ARBEITSPLÄTZE: St.Gallen will weiterwachsen

Für die nächsten 20 Jahre verfügt die Stadt über genügend Landreserven für Arbeitszonen, sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Fünf Gebiete stehen im Vordergrund. Danach müsse ein Umdenken stattfinden.

Christoph Renn
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Das Gebiet Geissberg/Altenwegen ist die grösste noch unbebaute Industrie- und Gewerbezone auf Stadtboden. (Bild: Urs Bucher (6. Dezember 2014))

Das Gebiet Geissberg/Altenwegen ist die grösste noch unbebaute Industrie- und Gewerbezone auf Stadtboden. (Bild: Urs Bucher (6. Dezember 2014))

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Die Landreserven in den Arbeitszonen haben sich seit 2001 halbiert. Dies zeigt ein Bericht des Kantons (Ausgabe vom 21. Dezember). Der Platz für neue Unternehmen wird auch in der Stadt knapper. Trotzdem sieht Stadtpräsident Thomas Scheitlin keinen Grund zur Sorge, denn es gebe noch Reserven für die kommenden 20 Jahre. Sie sollen ein kontrolliertes wirtschaftliches Wachstum garantieren. Jedoch müssen die für die Industrie und Gewerbe vorgesehenen Gebiete noch entwickelt werden.

Wenn Thomas Scheitlin «von Baulandreserven in der Arbeitszone» spricht, denkt er an fünf entscheidende Projekte: «Die grösste noch unbebaute Industrie- und Gewerbezone der Stadt liegt im Gebiet Geissberg/Altenwegen beim Autobahnanschluss Winkeln.» Jedoch gibt es hier seit Jahren einen Rechtsstreit um Fahrtenbeschränkungen: 16 Einsprecher wehren sich dagegen, dass die Zahl zusätzlicher Fahrten im Gebiet beschränkt werden soll. «Ich hoffe, dass die Beschwerden bald bearbeitet sind und das Gebiet in weniger als zehn Jahre entwickelt ist», sagt Scheitlin.

Im Osten der Stadt biete das Areal entlang der Martinsbrugg­strasse Fläche für Arbeitszonen, also Platz, wo sich neue Betriebe niederlassen können. Hinzu komme das Areal hinter dem Bahnhof St. Fiden sowie der ­Güterbahnhof. Auch in diesen Gebieten rechnet der Stadtpräsident mit einer Planungsphase von rund zehn Jahren. Im selben Zeitraum soll zudem der Bahnhof Nord mit neuen Arbeitsplätzen besiedelt werden.

«Die Erschliessung der verschiedenen Gebiete soll bewusst nicht auf einen Schlag geschehen, sondern etappenweise», sagt Scheitlin. Können alle diese Gebiete wie vom Stadtrat geplant für Gewerbe und Industrie genutzt werden, reicht das laut Scheitlin für die nächsten zwei Jahrzehnte.

In Zukunft muss vermehrt in die Höhe gebaut werden

Um das Maximum aus den noch verfügbaren Baulandreserven her­auszuholen, verfolgt der Stadtrat zwei Strategien. «Beim Bahnhof Nord, dem Güterbahnhof sowie beim Bahnhof St.Fiden muss in die Höhe gebaut werden», sagt Thomas Scheitlin. Nur so könnten auf wenig Fläche viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Wichtig sei bei den neuen Projekten zudem eine gelungene Durchmischung. «Es bringt nichts, in einem der Gebiete beispielsweise nur auf Industrie zu setzen», sagt Scheitlin. Die zweite Strategie sieht einen Ausbau des dritten Sektors vor. «Dienstleistungsbetriebe brauchen weniger Fläche pro Arbeitnehmer als Industriebetriebe.» Momentan sind in St. Gallen rund 66000 Personen im Dienstleistungssektor beschäftigt. «Dies schliesst jedoch nicht aus, dass sich weitere Industriebetriebe in St.Gallen ansiedeln», betont Scheitlin. «Bereits heute arbeiten rund 14000 Beschäftigte im zweiten Sektor.»

Auf jeden Einwohner fällt eine Stelle

Momentan gibt es in der Stadt über 80000 Arbeitsplätze. Sprich: auf jeden Einwohner fällt eine Stelle. Damit übertrifft St.Gallen die im neuen Bericht vom Kanton angestrebte Zahl von 600 Beschäftigten pro 1000 Einwohner locker. Mit dieser Beschäftigungsdichte muss St.Gallen einen Vergleich mit anderen Schweizer Städten nicht scheuen: «Wir belegen hinter Bern, Zürich und Basel Rang vier», sagt Scheitlin. Und diesen Rang möchte die Stadt festigen, wenn nicht gar verbessern.

Die Entwicklung in den kommenden 20 Jahren ist laut dem Stadtpräsidenten gesichert. Eine Prognose darüber hinaus sei nicht möglich. Nur so viel: «Es ist klar, dass St.Gallen langfristig in grösseren Räumen denken muss.» Er bezieht sich damit auf Kooperationen beziehungsweise Fusionen zwischen den Ge­meinden. «Die Organisation der ­öffentlichen Verwaltungen muss sicherlich überarbeitet werden.»