ANDWIL: «Eine einmalige Chance»

Er könne mit gutem Gewissen den Schlüssel drehen, sagt der scheidende Gemeindepräsident Dominik Gemperli. Und er glaubt, dass eine Fusion bald wieder ein Thema wird – in Andwil wie auch in Goldach.

Johannes Wey
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Dominik Gemperli verlässt nach acht Jahren das Andwiler Gemeindehaus. Er wird Gemeindepräsident in Goldach. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dominik Gemperli verlässt nach acht Jahren das Andwiler Gemeindehaus. Er wird Gemeindepräsident in Goldach. (Bild: Hanspeter Schiess)

Johannes Wey

johannes.wey@tagblatt.ch

Dominik Gemperli bleibt in diesem Advent nicht viel Zeit für Besinnlichkeit. Während er sein Büro im Andwiler Gemeindehaus aufräumt und mit seinem Nachfolger Toni Thoma die Amtsübergabe vorbereitet, nimmt er bereits Termine als künftiger Gemeindepräsident von Goldach wahr. Und auch die Suche nach einem Daheim in der neuen Gemeinde hat schon begonnen, wenn auch bislang ohne Erfolg. «Schliesslich muss es für die ganze Familie stimmen», sagt er.

Gehetzt wirkt Gemperli trotzdem nicht. «Ich habe mich bewusst schon früh mit der Zeitplanung für den Dezember beschäftigt. Den ersten Entwurf für das Amtsübergabeprotokoll hatte ich Mitte Oktober fertig.» Aus dem Tagesgeschäft habe er sich bereits weitgehend zurückgezogen. Mit seinem Nachfolger sei er schon zu mehreren Sitzungen für die Übergabe zusammengetroffen. Es zahle sich aus, dass Thoma als Gemeinderat die Dossiers schon kenne. «Ich kann mit gutem Gewissen den Schlüssel drehen. Ich denke, mein Nachfolger trifft eine optimale Ausgangslage an.» Auch wenn es natürlich nicht möglich sei, alle Geschäfte zu einem Ende zu bringen.

So war es auch bei Gemperlis Amtsantritt anfangs 2009. Mit einem «Paukenschlag» sei seine Amtszeit losgegangen, dem Kreditantrag für die Offenlegung von Arnegger- und Loobach. Vorbereitet war das Geschäft seit 2001 von seinem Vorgänger worden. Die «nicht ganz unumstrittene» Vorlage sieht er noch heute als ein Schlüsselprojekt. Denn dabei sei es nicht nur um den Hochwasserschutz gegangen. «Die Offenlegung machte auch die Überbauung Augarten-Ebnet möglich», sagt Gemperli; einen Steinwurf vom Gemeindehaus entfernt entstehen 55 Wohnungen. «Das ist wegweisend für die bauliche Entwicklung der Gemeinde.»

Ähnliche «Paukenschläge» zum Schluss

Entscheide von ähnlich grosser Tragweite wurden in Andwil auch gegen Ende von Gemperlis Amtszeit getroffen. Das Projekt für die Arneggerstrasse ist rechtskräftig, der offizielle Spatenstich folgt im kommenden Jahr. «Dass ich bei der Realisierung des Projekts nicht zusehen darf, tut schon etwas weh», sagt Gemperli. Schliesslich gehe es nicht nur um eine Sanierung, sondern um die Gestaltung des Dorfkerns – es handelt sich um das bedeutendste Andwiler Strassenbauprojekt seit langem.

Auch die Frage nach einer Fusion mit Gossau wurde beantwortet, die Bürger waren dagegen. Dieselbe Position hatte Gemperli im Abstimmungskampf namens des Gemeinderats vertreten müssen. Für ihn persönlich wäre ein Ja ein logischer Entscheid gewesen, sagt er noch heute. «Ich glaube, dass das Thema Fusion in einigen Jahren wieder auf das Tapet kommt.» Längerfristig rechnet er damit auch für seine neue Lebens- und Wirkungsstätte Goldach, wo eine Fusion mit Rorschacherberg und Rorschach 2014 bei der Grundsatzabstimmung scheiterte.

Vom Wechsel felsenfest überzeugt

Seinen Entscheid, als Gemeindepräsident in Goldach zu kandidieren, musste Gemperli kurzfristig fällen und überraschte damit die gesamte Gemeinde. Bereut habe er seinen Entschluss aber noch keine Sekunde, auch wenn ihm der Abschied nicht ganz leicht falle. «Das ist für mich eine einmalige Chance, mich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.» Und politisch? Sein Vater war seinerzeit Regierungs- und Ständerat. Daran denke er überhaupt nicht, sagt Gemperli. «Man weiss natürlich nie, was das Leben bringt. Aber Goldach ist für mich sehr attraktiv und anspruchsvoll genug.»

Mit rund fünfmal mehr Einwohnern unterscheide sich Goldach grundlegend von Andwil, schon was die Verwaltung angeht. Das bringe auch eine grössere Vielfalt an Geschäften mit sich, die in der Tendenz komplexer seien. Und als «urbane Gemeinde» habe Goldach im Vergleich zum «ländlichen Dorf» ganz andere Probleme zu bewältigen.