ANDWIL: Die Nacht der Bösen

Nach über 30 Jahren findet diesen Samstag wieder ein Schwingfest in Andwil statt. Tagsüber messen sich die Bueben, abends die Aktiven. Mit dabei sind auch bekannte Namen.

Angelina Donati
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Schwingen unter dem Sternenhimmel: Das Abendschwinget, hier in Tübach, zieht Publikum an. (Bild: Michel Canonica (21. Mai 2016))

Schwingen unter dem Sternenhimmel: Das Abendschwinget, hier in Tübach, zieht Publikum an. (Bild: Michel Canonica (21. Mai 2016))

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Sie sind meist gross, kräftig, muskulös und werden «die Bösen» genannt. Ist das überhaupt gerechtfertigt? «Bei einem Erscheinungsbild von zwei Metern Körpergrösse und 140 Kilogramm kann man durchaus böse wirken», sagt Andreas Rohrer, Präsident des Schwingerverbands St. Gallen und Umgebung. Und fügt hinzu: «Dieser Eindruck aber trügt natürlich, denn die Schwinger sind bei weitem nicht böse.»

An diesem Samstag finden die Bösen nun nach über 30 Jahren endlich wieder nach Andwil. Zwar organisiert der Schwingerverband jedes Jahr ein Fest, allerdings jedes Mal an einem an­deren Ort. Zusammen mit der Landjugend Gossau und Umgebung stemmt er diesen Anlass, der rund 1000 Besucher anziehen soll. Weil wegen des Regens und Schnees die Wiese vollgesogen ist, haben sich die Organisatoren nun kurzfristig entschieden, die Schauplätze auf der Wiese beim Schulhaus Ebnet etwas weiter nach unten zu verschieben. «Auf dem Boden werden wir zudem Platten verlegen», erklärt Rohrer. Für die Wettkämpfe braucht es 70 Kubik Sägemehl.

Grosse Personen klar im Vorteil

Zuerst misst sich beim Buebeschwinget der Nachwuchs, also 280 Kinder und Jugendliche von 8 bis 16 Jahren. Darauf folgt der Abendschwinget mit 80 Aktiven. Dabei treten auch Unspunnen-Sieger Daniel Bösch und Martin Hersche, der letztjährige Sieger des Abendschwinget, auf, wie Andreas Rohrer verrät. Auch Lokalmatador Lars Geisser wird in den Kreis aus Sägemehl steigen. Während man das Schwingen am Abend in der Innerschweiz schon seit längerem kennt, zog der Schwingerverband St. Gallen und Umgebung etwa vor zehn Jahren nach. «Wie sich zeigt, ist diese Austragung attraktiv, besonders für das Publikum.» Optimal ergänzt werde es durch eine Festwirtschaft mit musikalischer Unterhaltung.

Kranzauszeichnungen gebe es bei diesen Duellen keine zu holen, dafür winken andere Preise. «Für den Nachwuchs ist es eine ideale Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und das Selbstvertrauen für weitere Wettkämpfe zu stärken.» Bei den «bösen Jungen» sei Luca Streuli aus Untereggen speziell hervorzuheben. «Er ist auf dem besten Weg: In diesem Jahr hat er bereits schon zwei Buebeschwingfeste gewonnen.» An Nachwuchs fehlt es dem Schwingen nicht, wie Rohrer weitererzählt. Dennoch stellt er fest, dass die Zahl der Schwinger leicht zurückgeht – und das, obwohl der urchige Schweizer Traditionssport immer weiter an Beliebtheit und Präsenz in den Medien gewinnt. Einen hohen Stellenwert habe der Schwingsport auf dem Land. Die Konkurrenz in Sachen Sportarten sei mittlerweile gross. Mit dem Schwingen könne man ab acht Jahren starten – «tschutten» hingegen schon viel früher.

Dabei brauche es fürs Schwingen nicht viel: «Ein Vorteil ist es, wenn man gross ist. Kleinere aber können dies mit Technik und Willen ausgleichen», sagt Rohrer. Seit November hat er das Präsidentenamt inne. «Den Zugang zum Schwingen fand ich, wie so viele, über den Nachbarn», sagt er und schmunzelt. Praktisch die halbe Verwandtschaft habe schon geschwungen. Rohrer selbst, der die Sportart erstmals als Achtjähriger ausprobierte, musste seine Leidenschaft im Erwachsenenalter verletzungsbedingt an den Nagel hängen. Und doch hält die Begeisterung, auch über den respektvollen Umgang und den Zusammenhalt unter den Schwinger-Gspänli, bei ihm noch immer an.

Verbandsschwingfest

Sa, 6. Mai, beim Schulhaus Ebnet, Buebeschwinget: 9 bis 17 Uhr, Abendschwinget: 17 bis 22 Uhr