Arbeitgeber um viel Geld betrogen

Ein Versicherungsfachmann hat seine Führungsposition ausgenutzt und seinen Arbeitgeber um rund 600 000 Franken betrogen. Das Kreisgericht hat ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem muss er beträchtlichen Zivilforderungen nachkommen.

Claudia Schmid
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Der knapp 50jährige Versicherungsfachmann geriet wegen des Kaufs eines Hauses, des schleppenden Verkaufs einer Eigentumswohnung, Aktienverlusten sowie diverser anderer Ausgaben in finanzielle Engpässe. Obwohl sein Jahresgehalt über 200 000 Franken betrug, gelang es dem Beschuldigten nicht mehr, seine Schulden zu tilgen.

Hohe Summen abgezweigt

Ab Januar 2011 begann er deshalb, bei seinem Arbeitgeber Budgetpositionen zu seinen Gunsten zu belasten. Ausserdem liess er Versicherungskunden Geld auf eines seiner Konten überweisen. Sie glaubten, es handle sich um ein Konto der Versicherung. Auch Aussendienstmitarbeitende, die ihm unterstanden, blieben von seinen Machenschaften nicht verschont. Der Beschuldigte ergaunerte sich so rund 630 000 Franken. Zwei Drittel dieser Summe liess er sich zum Ausgleich von Verlusten auf sein privates Wertschriftenkonto überweisen. Knapp 200 000 Franken gingen auf sein Privatkonto. Dieses Geld verwendete er, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Bereits bei seinem früheren Arbeitgeber – ebenfalls einer Versicherung – hatte er sich betrügerischer Geldüberweisungen schuldig gemacht. Opfer war in diesem Fall sein Schwiegervater, dem er 50 000 Franken entwendete. Um die Angelegenheit zu vertuschen, schickte er ihm gefälschte Kontoauszüge. Das Geld nutzte er, um mit Wertschriften zu handeln.

Abgekürztes Verfahren

Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann im abgekürzten Verfahren an. Die Schuldsprüche lauteten gewerbsmässiger Betrug, Betrug und mehrfache Urkundenfälschung. Sie beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten und eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 170 Franken. Beide seien mit einer Probezeit von zwei Jahren auszusprechen. Zudem habe er eine Busse von 10 000 Franken zu bezahlen. Der einen Versicherung habe er eine Zivilforderung von 1000 Franken, der anderen eine Zivilforderung von 440 000 Franken zu überweisen. Ein weiterer Antrag betraf den Saldo eines Wertschriftenkontos. Dieser sei einzuziehen und zugunsten der geprellten Versicherung zu verwenden.

70 000 Franken Darlehen

Die Misere habe damit angefangen, dass er einem Freund ein Darlehen in der Höhe von 70 000 Franken gewährte, erzählte der Beschuldigte in der Befragung des Einzelrichters. Kurz darauf sei dieser gestorben und so sei die Rückzahlung an ihm hängen geblieben. Nachdem sich dann auch der Verkauf der Eigentumswohnung in die Länge gezogen habe und aus dem Verkauf ein Verlust resultiert sei, habe sich die Negativspirale zu drehen begonnen.

Er wisse, dass er mit seinem Handeln familiär und beruflich viel kaputt gemacht habe und wolle versuchen, so viel als möglich wieder in Ordnung zu bringen, sagte der Beschuldigte.

Wenig Verständnis

Der Einzelrichter am Kreisgericht St. Gallen erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Für ihn sei es schwer nachvollziehbar, dass man mit einem monatlichen Gehalt von 16 000 Franken in eine solch missliche finanzielle Situation geraten könne, erklärte er. Auch die Erklärung, die Misere habe mit der Kreditgewährung von 70 000 Franken begonnen, könne nicht überzeugen. Die Deliktsumme habe am Schluss immerhin das Zehnfache betragen.

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