasser

Zum See fühlen sie sich hingezogen. Mit dem Element Wasser sind sie auch beruflich verbunden. Seit 2007 führen Beat und Michaela Hausammann beim Strandbad die Kanuschule Bodensee. Sie folgten ihrer Berufung.

Max Eichenberger
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Nur acht Kilo wiegt der Surfski von Michaela Hausammann. Mit Gatte Beat führt sie die Kanuschule Bodensee in Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

Nur acht Kilo wiegt der Surfski von Michaela Hausammann. Mit Gatte Beat führt sie die Kanuschule Bodensee in Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Aus dem Hobby hat sich eine Profession entwickelt. Halbe Sachen sind nicht sein Ding: «Wenn ich etwas aufbaue, dann richtig und konsequent – oder sonst lasse ich es bleiben», blickt Beat Hausammann zurück, als er vor elf Jahren den Schritt machte. Dieser Devise ist er treu geblieben. Bis dahin hatte er den Kühlschrankbau bei Forster geleitet. Mit 46 hängte Hausammann den Job an den Nagel, machte sich im Buchhorn selbstständig und folgte seiner inneren Berufung. «Weil es ein investitionslastiges Geschäft ist, war es am Anfang ein gewisses Risiko – wie bei jeder Firmengründung.» Es hat sich bezahlt gemacht. Die Kanuschule ist längst etabliert, beschäftigt inzwischen sechs Freelancer-Guide. Sie belegt mietweise – von der Stadt Arbon – einen Teil des Garderobentrakts. Die Nutzerinnen und Nutzer haben die Räume ihren Bedürfnissen entsprechend ausgebaut.

Kurse, Touren und Paddelferien

Hundert Boote lagern dort. Hausammanns führen auch einen Wassersportshop, sind offizielle Händler von vier Top-Kajak-Marken. Und sind ebenso online mit einem Shop präsent. Zum Strandbadbetrieb und zum Restaurant passt die Kanuschule. Alle profitierten, auch die Stadt, dass neues Leben in den Ort am Wasser gekommen ist, wo in Notstandsarbeit in den Vorkriegsjahren eine der schönsten Strandbadanlagen entstanden ist. Beat Hausammann ist ein «Seebueb» durch und durch. Schon in jungen Jahren paddelte er im Kanuclub Romanshorn, eine Zeit lang wettkampfmässig, ehe er Kinder- und Erwachsenenkurse geleitet hat. Da habe er festgestellt, dass es vereinsungebundene Erwachsene auf den See drängt und sie das Bedürfnis haben, das Kanufahren zu erlernen, ein Club aber das kaum stemmen kann.

Da war der Keim der Idee gelegt: «Wir sind eine Unternehmung, die Interessenten ohne grössere Hürden professionell Dienstleistungen anbietet und Kunden diese kaufen.» Unter anderem sind das diverse Kurse für Einsteiger wie Fortgeschrittene und Paddeltouren. Nicht nur am Bodensee: so organisiert die Kanuschule neben Workshops auch Paddelferien. «Damit können wir die Saison strecken.» Drei Destinationen sind es pro Jahr, wobei immer neue neben dem bewährten Angebot – die Elba gehört dazu – hinzukommen: Tarifa in Gibraltar, im Herbst geht es nach Schottland zu den Hebriden in der Irischen See, wo die Gezeiten Strömungen wie in einem Fluss erzeugen. Hausammann rekognosziert jeweils die Touren, andernfalls sind sie für eine geübte Abenteuerer-Klientel deklariert. Für kommendes Jahr ist in Korsika ein Kombi Paddeln/Klettern in Planung. An der Homebase biete der Bodensee schon unerschöpfliche Möglichkeiten, schwärmt Michaela Hausammann (55). Auch sie leitet Kurse, begleitet Gruppen und betreut hauptsächlich die Administration. Ein Standbein hat sie in der Primarschule. Vom See können sie nicht lassen, auch was das Wohnen betrifft: «Einmal verkauften wir das Auto und zügelten nach St. Gallen. Wir waren aber bald wieder zurück in Arbon und am See.»

Beruhigend – und doch voller Energie

Wasser und Witterung geben vor, was möglich und durchführbar ist. Das erfordere eine gewisse Flexibilität, sagen die beiden, die eine Kanulehrerausbildung absolviert haben und sich ständig weiterbilden. Am Obersee beeindruckt sie einerseits die Weite und andererseits die Ruhe, «selbst im Hochsommer, wenn es anderswo überfüllt ist».

Den Westwind am Mittwoch nutzten sie, um sich mit geübten Paddlern auf den Wellen nach Altenrhein tragen zu lassen. Ein andermal geht es auf eine Erkundungsfahrt um den See. Immer wieder ein Erlebnis: im Kajak nach Langenargen hinüber zu paddeln.

Beat Hausammann fasziniert die beruhigende Wirkung, die vom Wasser ausgeht. Anderseits berge es enorme Energien. Entsprechend zu beachten seien die meteorologischen und physikalischen Gesetze.