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Antrittsvorlesung zum Abschied

ST.GALLEN. Im Vorlesungsprogramm des HSG-Herbstsemesters fällt ein Eintrag auf: die «Antrittsvorlesung» von Ulrich Thielemann. Der umstrittene Wirtschaftsethiker kehrt allerdings nicht zurück.
Josef Osterwalder
Ulrich Thielemann beim Verlassen der HSG im Juli 2010. (Archivbild: Ralph Ribi)

Ulrich Thielemann beim Verlassen der HSG im Juli 2010. (Archivbild: Ralph Ribi)

Ulrich Thielemann hat bereits im Juli 2010 die HSG verlassen. Dies, nachdem er im Frühling 2009 eine weitherum beachtete Kontroverse ausgelöst hatte. Anlass war eine Äusserung, die er Ende März 2009 vor dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestages gemacht hatte.

Die Kontroverse

Im Zug der Finanzkrise gab es damals von deutscher Seite heftige Angriffe auf das Schweizer Bankgeheimnis. Zu den Hearings, mit denen sich der Finanzausschuss kundig machen wollte, wurde auch Ulrich Thielemann eingeladen. Damals sagte er, dass in der Schweiz wegen des Bankgeheimnisses «kein Unrechtsbewusstsein» bestehe. Und die bereits gemachten Zugeständnisse seien nur wegen des internationalen Drucks zustande gekommen.

So viel Öl ins Feuer wurde in der Schweiz nicht überall goutiert. Politiker beschimpften, der Rektor rügte, Professorenkollegen verteidigten ihn. Schliesslich weitete sich die Diskussion aus. Sie drehte sich bald nicht mehr nur um das Thema Bankgeheimnis, sondern führte auch zur Frage, wie unbeschwert sich Dozenten äussern dürfen und wie viel Rücksicht sie auf den Ruf ihrer Universität nehmen sollten.

Systemfehler

Jedenfalls war Ulrich Thielemann auf einen Schlag eine schweizweit bekannte Gestalt und wurde zum gesuchten Referenten. Mit seinem Ende 2009 erschienenen Buch «System Error» griff er in die aktuelle Diskussion rund um die Finanzkrise ein. Seine zentrale These klingt im Untertitel an: «Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt.»

In die gleiche Zeit fiel auch die Suche nach einem Nachfolger für den HSG-Ordinarius für Wirtschaftsethik, Peter Ulrich. Thielemann war seit 2001 Vizedirektor des Instituts. Für die Nachfolge kam er allerdings nicht in Frage; nicht nur klimatisch, wegen seiner kontroversen Äusserung, sondern auch formal, weil das Habilitierungsverfahren damals noch nicht abgeschlossen war.

Habilitation vorgelegt

Dies hat sich inzwischen allerdings geändert. Die Habilitationsschrift ist angenommen, das Habilitationskolloquium überstanden. Als letztes muss Thielemann nun noch mit einer öffentlichen Vorlesung seine Lehrbefähigung beweisen. Dies ist bei allen Wissenschaftern der Fall, die sich an der HSG habilitieren, hier also ihre Befähigung für eine Professur erwerben wollen. Der entsprechende Anlass heisst «Antrittsvorlesung»; unbeschadet, ob ein Kandidat oder eine Kandidatin nun an der HSG doziert oder nicht.

Im Falle von Thielemann tönt «Antrittsvorlesung» darum etwas eigenartig, weil sein Abschied von der HSG nicht gerade geräuschlos über die Bühne ging. Erst kam der Abschied, nun folgt die «Antrittsvorlesung», die aber weder Antritt noch Rückkehr bedeutet.

Denkfabrik für Wirtschaftsethik

Thielmann forscht und arbeitet auch heute in seinem Fachbereich. Er gründete in Berlin den Think Tank «MeM – Denkfabrik für Wirtschaftsethik». Das Kürzel «MeM» steht für «menschliche Marktwirtschaft». Und er befasst sich weiterhin mit finanzpolitischen Beziehungsfragen, so pointiert wie je. Im Internet findet sich ein Text, in dem er dem Deutschen Bundestag empfiehlt, das kürzlich mit der Schweiz ausgehandelte Steuerabkommen abzulehnen.

Antrittsvorlesung «Marktprinzip und eingebettete Marktwirtschaft im Widerstreit – Integrative Wirtschaftsethik als neues Paradigma von Ökonomik», 18.10.2011, 18.15, Raum HSG 09-011.

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