An der katholischen Kirche stricken

GOSSAU. «Das verflixte Wort katholisch», diesem Thema widmete sich die Tagung des Katholischen Frauenbundes St. Gallen-Appenzell. 80 Frauen trafen sich am Dienstag im Gossauer Andreaszentrum zu einem humorvollen und tiefsinnigen Anlass.

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Sonja Schläpfer strickt an der Frauenbunds-Geschichte, flankiert von Anna Maria Frei, Esther Schöb und Katharina Jost (von links). (Bild: pd)

Sonja Schläpfer strickt an der Frauenbunds-Geschichte, flankiert von Anna Maria Frei, Esther Schöb und Katharina Jost (von links). (Bild: pd)

Bunt und vielfältig in Form und Farbe: Stricken ist wieder «in». Frauen stricken nicht nur Kappen, Jacken und trendige Accessoires. An der Tagung des 30 000 Mitglieder zählenden Katholischen Frauenbunds St. Gallen-Appenzell vom vergangenen Dienstag in Gossau wurden sie ermuntert, an ihrer Kirche «mitzustricken». Dort, wo sie ihre Heimat und Wurzeln haben.

Gemeinschaft und Gehorsam

Allgegenwärtig sei die «Lismete» im Andreaszentrum gewesen, heisst es in einer Mitteilung. Aus ihrem eigenen Leben erzählte Anna Maria Frei, Verbandsseelsorgerin des Frauenbundes. Auf ihrem Lebensweg begegnete sie der Kirche als Ort der Gemeinschaft und Zugehörigkeit, wegen eines gestrengen Pfarrherrn in der Jugend aber auch als Ort des Gehorsams. Viel Raum für persönliche Entwicklung erlebte hingegen Gastreferentin Katharina Jost, welche in ihrer Jugend in Wettingen die Kirche «als sehr aufgeschlossene, liberale Gemeinschaft empfand».

Leitende Personen sind zentral

Die Zuhörerinnen seien auch ermuntert worden, aus ihrem eigenen religiösen Erfahrungsschatz zu berichten. Welches Strickmuster daraus entstand, fasste eine Teilnehmerin zusammen: «Ob der Faden hell oder dunkel ist, steht und fällt mit den leitenden Personen – sei dies beim Turnverein, bei der Frauengemeinschaft oder bei der katholischen Kirche.»

Ziel der Referentinnen sei es auch gewesen, aufzuzeigen, wie aus dem «verflixten» Wort katholisch ein «gutes» Wort entstehen könne. Auch wurde das Anliegen geäussert, den Frauenbund als ökumenische Organisation zu führen. «Das Projekt haben wir aufgegriffen, und wir sind im Dialog mit anderen Dachorganisationen», sagte Rosmarie Koller, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes. Sie betonte aber, dass es «wirklich schwierig in der Umsetzung» sei.

Katholisch als Profil

Leicht provokativ äusserte sich Katharina Jost: «Als Frauengemeinschaft wollen wir mehr sein als eine günstige Kursanbieterin für Frauen.» Mit dem Wort katholisch gebe sich die Gemeinschaft ein Profil und lege den Grundstein, Rituale gemeinsam zu (er-)leben, fürsorglich miteinander umzugehen sowie hoffnungsvoll und zuversichtlich in die Zukunft zu schreiten.

Der thematische Teil der Tagung schloss mit einem Segenslied. Danach ging's zum gemütlichen Teil über, umsorgt von den Gastgeberinnen der Frauengemeinschaft Andreas. (pd/cor)