ANKLAGE: Wegen Heroinhandels des Landes verwiesen

Um die finanzielle Lage seiner Familie zu verbessern, handelte ein Serbe in St. Gallen mit Heroinkugeln. Das Kreisgericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe und einem Landesverweis.

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In seiner Heimat in Serbien verdiente der Beschuldigte 400 Euro im Monat. Um die schlechte finanzielle Lage der Familie aufzubessern, liess er sich auf das Angebot krimineller Landsleute ein. Sie beauftragten ihn, mit dem Reisebus von der serbischen Stadt Nis nach St. Gallen zu reisen. In der Schweiz sollte er auf jeweilige Anweisung hin Heroin von einem Ort zum nächsten bringen. Als Gegenleistung hatte man ihm Geld und Arbeit in der Schweiz versprochen.

Die unbekannten Hintermänner rüsteten den Serben mit einem Handy und verschlüsselten Codewörtern aus. In St. Gallen angekommen, traf er sich mit einem Kontaktmann, der ihm im thurgauischen Busswil in einem Waldstück ein Versteck mit abgepackten Heroinkugeln zeigte. Sie befanden sich in einem Erdloch.

Die Untersuchungsbehörden gehen davon aus, dass der Mann von Mitte bis Ende Mai sechs- oder siebenmal die Anweisung erhielt, aus dem Bunker im Thurgau Heroin zu holen. Er nahm die Drogen in sein Hotelzimmer in Speicher mit, um sie später zu einem anderen Bunker beim Bahnhof Goldach zu bringen. Insgesamt transportierte er etwa 44 Gramm reines Heroin.

Kontrolliert und verhaftet

Am 29. Mai kontrollierten Grenzwachtbeamte den Beschuldigten kurz vor Goldach in der S-Bahn. In seinem Gepäck fanden sie die Heroinkugeln. Der Serbe kam ins Untersuchungsgefängnis und später in Sicherheitshaft.

Im Oktober fand nun die Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen statt. Er sei in einen Kreis von Leuten geraten, die seine Situation ausgenutzt hätten, erklärte der Beschuldigte. Sie hätten ihm gesagt, sie könnten ihm in der Schweiz eine Arbeit auf dem Bau oder in einer Pizzeria verschaffen. Die nötigen Papiere und Bewilligungen würden sie dann schon für ihn organisieren. Weil sein Verdienst in Serbien zum Leben nicht gereicht habe, sei er auf das Ganze eingegangen. Mit diesem Fehlentscheid habe er seine Familie in eine noch schlimmere Situation gebracht. Seit er in der Schweiz im Gefängnis sitze, müsse sie von 170 Euro Sozialhilfe leben, die seine Frau erhalte, weil ihr jüngstes Kind noch ein Baby sei, sagte er.

Sieben Jahre Landesverweis

Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann im abgekürzten Verfahren an. Sie beantragte dem Richtergremium einen Schuldspruch wegen mehrfachen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz und eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren. Er sei für sieben Jahre des Landes zu verweisen und seine Ausschreibung im Schengener Informationssystem müsse angeordnet werden.

Das Kreisgericht St. Gallen stellte bei den Verhandlungen im Oktober fest, dass die Voraussetzungen für das abgekürzte Verfahren erfüllt sind, und erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Die Verfahrenskosten betragen rund 18500 Franken. Nach diesem Entscheid wird der Mann aus Serbien in den nächsten Tagen in seine Heimat ausreisen können. Er werde versuchen, seine alte Arbeit, die er vorher in Serbien ausübte, wieder aufzunehmen, erklärte er.

Claudia Schmid

stadtredaktion

@tagblatt.ch