Arbeiten auf der Abschussrampe

ST.GALLEN. Der Kantonsrat hat die regionale Schulaufsicht (RSA) im Februar abgeschafft. Bis Ende der Amtsdauer vergehen aber noch zwei Jahre. Wie es ist, weiterzuarbeiten, obwohl es einen bald nicht mehr gibt, schildert die Präsidentin der RSA.

Odilia Hiller
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Bleibt noch bis im Jahr 2012 im Amt: Ursula Eigenmann, die langjährige Präsidentin der regionalen Schulaufsicht (RSA). (Bild: Ralph Ribi)

Bleibt noch bis im Jahr 2012 im Amt: Ursula Eigenmann, die langjährige Präsidentin der regionalen Schulaufsicht (RSA). (Bild: Ralph Ribi)

«Zuerst war es herbe Enttäuschung», sagt Ursula Eigenmann, Präsidentin der regionalen Schulaufsicht (RSA), über den Moment, als sie als Zuschauerin im Kantonsrat von der Aufhebung «ihres» Gremiums erfuhr. «Regionale Schulaufsicht: Braucht es sie wirklich?» hatte eine Motion aus ihrer eigenen Partei, der FDP, gefragt. Nein, fand der Rat und versetzte dem Aufsichtsgremium – im Dreieck zwischen kantonalem Erziehungsdepartement und Erziehungsrat für Rekurse und schulische Aufsicht zuständig – den politischen Todesstoss.

Milizgremien haben vielerorts ausgedient. «Professionalisierung» lautet das Gebot der Stunde. Wie es allerdings mit der Schulaufsicht im Kanton St. Gallen weitergehen soll, bleibt vorläufig unklar.

Zu allgemeines Pflichtenheft

Die Amtsdauer der durch den Erziehungsrat gewählten Mitglieder endet erst 2012. Bis dahin arbeitet die RSA St. Gallen weiter.

«Wir fühlen uns dem gesetzlichen Auftrag verpflichtet und werden unsere Aufsichtspflicht auch weiterhin wahrnehmen», schreibt die Präsidentin in einem Brief an alle öffentlichen und privaten Schulträger im Kreis St. Gallen.

Es scheint nicht die Art der Präsidentin der RSA, sich mit ihrer eigenen Befindlichkeit aufzuhalten.

Ebenso wie sie dazu stehen kann, im ersten Moment wütend über den politischen Entscheid gewesen zu sein, so kühl analysiert sie die Probleme, die aus ihrer Sicht die Arbeit der regionalen Schulaufsicht erschwert haben und verhinderten, dass sich das 2004 eingeführte Gremium in der St. Galler Bildungslandschaft zu etablieren vermochte.

Die RSA als Laienbehörde, die nicht zuletzt zur Entlastung des Erziehungsrats unter alt Regierungsrat Hans Ulrich Stöckling als Nachfolgegremium des Bezirksschulrats eingeführt worden war, hatte von Beginn weg mit einem sehr allgemein formulierten Pflichtenheft zu kämpfen. Dies habe einerseits die Chance geboten, «eigene Aufsichtsthemen kreativ zu gestalten», habe aber oft die Akzeptanz in den Schulgemeinden erschwert, sagt Ursula Eigenmann.

Glaubwürdigkeit erschwert

Die RSA sei zudem nie richtig ins System eingebunden und vom Erziehungsrat zu wenig genutzt worden. Auch sei es immer wieder zu Doppelspurigkeiten mit dem Departement gekommen, was die Glaubwürdigkeit auf Dauer erschwert habe.

«Anscheinend gut gemacht»

Klar war hingegen immer, dass die RSA für die Rekurse der Volksschule zuständig war. «Das wurde auch nie in Frage gestellt.

Anscheinend haben wir es in dieser Hinsicht gut gemacht», sagt Eigenmann, die seit 20 Jahren in Aufsichtsgremien tätig ist und oft ihre Sommerferien für die Bearbeitung von Rekursen hergibt.

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