Appenzeller dirigiert Mörschwiler

Roman Pizio hat am Wochenende seinen ersten Auftritt als Dirigent der Bürgermusik Mörschwil bestritten. Bevor der Vollblutmusiker das Zepter übernahm, hatte er sich dem «Kampf der Dirigenten» gestellt.

Ramona Riedener
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Roman Pizio übernahm am Wochenende im «Adler»-Saal den Dirigentenstab der Bürgermusik Mörschwil. (Bild: Michel Canonica)

Roman Pizio übernahm am Wochenende im «Adler»-Saal den Dirigentenstab der Bürgermusik Mörschwil. (Bild: Michel Canonica)

MÖRSCHWIL. Die Bürgermusik Mörschwil hat am Wochenende eine beschwingte Show vorgeführt. Im Zentrum der Unterhaltung stand, wie das Motto «Kampf der Dirigenten» schon im Vorfeld verraten hatte, der Dirigentenwechsel. Daniel Kern moderierte die Liveübertragung aus dem «Adler»-Saal. Wer von den fünf Kandidaten wird den Kampf um den Dirigentenstab gewinnen? Ist es Melvin Mathis aus den eigenen Reihen, der als Schlagzeuger zwar Taktgefühl mitbringt, aber beinahe das Eidgenössische Musikfest verschlafen hat? Die Powerfrau Andrea Schöb, die mit ihren Choreographien die Musikanten fit hält und dem Turnverein Konkurrenz macht? Der bodenständige Vizedirigent Bodo Würth, der mit Märschen und Polkas auf Altbewährtes setzt. Der gutaussehende Appenzeller Roman Pizio, bei dem die Gefahr besteht, dass die Musikantinnen nicht mehr auf die Notenblätter, sondern nur noch zum Dirigenten schauen? Oder ist es Ivo Mühleis, der als Titelverteidiger ins Rennen geht? Während sich die Bürgermusik zur stillen Beratung zurückzog, unterhielt die regionale Jugendmusik Young Winds unter der Leitung von Andrea Schöb mit schwungvollen Melodien das Publikum.

Nach dem Unterbruch war die Entscheidung gefallen. Der Sieger hiess Roman Pizio. Er versank im Goldregen, als er den Dirigentenstab und sein Musikcorps übernahm. Mit moderner Unterhaltungsmusik, bekannten Melodien und Marschmusik als Zugabe startete die Bürgermusik in eine neue Ära.

Ein Vollblutmusiker

Roman Pizio, der frischgebackene Dirigent der Bürgermusik Mörschwil, kommt aus dem Appenzellerland. Bereits früh entdeckte der 26jährige Oberegger seine Leidenschaft für Musik. Mit sieben Jahren begann er mit Trompetenunterricht und spielte bald in der Jugendmusik Heiden die erste Stimme. Nach der Schulzeit absolvierte er das Bachelor-Studium mit Hauptfach Trompete am Konservatorium in Feldkirch und anschliessend das Masterstudium an der Musikhochschule in Luzern. Heute unterrichtet er an Musikschulen und ist mit der Rheintaler Band «Fäaschtbänkler» unterwegs. Eigentlich hatte der Vollblut-Trompeter nicht geplant, eine Dirigentenlaufbahn einzuschlagen. Doch als er das Angebot bekam, die Leitung der Jugendmusik Heiden zu übernehmen, konnte er der Herausforderung nicht widerstehen.

In Diepoldsau entdeckt

Bereits ein Jahr später feierte Pizio mit seiner Jugendmusik am kantonalen Musikfest in Diepoldsau einen musikalischen Höhepunkt. Und an den Auftritten war er auch den Präsidenten der Bürgermusik Mörschwil aufgefallen, die ihn daraufhin zum Probedirigat einluden. Roman Pizio setzte sich schliesslich gegen zwei Konkurrenten durch. «Ich habe einen schweren Stand als Nachfolger von Ivo Mühleis. Es ist gewaltig, was der mit dem Verein erreicht hat», sagt der neue Dirigent. «Als ich gewählt wurde, habe ich mich gefragt, was macht man mit einem Drittklassverein, der gerade am Eidgenössischen Musikfest gewonnen hat?» Man könne mit einem Musikcorps zwar immer noch mehr erreichen, eine höhere Stärkeklasse zum Beispiel. Doch die Bürgermusik sei ein bodenständiger Verein, der nicht nur schwere konzertante Musik, sondern auch Märsche und Polkas spielen will. Die grossen Stärken des jungen Dirigenten seien seine Leidenschaft zur Musik und seine Begeisterungsfähigkeit. Diese Stärken wolle er in der Bürgermusik einbringen. «Mein Ziel ist, dass alle stets Freude am Musizieren haben. Dass jeder gerne zur Probe kommt.» Neben moderner Unterhaltungsmusik soll auch das Traditionelle nicht zu kurz kommen. Musik machen, die Freude macht und beim Publikum ankommt, ist das Ziel von Roman Pizio. Vom Verein wurde er gleich nach seiner Amtsübernahme Anfang Oktober herzlich aufgenommen. Nach den erfolgreichen Unterhaltungsabenden ist nun auch klar, dass der sympathische Dirigent auch die Herzen des Publikums für sich gewinnen kann.