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ANSTIEG: Sozialhilfeausgaben nehmen weiter zu

Die Zahl der Sozialhilfebezüger in der Stadt St. Gallen steigt weiter – und damit auch die Kosten. Die Sozialen Dienste kämpfen vor allem damit, dass die durchschnittliche Unterstützungsdauer immer länger wird. Für diese Entwicklungen gibt es mehrere Gründe.
David Gadze
Bei Vätern mit Kindern, die Sozialhilfe beziehen, wurde 2016 eine starke Zunahme von 26 Prozent verzeichnet. (Bild: Christof Schuerpf/Keystone)

Bei Vätern mit Kindern, die Sozialhilfe beziehen, wurde 2016 eine starke Zunahme von 26 Prozent verzeichnet. (Bild: Christof Schuerpf/Keystone)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Die Stadt St. Gallen verzeichnet schon seit Jahren einen konstanten Anstieg bei den Ausgaben für die Sozialhilfe. Die Gründe dafür sind vielfältig. Hinweise zu den aktuellen Entwicklungen gibt der kürzlich veröffentlichte Jahresbericht der «Städteinitiative Sozialpolitik», der nebst St. Gallen noch weitere Schweizer Städte angehören. Er enthält Kennzahlen zu verschiedenen Statistiken. So ist die Zahl der Sozialhilfefälle, bei denen Einzelpersonen ebenso wie mehrköpfige Familien einzeln gezählt werden, von 2010 bis 2016 um rund 13 Prozent auf 3394 gestiegen. Die ständige Wohnbevölkerung der Stadt St. Gallen nahm im selben Zeitraum von 72959 auf 74797 zu, also um rund 2,5 Prozent. 2016 stieg die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr gleich um über sechs Prozent. Der Grossteil dieser Fälle sei im Bereich des Flüchtlings- und Asylwesens zu verzeichnen, heisst es im Geschäftsbericht 2016 der Stadt.

Sozialhilfequote ist einigermassen konstant

Die Sozialhilfequote – also die Zahl der unterstützten Personen im Verhältnis zur Bevölkerung – ist hingegen zwischen 2010 und 2016 einigermassen konstant. Sie bewegt sich gemäss dem Jahresbericht der «Städteinitiative Sozialpolitik» zwischen 3,9 Prozent (2011) und 4,4 Prozent (2016). 2016 bezogen 5221 Personen Sozialhilfe. Im Vergleich mit den anderen 13 Städten, die sich am jährlichen Vergleich der «Städteinitiative Sozialpolitik» beteiligen, liegt St. Gallen im Mittelfeld, sowohl bei der Entwicklung der Fallzahlen als auch bei der Sozialhilfequote. Winterthur hat eine Sozialhilfequote von 5,5 Prozent, Luzern 3,8 Prozent.

Diese Entwicklungen seien nicht besorgniserregend, sagt Heinz Indermaur, Leiter der Sozialen Dienste der Stadt St. Gallen. «Denn es gibt keine Anzeichen für einen Trend zu einer starken Zunahme.» Auch die Zahlen des Jahres 2017 deuteten auf eine Stabilisierung hin.

50 Prozent mehr Kosten in sechs Jahren

Dennoch steigen die Kosten für die Sozialhilfe weiter. 2010 betrugen die Nettoausgaben noch 19,1 Millionen Franken, 2016 waren es bereits 29,2 Millionen. Und sie nehmen auch künftig zu: Im Budget 2018 sind 29,6 Millionen eingestellt. Der Kostenanstieg habe «mit sehr vielen verschiedenen Faktoren zu tun», sagt Indermaur. Lokale Aspekte wie Veränderungen im städtischen Arbeitsmarkt spielen ebenso eine Rolle wie Entwicklungen im Asyl- und Flüchtlingswesen, also globale Faktoren. Ein wichtiger Grund ist, dass die durchschnittliche Unterstützungsdauer immer länger wird. Ein Phänomen, mit dem nicht nur die Sozialen Dienste der Stadt St. Gallen zu kämpfen haben. In den 14 Städten im Vergleich der «Städteinitiative Sozialpolitik» hat sich die durchschnittliche Bezugsdauer gegenüber 2010 um ein halbes Jahr auf dreieinhalb Jahre verlängert. «Das schlägt besonders stark zu Buche», sagt Indermaur. Ausserdem sinkt die Chance, eine Person in den Arbeitsmarkt zurückzuführen, je länger diese in der Sozialhilfe ist. «Wir sind das letzte Auffangbecken in einem gut ausgebauten sozialen System.»

Das Kostenwachstum habe aber nicht zuletzt auch mit Entwicklungen in den vorgelagerten Systemen zu tun, sagt Indermaur. «Die Politik kann nicht bei der Invalidenversicherung oder beim Arbeitslosentaggeld sparen und sich dann wundern, wenn bei der Sozialhilfe die Kosten steigen.»

Ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen

Heinz Indermaur appelliert deshalb zu einem differenzierten Blick auf die Sozialhilfe. «Unsere Gesellschaft tut gut daran, die Kosten nicht einfach als Ausgabe anzuschauen, sondern als Investition.» Letztlich gehe es darum, den betroffenen Personen, von denen ein grosser Teil Kinder sind, ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen und sie nicht nur beruflich, sondern auch sozial zu reintegrieren. «Bei allem Kostenbewusstsein hat die Art, wie wir uns um die Betroffenen kümmern, positive langfristige Effekte – nicht zuletzt den sozialen Frieden.»

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