ARBON: Das Seilziehen ums «Metropol» geht weiter

Das Hotel Metropol sei «im Kern schutzwürdig», aber nicht betriebstauglich. Das hält der Bericht des Obergutachters Olaf Gisbertz fest. Der Stadtrat hat weitere Abklärungen veranlasst.

Max Eichenberger
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Das 1964 eröffnete Hotel Metropol am See. Um über einen Schutz des Gebäudes entscheiden zu können, hat der Stadtrat den Gutachterauftrag erweitert. (Bild: Max Eichenberger (2015))

Das 1964 eröffnete Hotel Metropol am See. Um über einen Schutz des Gebäudes entscheiden zu können, hat der Stadtrat den Gutachterauftrag erweitert. (Bild: Max Eichenberger (2015))

Zwei vorliegende Gutachten sind zu gegensätzlichen Beurteilungen gekommen, was die Schutzwürdigkeit des Hotels Metropol betrifft. Bei diesem Patt hat der Stadtrat ein Obergutachten in Auftrag gegeben. Dieses kommt nun zum Schluss, dass der Bau «in seinen ursprünglichen Teilen schützenswert» sei.

Bestätigt sehen sich der Thurgauer Heimatschutz und die IG «Pro Metropol», die auf einen Erhalt drängen. Eine entsprechende Resolution, welche die IG am 6. Oktober gestartet hatte, reichten deren Vertreter am Montag, mit über tausend Unterschriften versehen ein.

Stadtrat prüft verschiedene Szenarien

Unter anderem stützt sich die IG auf die Einstufung des Gebäudes im Hinweisinventar der Denkmalpflege als «bemerkenswert nach 1959». Zudem sei der Hotelbau von 1964 als Traditionshaus vielen Arbonern ans Herz gewachsen und bedeute ein Stück städtische Identität und Baukultur. Schutzwürdigkeit attestiert Obergutachter Olaf Gisbertz wohl dem ursprünglichen Hotelbau, nicht aber den nachträglich erstellten Anbauten. Wie der Stadtrat mitteilt, seien «noch weitere Abklärungen nötig», um über den allfälligen Erhalt des «Metropol» befinden zu können. Er prüfe verschiedene Szenarien. Dabei stellten sich neben volkswirtschaftlichen Fragen auch solche die Stadtentwicklung betreffend – und, nutzungsabhängig, ebenso bezüglich Sicherheit und Umwelt. Zudem seien die Kosten zu ermitteln, die nötig wären, um das Gebäude als Hotel wieder betriebstauglich zu machen.

Denn wie der Gutachter-Bericht klar festhält, erfülle das «Metropol» in seinem jetzigen Zustand eine Reihe gesetzlicher Vorgaben für einen Hotelbetrieb nicht. Noch gehört das «Metropol»-Areal mitsamt dem Hotelgebäude und den Annexbauten der Genossenschaft Migros Ostschweiz. Diese hatte das Hotel bis 2011 betrieben. Ein zuvor fertig ausgearbeitetes Erweiterungsprojekt verfolgte sie nicht weiter. Mehr noch: Die Genossenschaft zog sich ganz, auch aus dem Betrieb, zurück und veräusserte das Areal mitsamt Immobilien (inklusive dem alten Migros-Markt-Trakt) der HRS. Dies, bei solchen Geschäften branchenüblich, vorbehältlich der Bewill­igung für ein neues HRS-Projekt. Denn erst wenn eine solche vorliegt, erfolgt jeweils die grundbuchamtliche Überschreibung.

Zwischenzeitlich hat HRS über einen Architekturwettbewerb ein Bauprojekt erarbeitet und einen Gestaltungsplan – dies schon vor längerem – eingereicht. Dieser hat die Genehmigungshürde noch nicht genommen. Es stellen sich nämlich grundsätzliche planungsrechtliche ­Fragen in diesem komplizierten Verfahren – einerseits wegen der Dimension des von HRS erarbeiteten Projekts und seiner Lage direkt am See. Und überlagernd ist strittig, ob das «Metropol» ein schutzwürdiges Objekt ist. Als künftige Eigentümerin plant HRS nämlich den Abbruch des 52 Jahre alten Hotels und eine Überbauung mit zwei im Winkel einander zugeordneten vierzig Meter hohen Gebäuden auf einem gemeinsamen Sockeltrakt. Nicht weniger als 75 Millionen Franken will HRS in ihr Prestigeprojekt «Riva» am See investieren.

«Umfassende Information» im Frühjahr angekündigt

Zwar bejahen Heimatschutz und Teile der Bevölkerung die Schutzwürdigkeit des «Metropol». Anderseits haben die Arboner im November 2014 an der Urne den kommunalen Schutzplan gutgeheissen. Darin ist das «Metropol» nicht als Schutzobjekt aufgeführt. Doch damals war die Öffentlichkeit noch wenig sensibilisiert – und das «Metropol» bloss Teil einer summarischen Liste, die es, salopp gesagt, eiligst durchzuwinken galt. Rechtskraft hat der Schutzplan noch nicht erlangt.

An einem Informationsanlass Ende November verknüpfte HRS-Inhaber Martin Kull die «Riva»-Pläne mit dem Hotel-Projekt «WerkZwei»: «Eine Unterschutzstellung des «Metropols» bedeutet den Todesstoss für die Hotellerie auf dem Saurer-Areal und dem Areal Metropol.»

Wenn der erweiterte Gutachter-Bericht vorliegt, werde er «umfassend informieren», kündigte der Stadtrat vorgestern an. Voraussichtlich im Frühling.

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch