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ANDWIL: Mehr als nur ein Abschied

Vieles wurde versucht, damit die Verpackungsherstellerin Petroplast Vinora wieder schwarze Zahlen schreibt. Ohne Erfolg. Jetzt schliesst das Unternehmen seine Tore. Die meisten Mitarbeiter haben noch keine neue Stelle gefunden.
Angelina Donati
Noch wehen die Fahnen von Petroplast Vinora im Wind. Wie das Areal in Andwil künftig genutzt wird, ist noch nicht entschieden. (Bild: Urs Bucher)

Noch wehen die Fahnen von Petroplast Vinora im Wind. Wie das Areal in Andwil künftig genutzt wird, ist noch nicht entschieden. (Bild: Urs Bucher)

ANDWIL. Was andere als Schlagzeile in der Zeitung lesen und schnell wieder vergessen, ist für Benno Schneider eine schmerzliche Angelegenheit. Dem Miteigentümer und Verwaltungsratsmitglied der Petroplast Vinora AG fällt es schwer, einen letzten Einblick in «seine» Firma zu gewähren. Nach jahrelangem Schaffen und Wirken soll die Petroplast Vinora nicht als Ruine in Erinnerung bleiben. «Es ist ein trauriger Moment. Für die Mitarbeiter und für mich», sagt Benno Schneider. Er steht vor dem Gebäudeeingang und wirkt angeschlagen. «Ein Abschied mit viel Wehmut.»

Benno Schneider Miteigentümer und Verwaltungsrat Petroplast Vinora AG (Bild: Benjamin Manser)

Benno Schneider Miteigentümer und Verwaltungsrat Petroplast Vinora AG (Bild: Benjamin Manser)

Letzte Aufgaben erledigen

Noch deutet wenig darauf hin, dass der Betrieb Ende dieser Woche eingestellt wird. Die Produktion aber sei grösstenteils bereits beendet. Einige Mitarbeiter seien noch mit einem Druckauftrag für Papier-Mettler beschäftigt. Diese Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende Juli. Auch Mitarbeiter der Buchhaltung und der IT würden weiterarbeiten, bis die Produktion auch in Jona eingestellt wird.

«Nicht alles falsch gemacht»

Nebst Kehrichtsäcken und Tragtaschen stellte Petroplast Vinora Verpackungen verschiedenster Produkte her: Etwa Folien für Lebensmittel, Getränkeflaschen und für den Pharmabereich. Hochkomplexe, mehrschichtige Produkte, wie Benno Schneider sagt. Gegründet wurde Petroplast 1977. Rund 15 Jahre später kam es zum Zusammenschluss mit Vinora und der Geschäftsübernahme von Mitinhabern. «Als ich damals zum Unternehmen gestossen bin, gab es schweizweit etwa 25 Konkurrenzunternehmen.» Eines nach dem anderen habe sich auflösen müssen, einzig Petroplast Vinora nicht. «Was darauf hindeutet, dass wir wohl nicht alles falsch gemacht haben», sagt Benno Schneider. Bis 2004 leitete er den Betrieb und gehörte danach dem Verwaltungsrat an.

Grossteil noch ohne neuen Job

Gegen die Konkurrenz aus dem Ausland und die Veränderungen im Markt war aber auch die Andwiler Firma nicht gewappnet. Hinzu kam der starke Franken, der dem Unternehmen stark zu schaffen machte. Seit vier Jahren schreibt Petroplast Vinora rote Zahlen. «Während andere als Ausweg nur noch die Schliessung sehen, versuchten wir mit verschiedenen Massnahmen, den Betrieb zu rationalisieren und weiterzuführen», sagt Schneider. Aber schon wegen der vergleichsweise hohen Personalkosten tut sich eine Lücke auf, die nicht wettgemacht werden kann. Bis heute zählt das Unternehmen zahlreiche Angestellte, die über Jahrzehnte hier gearbeitet haben. Was ist das Geheimnis dieser Treue? «Wir bemühten uns, gut für sie zu sorgen. Und die Umgangsform untereinander war stets von gegenseitigem Respekt geprägt.» Einige der 140 Mitarbeiter werden noch am Standort in Jona weiterbeschäftigt. Spätestens im Januar werden auch dort die Lichter gelöscht. Etwa ein Viertel der Mitarbeiter in Andwil habe eine neue Stelle finden können. Nicht zuletzt auch wegen des von der Firma betriebenen Job-Centers, das nun nach Jona verlegt werde.

Die Löhne würden noch bis zum Schluss ausbezahlt, betont Schneider. Und auch Gläubiger kämen nicht zu Schaden. Die meisten Mitarbeiter seien dankbar, dass der Betrieb noch lange Zeit aufrechterhalten wurde, und haben für die schwierige Situation Verständnis. Es gebe aber auch solche, die unzufrieden seien und Fehler im Management suchten: «Die Schliessung aber konnte nicht verhindert werden», sagt Schneider rückblickend.

Am liebsten wieder ein KMU

Was genau mit dem Standort und dem Gebäude in Andwil geschieht, steht laut Schneider noch nicht fest. «Wir sind mit interessierten Käufern im Gespräch.» Schneiders Wunsch ist, dass die Liegenschaft wieder für industrielle Zwecke genutzt wird. «Am liebsten wäre mir ein produzierendes Unternehmen, vorzugsweise ein KMU.» Ihm sei es ein Anliegen, dass für die verlorenen Arbeitsplätze in Andwil wieder neue geschaffen werden.

Der negativen Situation zum Trotz: Benno Schneider will mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Das habe er auch den Mitarbeitern in einem Brief geschrieben. Wehmut und Frust seien schlechte Ratgeber.

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