Arbeitgeber setzt falsches Datum auf Zertifikat

Hat der Leiter einer Sicherheitsfirma bewusst ein Zertifikat mit falschen Daten unterschrieben? – Mit dieser Frage muss sich das Kantonsgericht St. Gallen befassen. Die Vorinstanz hatte einen Freispruch gefällt – die Staatsanwaltschaft zeigte sich damit aber nicht zufrieden.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Der Beschuldigte ist Leiter einer Firma, die unter anderem Kurse für Sicherheitsangestellte durchführt. Ihm wird vorgeworfen, er habe einem Mitarbeiter mit einem Zertifikat die erfolgreiche Absolvierung eines Ausbildungskurses bestätigt, um ihn anstellen zu können. Dies obwohl er wusste, dass der Mann den Kurs noch nicht besucht hatte. Aufgrund des Zertifikates erstellte die Kantonspolizei eine Bewilligung zur gewerbsmässigen Ausübung von Bewachungs-, Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben. Erst später stellte sich heraus, dass auf dem Dokument ein falsches Kurs- und ein falsches Ausstellungsdatum angegeben waren.

Freispruch vom Kreisgericht

Im März 2013 stand der Schweizer vor dem Kreisgericht St. Gallen. Es sprach ihn von der Anklage der Fälschung von Ausweisen frei. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich mit dem Urteil nicht zufrieden und zog es ans Kantonsgericht weiter. An der Gerichtsverhandlung von gestern Mittwoch beantragte sie eine bedingte Geldstrafe und eine Busse. Im vorliegenden Fall gehe es nicht um ein Kapitalverbrechen, sondern um einen relativ «kleinen Beschiss» erklärte der Staatsanwalt. Dennoch handle es sich um eine Straftat. Wer unüberprüft offizielle Dokumente unterschreibe, müsse sich unbequeme Fragen gefallen lassen. Es gebe viel zu viele Ungereimtheiten und Fehler im Zusammenhang mit dem Dokument.

Deshalb gehe die Anklage davon aus, dass das Zertifikat bewusst mit falschen Angaben versehen worden sei. Es seien einige Fehler passiert, doch habe er das beanstandete Zertifikat nicht bewusst falsch ausgestellt, sagte der Beschuldigte in der gerichtlichen Befragung.

Vom Backoffice vorgelegt

Das Dokument sei ihm vom Backoffice mit vielen anderen Papieren in einer Mappe zum Unterschreiben vorgelegt worden. Er habe jeweils keine Zeit, alle Angaben darauf zu überprüfen. Er verlasse sich auf die Mitarbeitenden im Backoffice. Deshalb sei es ihm entgangen, dass er für den neuen Angestellten das Zertifikat unterschrieben habe. Auch das falsche Datum auf dem Dokument habe er übersehen. Die Sachbearbeiterin wurde an der Gerichtsverhandlung ebenfalls befragt. Sie habe wohl fälschlicherweise gedacht, sie müsse für den neuen Mitarbeiter ein definitives Bewilligungsgesuch einreichen, erklärte sie.

Schnuppergesuch bewilligt

Der Verteidiger betonte, sein Mandant habe dem Sekretariat die Einreichung einer Schnupperbewilligung für den neuen Angestellten in Auftrag gegeben. Er habe beabsichtigt, dass der Mitarbeitende den Grundkurs im Einzelunterricht möglichst rasch absolviert und bis dahin mit der Schnupperbewilligung in der Firma arbeiten kann. Fälschlicherweise habe die Sekretärin statt eines Schnuppergesuchs ein ordentliches Bewilligungsverfahren eingeleitet, weil sie davon ausgegangen sei, dass der neue Angestellte seine Ausbildung abgeschlossen habe.

Noch während seiner Schnupperzeit habe der Mann den Kurs absolviert. Eine Täuschungsabsicht habe nie bestanden. Das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen steht noch aus.

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