Arbeitsplätze, Autos und eine Familienpartei

Susanne Schmid
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2010 haben die Stimmberechtigten der Stadt St. Gallen die Städte-Initiative und damit das Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung mit knapp 60 Prozent Ja-Stimmen deutlich angenommen. Seither gilt, dass die zusätzliche Mobilität mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Velo- und Fussverkehr aufgefangen werden soll. Und allen Unkenrufen zum Trotz: Es funktioniert. Der Motorfahrzeugverkehr hat seither auf dem städtischen Strassennetz nicht mehr zugenommen. Trotzdem darf jede Person, die dies möchte, mit dem eigenen Auto in die Stadt fahren. Von Umerziehung, wie dies die Befürworter der Mobilitäts-Initiative behaupten, kann keine Rede sein. Jede und jeder ist frei in der Wahl seines Verkehrsmittels. Aber das Ziel, dass wir nicht noch mehr Verkehr auf unseren Strassen wollen, ist klar. Es sollen keine Häuserreihen abgerissen und keine Busspuren wieder dem motorisierten Individualverkehr zur Verfügung gestellt werden. Wir wollen das bewährte Reglement behalten – und ich stimme daher am Wochenende Nein zur Mobilitäts-Initiative.

Susanne Schmid

Wenigerstrasse 18b, 9011 St. Gallen

Seit 2010 hat sich die städtische Wohnbevölkerung und auch die Zahl der Arbeitsplätze nach oben entwickelt. Über 80 000 Arbeitsplätze haben wir heute auf Stadtgebiet. Die bisherige Verkehrspolitik stösst an ihre Grenzen, beziehungsweise lässt keine weitere Entwicklung zu und wirkt sich negativ auf den wertschöpfenden Güterverkehr aus. Erste Konsequenzen sind der Rückgang der Wohnbevölkerung und bald wird auch der Rückgang der Arbeitsplätze einsetzen. Mit einem Ja zur Mobilitäts-Initiative erhält der Stadtrat ein Instrument, um das benötigte Mobilitätsbedürfnis über alle Verkehrsträger zu decken. Auch die technische Entwicklung kann so gebührend berücksichtigt werden. Für den Erhalt und eventuell Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze ist dies eine wegweisende Entscheidung. Darum stimme ich am 4. März Ja zur Mobilitäts-Initiative!

Thomas Meyer Stadtparlamentarier CVP Kräzernstrasse 104, 9015 St. Gallen

Meine Erleichterung und Freude waren riesig, als die städtische CVP, in deren Vorstand sogar Initianten Einsitz haben, an ihrer Parteiversammlung der Mobilitäts-Initiative eine Abfuhr erteilte. Damit hat sie ihre Verantwortung als Familienpartei wahrgenommen. Der Ideologievorwurf der Initianten gegen das städtische Verkehrskonzept fällt auf diese selber zurück. Der wahnhafte Traum vom unbegrenzten Wachstum der Automobilität, das Verdrängen der durch sie zunehmenden Probleme – das ist Ideologie! Wenn uns jemand etwas von «freier Mobilität für alle» vorgaukelt, hat er oder sie keine Ahnung von den massiven Einschränkungen für Kinder, Fussgänger und Velofahrer und den Behinderungen für den öV durch die immer breiteren Autos. Oder sind das für die Initianten «fake News»?

Als Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt St. Gallen dürfen wir uns nicht in der Sicherheit wiegen, die Mobilitäts-Initiative werde ja eh abgelehnt. Wir brauchen am Wochenende ein starkes Zeichen dagegen: Jedes Nein gegen diese reaktionäre Initiative zählt!

Felix Sachs, Reherstrasse 8a, 9016 St. Gallen

Die Befürworter der Mobilitäts-Initiative fordern die Gleichberechtigung aller Verkehrsträger. Indirekt soll also der Autoverkehr wieder ungebremst wachsen dürfen. Die Befürworter verkennen, dass der öffentliche Raum und der Verkehrsraum in der Stadt St. Gallen beschränkt ist. Wenn in der Stadt der Autoverkehr wieder wächst, hat dies zwangsläufig mehr Stau zur Folge. Ein Auto braucht immer verhältnismässig zur Zahl transportierter Personen viel mehr Platz als ein Bus oder ein Velo. Die Befürworter der Mobilitäts-Initiative bedienen sich ideologisch längst überholter Argumente. Längst ist die Innenstadt gut erschlossen und bietet rundum genügend Parklätze. Nicht fehlende Parkplätze führen dazu, dass Online Angebote genutzt werden oder im Ausland eingekauft wird. Nicht Autos beleben eine Stadt, sondern autofreie Zonen mit Lebensraum für Menschen sowie attraktive lokale Angebote. Was unsere Stadt braucht, sind nicht mehr Parkplätze und mehr Verkehr, sondern erschwingliche Mieten in der Innenstadt fürs Gewerbe, um innovative Ideen und neue zeitgemässe und vor allem lokale Angebote zu ermöglichen. Deshalb stimme ich am Wochenende Nein zur Mobilitäts-Initiative.

Evelyne Angehrn, Stadtparlamentarierin SP, Berneggstrasse 43, 9000 St. Gallen