Anmut und Zurückhaltung

Der Steinacher Frauensportverein Balance feiert Geburtstag. Entstanden aus dem Frauenverein und der Jungfrauenkongregation, wurde er vor 40 Jahren im Restaurant Glinzburg gegründet.

Fritz Heinze
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Lisbeth Heule ist seit 1982 gemeinsam mit anderen Turnerinnen Leiterin im Frauensportverein Balance. (Bild: Fritz Heinze)

Lisbeth Heule ist seit 1982 gemeinsam mit anderen Turnerinnen Leiterin im Frauensportverein Balance. (Bild: Fritz Heinze)

STEINACH. Anfang der Siebzigerjahre wurde der Ruf nach einem sportlichen Angebot in der Steinacher Jungfrauenkongregation und des Müttervereins lauter. Die Mitgliederzahl der Gruppierungen reichte allerdings nicht aus für einzelne Turnstunden. Der Vorschlag, einen Turnverein zu gründen und sich dem Schweizerischen Verband Katholischer Turnerinnen (SVKT) anzuschliessen, erfolgte kurze Zeit später. Wie dieser Verband zur damaligen Zeit noch funktionierte, ist dem Dokument des SVKT «Reine Töchter – starke Mütter» aus einem geschichtlichen Abriss aus den Jahren 1931 bis 1973 zu entnehmen: «(…) stattdessen wahrten SVKT-Turnerinnen in der Turnhalle und auf der Turnwiese ihre Fraulichkeit, Anmut und Zurückhaltung. Sie verschrieben sich nicht dem Rekordstreben, sondern pflegten frauliche Güte und Mütterlichkeit.»

Orientierungslauf mit Pfarrer

Der Auszug aus der Geschichte dokumentiert, dass der Turnverband streng katholisch war. Und so hatten auch die Geistlichen Pfarrer Oswald und Pfarrer Krömler im Vorstand Einsitz genommen. Und eine Notiz aus den Siebzigerjahren besagt, dass Rita Nobel, Vorstandsmitglied und Leiterin von 1973 – 1988, gemeinsam mit Pfarrer Paul Krömler, dem Vereinspräses, einen Orientierungslauf organisierte. Tatsächlich sorgte in diesen Jahren der Dorfpfarrer auch auf sportlicher Ebene für Zucht und Ordnung.

Mit der Vereinsgründung des SVKT Steinach im Jahr 1974 im Restaurant Glinzburg im Beisein von 30 Mitgliedern begann ein prosperierendes Wirken des Frauenturnens. Dem SVKT Steinach stand als Gründungspräsidentin Luzia Popp vor, Aktuarin war Gabi Benenati, Kassierin Klara Kümin, Revisorin Antoinette Muheim und Beatrice Manser. Als Leiterin amtierte Margot Katzer-Müller, die ihrerseits schon bald Rita Nobel ins Boot holte, die bis 1988 Turnstunden leitete. Lisbeth Heule, die heutige Leiterin, trat im Jahr 1982 dem Verein bei, übernahm das Amt der Turnstundenleitung gemeinsam mit anderen Turnerinnen und hatte von 1986 bis 2006 zusätzlich das Aktuariat inne. Turnen gehört zum Leben von Lisbeth Heule, und das bis heute. Das Bedürfnis der Frauen, turnen zu können, hatte auch nach der Vereinsgründung angehalten. Doch die Tatsache, dass der Nachwuchs nicht gepflegt wurde, wirkte sich mit den Jahrzehnten aus. Und beim Austritt aus SVKT im Jahr 2007 war dieses Vorgehen mit ein Grund, den Schritt zu tun. Nach dem Austritt nennt sich der Verein Frauensportverein Balance (FSVB).

Es herrschte ein guter Kitt

Aus der Sicht von Rita Nobel turnten all jene Frauen im katholischen Verein mit, die keine grossen Auftritte liebten. «Es kam vielleicht mal bei einer Eröffnungsfeier vor, dass wir einen Auftritt hatten», sagt sie. Doch es waren alles Turnerinnen, die die Auftritte nicht schätzten. Unterhaltungsabende fanden sich nicht im Tätigkeitsprogramm im Gegensatz zu jenem des STV Steinach. Doch wenn Rita Nobel sich zurückerinnert, kommt sie nicht um die Feststellung herum, dass sie unter den Mitgliedern über die Jahrzehnte einen guten Kitt hatten.

Düstere Aussichten

Dass der Frauensportverein Balance keine grosse Zukunft vor sich hat, ist allen Beteiligten klar. Das Mu-Ki-Turnen wurde 2007 an den STV Steinach übergeben, und das Durchschnittsalter der Mitglieder steigt. Die letzte Leiterin ist Lisbeth Heule. Über eines ist sich die Vorturnerin im Klaren: «Aushilfen für einzelne Stunden finden wir, aber eine Nachfolge für meine Arbeit ist nicht zu finden.» Lichtblick sind die Line-Dance-Stunden, die Präsidentin Monika Gerschwiler anbietet. Ihre Prognose: «Wir turnen, solange es uns Spass macht und Turnerinnen die Stunden besuchen. Wir schätzen ja auch die gute Kameradschaft.»