ANDWIL/ARNEGG: Meister der Quellen gesucht

Die Wasserversorgung Andwil-Arnegg steht vor einem Führungswechsel. Das Amt ist laut dem amtierenden Präsidenten weit mehr als nur Bürokratie. Der zeitliche Aufwand aber sei hoch.

Angelina Donati
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Die Wasserversorgung Andwil-Arnegg bezieht ihr Wasser unter anderem aus der Hauptquelle Schüsselloo bei Hohfirst in Waldkirch. (Bild: pd/Wasserversorgung Andwil-Arnegg)

Die Wasserversorgung Andwil-Arnegg bezieht ihr Wasser unter anderem aus der Hauptquelle Schüsselloo bei Hohfirst in Waldkirch. (Bild: pd/Wasserversorgung Andwil-Arnegg)

ANDWIL/ARNEGG. Um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger als Präsidenten der Wasserversorgung zu finden, nutze Guido Aellig kurzerhand die Fragestunde an der Bürgerversammlung der Gemeinde Andwil. Auch im «Andwiler» wird mit einem Inserat auf das im April 2017 freiwerdende Amt aufmerksam gemacht. Von Hilferufen könne man aber nicht sprechen, sagt Aellig, der amtierende Präsident, auf Anfrage. Es gebe einige Personen, die sich dafür interessieren würden. Bislang nur Männer, aber auch Frauen seien erwünscht. «Ein paar Gespräche haben wir schon geführt.» Nach den Sommerferien würden noch weitere folgen.

Termine meistens tagsüber

Grundsätzlich aber sei die Suche nach Personen, die die Wasserversorgung Andwil-Arnegg gerne präsidieren möchten, keine einfache. Im Gegensatz zu früher werde man heute für die Arbeit entlohnt. «Das Hauptproblem aber liegt in der Zeit», sagt der 70jährige Aellig. Bei den Gesprächen würden sich die Bewerber erst richtig bewusst, mit welch hohem zeitlichen Aufwand gerechnet werden muss. «Etwa 100 bis 140 Stunden pro Jahr nimmt das Amt in Anspruch», sagt der Präsident. Hinzu kommen acht bis neun Sitzungen mit dem Verwaltungsrat. Besprechungen, Abklärungen und Verhandlungen, die mit Andwil, den Gossauer Stadtwerken und der Stadt Gossau gemacht werden müssen, finden zudem tagsüber statt. «Ideal ist das Amt für jemanden, der kurz vor der Pension steht und sein Arbeitspensum bereits etwas reduzieren kann», sagt Aellig. Genauso spielte es sich auch bei ihm selber ab.

Wasserversorgungen gibt es eine Vielzahl. Alleine im Kanton beläuft sich die Zahl auf 152. Mit Fronackeren, Hinterberg und Andwil-Arnegg gibt es in Andwil sogar drei. Letztere besteht seit 1895 und versorgt rund 850 Haushalte, darunter auch Gewerbe- und Industriebetriebe mit Wasser, unter anderem aus der Hauptquelle Schüsselloo in Waldkirch.

Aushelfen mit Bodenseewasser

In Normalfall decken die beiden eigenen Quellen und die drei Grundwasserfassungen jährlich 95 Prozent des benötigten Verbrauchs ab. «Wegen der Dürre mussten wir im vergangenen Jahr 41 500 Kubikmeter Bodenseewasser beziehen. Das entspricht fast der dreifachen Menge des Vorjahres», sagt Aellig. Genau deshalb sei man der Regionalen Wasserversorgung St. Gallen (RWSG) angeschlossen, die in solchen Situationen aushelfe. Genau auch bei Besprechungen, sei es mit der RWSG oder anderen öffentlichen Ämtern, brauche es Verhandlungsgeschick, sagt Aellig. Über technisches Wissen hingegen müsse der Präsident nicht unbedingt verfügen.

Abwechslung vom Beruf

Jetzt sei die Zeit reif, auch dem Alter Aelligs wegen, nach zwei Amtsdauern, eine Nachfolge zu bestimmen. Guido Aellig habe die Aufgabe stets Freude gemacht, sagt der frühere Buchhändler und einstiges Mitglied des St. Galler Stadtparlaments und Kantonsrats. «Auch wegen der Kontakte mit den Anwohnern und weil mir die Abwechslung zu meinem Beruf gefiel.»

Guido Aellig Präsident Wasserversorgung Andwil-Arnegg (Bild: pd)

Guido Aellig Präsident Wasserversorgung Andwil-Arnegg (Bild: pd)