Andwiler Rat lehnt Fusion ab

Die Pläne von Gossau, Andwil und der Schulgemeinde Andwil-Arnegg nehmen eine Wendung: Der Andwiler Gemeinderat sieht in einer Fusion mehr Nach- als Vorteile. Das letzte Wort haben aber weiterhin die Stimmbürger.

Angelina Donati
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Entspannte Stimmung trotz ablehnender Haltung des Andwiler Rats. Von links: Alex Brühwiler, Dominik Gemperli und Emanuel Kummer. (Bild: Ralph Ribi)

Entspannte Stimmung trotz ablehnender Haltung des Andwiler Rats. Von links: Alex Brühwiler, Dominik Gemperli und Emanuel Kummer. (Bild: Ralph Ribi)

Für einen Moment hörte es sich wie ein Versprecher an: «Die Nachteile einer Gemeindefusion würden die Vorteile überwiegen», erläuterte der Andwiler Gemeindepräsident Dominik Gemperli den Medienschaffenden gestern im Ebnetsaal in Andwil. Dies, nachdem sich seine beiden Vorredner, der Gossauer Stadtpräsident Alex Brühwiler und der Schulpräsident von Andwil-Arnegg, Emanuel Kummer, für eine Fusion ausgesprochen hatten. Die Haltung Andwils kam daher etwas überraschend. Auch wenn im Dorf bereits über eine vermeintliche Ablehnung seitens des Gemeinderates gemunkelt wurde.

Eigenständig bleiben

Eine Fusion sei in den Augen des Gemeinderats von Andwil besonders im Hinblick auf die Finanzen wenig lohnenswert, erläutert Dominik Gemperli. Auch dass eine vereinigte Gemeinde sparen könnte, vermag den Rat wenig zu überzeugen. «Im Verhältnis zum Gesamtaufwand erscheinen diese finanziellen Synergien eher bescheiden.» Selbst der Steuerfuss im Jahr 2018, der Berechnungen zufolge auf 133 Prozent festgelegt würde, wäre gleich hoch wie heute. Einen Nachteil sieht der Andwiler Rat in der Abschaffung der Bürgerversammlung. Denn die neue Gemeinde würde mit einem Parlament organisiert. «Damit verliert Andwil die direkte Einflussnahme», sagt Gemperli. Und zuletzt gehe auch die Nähe der Verwaltung zur Bevölkerung verloren.

Eine Fusion habe allerdings auch Vorteile, betont Gemperli. Zu erwähnen seien die heute anspruchsvolle Struktur der gemeindeübergreifenden Schulgemeinde oder auch die bessere Abfederung von grösseren Investitionen. «Es gibt aber gewichtigere Argumente gegen als für eine Fusion», sagt Gemperli. «Unseren Bürgern empfehlen wir daher, nicht zu fusionieren.»

Schulbetrieb effizienter

Wie Alex Brühwiler und Emanuel Kummer erläutern, ist eine Vereinigung aus Gossauer Sicht und aus jener der Schulgemeinde Andwil-Arnegg sinnvoll. «Die Schulinfrastruktur würde vereinfacht», sagt Kummer. Für die Stadt Gossau ist zudem die «markant schlankere Behörden- und Verwaltungsorganisation» aussichtsreich, wie Brühwiler sagt. Jährlich könnten rund 790 000 Franken gespart werden. Geld, mit welchem Steuern gesenkt oder Investitionen getätigt würden. Beide Räte empfehlen den Bürgern, der Vereinigung zuzustimmen.

Schulhaustrakt renovieren

Über die Stimmenverteilung der jeweiligen Räte will keiner der drei Auskunft geben. Es habe aber kontroverse Diskussionen gegeben, gestand der Andwiler Gemeindepräsident. Das letzte Wort haben weiterhin die Stimmbürger der drei Gemeinden. Wie bereits seit längerem definiert, stimmen sie am 28. Februar 2016 an der Urne darüber ab. Unabhängig vom Resultat und damit es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt, plant der Rat der Schulgemeinde Andwil-Arnegg, den Trakt C im «Ebnet» auf das Schuljahr 2016/2017 erneuern zu lassen.

Parteien teils enttäuscht

War es in den vergangenen Wochen eher ruhig um das Thema Fusion, dürften nun die Diskussionen heisslaufen. Auf Anfrage gestehen gleich einige Parteien, dass sie von der neuen Ausgangslage überrascht wurden. Der Präsident der SVP Andwil, Pius Egli, sagt, dass sich die Partei erst beraten und dann offiziell äussern werde. Seiner Ansicht nach wird das Ausscheren des Andwiler Gemeinderats wohl zu einer noch gründlicheren Meinungsbildung führen. «Ausserordentlich irritiert über die Haltung des Andwiler Gemeinderats» ist die GLP Andwil. «Wir sind überrascht, dass ein Gemeinderat, der sich aus bürgerlichen Parteien zusammensetzt, eine leistungsstärkere und wirtschaftlichere Verwaltungsstruktur ablehnt. Dadurch verschwendet er bewusst Steuergelder», schreibt Parteipräsident Joel Drittenbass. Auch die Parteien von Gossau-Arnegg, etwa die FDP, die SVP und die SP, bedauern den Andwiler Entscheid. Sie alle sind überzeugt, dass ein Zusammenschluss langfristig gesehen «der richtige Schritt» ist.