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Anonymer Briefschreiber: Ohne Rückgrat und Empathie

Erika Sutter

Mein Mann ist im Oktober verstorben. Kürzlich befand sich in meinem Briefkasten ein Couvert mit korrekter Adressangabe und Frankierung, aber ohne Absender. Darin fand ich einen Zeitungsausschnitt mit drei amtlichen Bestattungsmeldungen; eine davon war diejenige meines Mannes. Alle drei Verstorbenen sind kremiert worden. Das Wort «Kremation» in der Meldung hatte jemand rot unterstrichen, und darunter stand in Handschrift: «Nur eine Erdbestattung ist ökologisch einwandfrei» und «Bei Kremationen – billigste Abfallentsorgung». Die unterste Meldung enthielt das Wort «Abschiedsfeier». Auch hier hatte der oder die Unbekannte einen Kommentar hinterlassen: «Gibt es nichts zu feiern!»

Dieser anonyme Brief hat mir zu denken gegeben. Ich frage mich: Wie kann ein Mensch auf die Idee kommen, eine solch absurde Botschaft anonym an Angehörige zu verschicken? Wer das macht, hat meiner Meinung nach kein Rückgrat und keine Empathie. Warum hat man es nötig, sich auf solch aufdringliche Weise in fremde Privatangelegenheiten einzumischen?

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich nicht die Einzige bin, die einen solchen Brief erhalten hat.

Erika Sutter

Salisstrasse 5, 9000 St. Gallen

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