Arbeiten am sonntäglichen Tag der Arbeit

Man könnte es für einen Aprilscherz halten. Doch der Kalender lügt nicht. Morgen ist der 1. Mai. Der Tag der Arbeit. In vielen Ländern, Kantonen und Schweizer Städten ist er ein offizieller Feiertag. In St. Gallen nur ein «halber».

David Gadze
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Man könnte es für einen Aprilscherz halten. Doch der Kalender lügt nicht. Morgen ist der 1. Mai. Der Tag der Arbeit. In vielen Ländern, Kantonen und Schweizer Städten ist er ein offizieller Feiertag. In St. Gallen nur ein «halber». Für öffentliche Institutionen gilt in der Regel bereits um 12 Uhr mittags Feierabend. Dieses Jahr ist es für all jene, die davon profitiert hätten, jedoch dumm gelaufen. Weil der 1. Mai auf einen Sonntag fällt, müssen sie auf einen freien Nachmittag verzichten. Noch dümmer gelaufen ist es allerdings für die Angestellten zweier grosser Geschäfte im Westen der Stadt, die den Tag der Arbeit allzu wörtlich genommen haben und diesen Sonntag ihre Läden öffnen. Dafür dürfen sich alle anderen freuen. Wie schön, dass man ausgerechnet morgen noch einen Blumentopf oder eine Glühbirne kaufen gehen kann.

Allein die Idee, am Tag der Arbeit einen Sonntagsverkauf durchzuführen, ist blanker Hohn gegenüber allen Angestellten. Es ist ein Zeichen der Geringschätzung. Denn gerade in Zeiten, wo Löhne und Renten immer stärker unter Druck geraten, ist ein Tag wie der 1. Mai wichtig, auch wenn seine Bedeutung nur eine symbolische sein mag. Die Aktion der beiden Geschäfte ist letztlich Ausdruck eines neoliberalen Verständnisses, das unter dem Deckmantel von irgendwelchen «besonderen» Anlässen oder aus schlichtem Konsumationsdenken alles dem Profit unterordnet.

Vielleicht hat dieser Sonntagsverkauf ja auch was Gutes. Dann nämlich, wenn auch die Chefs der beiden Geschäfte die Gelegenheit nutzen, sich eine Glühbirne zu kaufen. Vielleicht hilft sie ihnen dabei, die Fragwürdigkeit eines Sonntagsverkaufs am Tag der Arbeit zu erhellen.

david.gadze@tagblatt.ch

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