AMBITIONIERT: «Wir wollen jedes Spiel gewinnen»

Der American Football Club St. Gallen Bears will in dieser NLC-Saison die Aufstiegsspiele erreichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Kicker Shawn Vaccari. Er eröffnet dem Trainer neue Möglichkeiten.

Ives Bruggmann
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Volle Kraft voraus: Die Spieler der St. Gallen Bears studieren im Training Spielzüge für das Spiel gegen Schaffhausen ein. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Volle Kraft voraus: Die Spieler der St. Gallen Bears studieren im Training Spielzüge für das Spiel gegen Schaffhausen ein. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Ives Bruggmann

ives.bruggmann

@tagblatt.ch

Es war ein Zufall, der Shawn Vaccari zum Kicker des American Football Clubs St. Gallen Bears machte. Vor einem Training kickte der 19-Jährige mit seinen Mitspielern einige Bälle. Das tat er so gut, dass Trainer Michel Gmünder sofort das Talent Vaccaris erkannte und fortan auf ihn als Kicker setzte.

«Wir hatten immer Mühe, Field Goals zu erzielen», sagt Gmünder. Diese Tore per Fusskick aus dem Spiel heraus sind jedoch eine wichtige taktische Option im American Football. Gmünder ist deshalb froh über den Kicker, der aber weiterhin in der Offensive als Tight End spielt. «Vaccari trifft eigentlich immer», sagt Gmünder über die Erfolgsquote seines Schützlings, die über 80 Prozent liegt. Ob Zusatzpunkte nach einem erzielten Touchdown (ein Punkt) oder Field Goal (drei Punkte), der Kicker entscheidet nicht selten eine ganze Partie. Vor allem, wenn sich eine Mannschaft im Angriff schwertut, ist ein Trainer froh, wenn er einen sicheren Kicker in der Hinterhand hat.

Fokussieren und tief durchatmen

Vaccari beschreibt die Situation während eines Kicks so: «Der Football fliegt zum Ballhalter, der ihn mit der Fingerspitze auf dem Boden stehend hält. Für mich heisst es dann: Den musst du reinmachen!» In diesen Momenten versucht sich der Goldacher so gut wie möglich zu fokussieren und tief durchzuatmen. So laute sein Rezept. «Ich bin selbst überrascht, wie gut es bislang klappt.» Er freue sich, dass er der Mannschaft mit den erfolgreichen Kicks helfen könne.

Morgen um 18 Uhr spielen die St. Gallen Bears beim Schulhaus Zil gegen die Schaffhausen Sharks. Nach zwei Siegen zum Auftakt der NLC-Saison ist für den Trainer auch die Marschroute für dieses Spiel gegeben. Zwar seien aufgrund der Rivalität der beiden Mannschaften die Spiele bislang immer umkämpft gewesen, sagt Gmünder. «Dieses Mal wollen wir jedoch den Tarif durchgeben und das Spiel dominieren», fordert der Head Coach.

Trainer sieht die Entwicklung

Gmünder, der selbst 18 Jahre Football spielte, ist seit 2014 als Trainer bei den Bears tätig. «Hier habe ich die Möglichkeit, etwas aufzubauen», sagt er. Als Coach sei es eine Genugtuung, wenn man sehe, wie sich eine Mannschaft entwickle. «Als ich anfing, hatten wir Mühe, überhaupt ein Spiel zu gewinnen.» Mittlerweile sei es das Ziel, jedes Spiel zu gewinnen. St. Gallen habe ein junges Team, das sich durch einen grossen Zusammenhalt auszeichne. «Dieser Zusammenhalt sowie der Biss und unser temporeiches Spiel zähle ich zu den grössten Stärken», sagt Gmünder.

Derzeit fehle es noch an der Wasserverdrängung. «Im Krafttraining muss noch härter gearbeitet werden», so Gmünder, der auch bei der Schweizer Nationalmannschaft als Positionstrainer der Linebacker engagiert ist. Der St. Galler Football-Zukunft sieht er positiv entgegen. Etwa 50 Männer seien mittlerweile im Kader. «Wir können uns jetzt den Luxus erlauben, auch mal jemanden nicht ans Spiel mitzunehmen.» Und von der Infrastruktur her seien die Voraussetzungen ausgezeichnet. «Als Trainer macht es Spass, so zu arbeiten.»