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AMTLICHE TODESANZEIGEN: St.Gallen: Sterben wird privater - Todesanzeigen nur noch als Inserat

Die Stadt St.Gallen publiziert seit Anfang Jahr keine amtlichen Mitteilungen zu Todesfällen mehr. Sie beruft sich dabei auf die Rechtslage. Andere Gemeinden gehen anders damit um.
Elisabeth Reisp
Sterben wird privater: Die Stadt St.Gallen publiziert keine Todesfälle mehr. (Bild: Ralph Ribi)

Sterben wird privater: Die Stadt St.Gallen publiziert keine Todesfälle mehr. (Bild: Ralph Ribi)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp

@tagblatt.ch

Für viele Leser gehören die Todesanzeigen zu den wichtigsten Informationen in einer Zeitung. Zu wissen, wer gestorben ist, ist für die Gesellschaft nach wie vor relevant. Selbst in der vermeintlich anonymen Stadt, geschweige denn in den Gemeinden. Seit diesem Jahr verzichtet die Stadt allerdings auf die Publikation von Todesmitteilungen. «Die Rechtslage für Zivilstandsmeldungen hat sich geändert und deshalb publiziert die Stadt St.Gallen keine Todesfallmeldungen mehr», sagt Thomas Rütsche, Leiter des städtischen Zivilstandsamts. In den umliegenden Gemeinden interpretiert man die Gesetzesänderung jedoch anders.

Der Bund sieht keine Notwendigkeit mehr

Der Bund hat auf den 1. Juli 2017 den Artikel 57 aus der Zivilstandsverordnung gestrichen. Dieser Artikel stellte fest, dass die Kantone Zivilstandsmeldungen publizieren können, sofern ein Betroffener oder direkter Angehöriger nicht darauf verzichten will. Da in den Artikel von «können» die Rede war, bestand schon vorher keine Pflicht zur amtlichen Publikation von Zivilstandsmeldungen. Der Kanton St.Gallen hat nachgezogen und den vergleichbaren Artikel 11 der kantonalen Zivilstandsverordnung, die für Gemeinden gilt, ebenfalls gestrichen. «Somit fehlt schlicht die Rechtsgrundlage, um Todesfälle zu veröffentlichen», sagt Rütsche. «Und wenn der Bund und der Kanton für eine Publikation keine Veranlassung mehr sehen, sehen wir auch keine mehr.» Zudem teile die Stadt die Ansicht des Bundes, dass die Veröffentlichung den Datenschutz tangiere und nicht mehr zeitgemäss sei.

In den umliegenden Gemeinden hält man an der bisherigen Praxis fest, etwa in Gaiserwald und auch in Wittenbach. Veröffentlichen, aber nur mit Einwilligung: Bei Todesfällen müssen die Hinterbliebenen ihr Einverständnis geben, bei Geburten die Eltern. Die Gemeinden bestätigen auf Anfrage, dass sie nicht von einer Publikation abweichen würden. Eine Veröffentlichung etwa im Gemeindeblatt sei gratis und entspreche oft dem Wunsch der Angehörigen.

Bevölkerung wollte Todesmeldungen in Gossau

Die Stadt Gossau hat sich noch nicht mit der neuen Rechtslage auseinandergesetzt. Bis auf weiteres hält sie deswegen ebenfalls an der Publikationstradition fest. «Aus jetziger Sicht können wir nicht sagen, dass das Aufheben einer Veröffentlichungspflicht einem Veröffentlichungsverbot gleichkommt», sagt Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Gossau. Auf Wunsch der Angehörigen veröffentliche die Stadt Gossau nach wie vor Todesfälle.

Vor fünf Jahren wollte Gossau die Publikation einstellen, «aus Kostengründen», wie Salzmann sagt. Weil dieser Schritt bei der Gossauer Bevölkerung nicht auf Zustimmung stiess, hat die Gemeinde von dieser Sparmassnahme aber wieder abgesehen.

Für St.Gallen kommt das nicht mehr in Frage. Wer entfernte Bekannte über einen Todesfall informieren will, muss dies selber tun. Etwa mit einem Zeitungsinserat, einem Zirkularschreiben oder auf Social Media.

Administrativer Aufwand ist zu hoch

Auf die Meldung von Geburten und Eheschliessungen verzichtet die Stadt St.Gallen bereits seit 2011, als die Zivilstandesämter zusammengelegt wurden. Seit diesem Zeitpunkt erfolgt die Mitteilung der Zivilstandsämter an die Einwohnerämter elektronisch und lässt keine Angaben zu Publikationswünschen mehr zu. Die Stadt hätte seither bei jährlich 1300 Meldungen nachträglich das Einverständnis direkt bei den Betroffenen für eine Publikation einholen müssen. Dieser administrative Aufwand sei nicht gerechtfertigt, liess die Stadt damals verlauten.

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