AMATEURFUSSBALL: Da bewegt sich was im Osten

ST.GALLEN. Der in die 1. Liga aufgestiegene SC Brühl empfiehlt sich als Gegenentwurf zum FC St.Gallen. Immer mehr geniessen im Paul-Grüninger-Stadion den Charme des Amateurfussballs.

Fredi Kurth
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Idylle und Erfolg: De Simone machte mit dem 3:0 gegen Herisau alles klar. Der SC Brühl spielt nach 14 Jahren wieder in der 1. Liga. (Bild: Urs Jaudas)

Idylle und Erfolg: De Simone machte mit dem 3:0 gegen Herisau alles klar. Der SC Brühl spielt nach 14 Jahren wieder in der 1. Liga. (Bild: Urs Jaudas)

Seit der FC St.Gallen in den Westen der Stadt gezogen ist, pflegt der SC Brühl sein Gärtchen im Osten nicht mehr in Nachbarschaft seines Bruders. Was im Krontal erblüht, müsste indessen auch den Verantwortlichen des grossen Stadtklubs auffallen. Denn im Paul-Grüninger-Stadion werden immer häufiger «Überläufer» gesichtet. Leute, die genug haben vom bezahlten Fussball und seinen Randerscheinungen, von Sicherheitsvorkehrungen und der mondänen Welt der AFG Arena gegenüber der dörflichen Kulisse im Krontal.

Vom Erfolg überwältigt

Ein wenig war es wie zu guten alten Zeiten, als vor zehn Tagen der SC Brühl den Aufstieg sicherstellte. Wer auf den Anstoss erscheinen wollte, musste in einer Schlange warten. Im Herbst kamen bis 450 Zuschauer zu den Heimspielen, nach der Winterpause 600 bis 800 und zuletzt gegen Herisau weit über 1000. Die Eintrittskarten für zehn Franken waren bald vergriffen.

Vielen konnten nur Damen-Tickets abgegeben werden; Kassenwart Dieter Kieninger verlangte pflichtbewusst bloss acht Franken.

Für Fussball-Romantiker

So vermengten sich rund um das Rasenviereck treue mit abtrünnigen Brühlern und Neugierige, die schon lange keinen Fuss mehr auf den früheren Krontal-Sportplatz gesetzt hatten, mit solchen, welche die Idylle erst entdeckten. Ein Fussball-Romantiker liess gar das Wort «FC St.

Pauli» fallen, den Namen jenes Kultvereins, der das Gegenstück zum vornehmen Hamburger SV bildet und sich wie jetzt ab und zu in die 1. Bundesliga verirrt. Die Fanszene versteht sich dort politisch, antirassistisch und antisexistisch.

Ein Anliegen, das in gewissem Sinn auch Brühl verfolgt, durch sein Bekenntnis zum Paul-Grüninger-Stadion, benannt nach dem Flüchtlingshelfer im 2. Weltkrieg und ehemaligen SCB-Fussballer und Präsidenten. Oder durch den «Tag der Kulturen», an dem seit einigen Jahren für ein Hilfswerk gesammelt wird.

Nicht zuletzt mit dem Label «Sport-verein-t», das Brühl als erster Fussballclub der Stadt erworben hat. Den Begriffen Kult und Kultur kommt der Verein näher, indem zum Beispiel via Lautsprecher das Lied «Klimawandel» von Manuel Stahlberger ertönt. Richard Zöllig, Vizepräsident und eine der treibenden Kräfte im SC Brühl, erwähnt die Spielkultur: «Wir wollen schönen Fussball spielen, keinen Rumpelfussball.»

Stadtderbies in Sicht

Zu diesem Zweck wird bald der Rasen, auf dem sich derzeit auch Ackerpferde wohl fühlen würden, saniert. Gleich bleibt der Einheitspreis von 10 Franken für Stehplatz und Tribüne, ein Dank an die Fans für die Unterstützung.

Sportlich dürfte für Brühl die St. Pauli-Vorgabe noch gar weit entfernt sein. Immerhin: Ein Aufstieg hier und ein Abstieg dort würden für klassische Stadtderbies reichen. «Doch wir sind keine Träumer», sagt Zöllig. «Uns in der 1. Liga zu etablieren, wird schwierig genug.

» Nächsten Samstag wird erst einmal gefeiert, ab 16 Uhr gegen Arbon im letzten Heimspiel. Die Aufstiegsparty steigt mit einem Pasta-Festival, und die Spieler legen am DJ-Pult ihre Lieblingssongs auf.

Spätestens dann werden die Anhänger doch schon über Rivalenkämpfe reden. Denn die gibt es bereits nächste Saison. Es sind die ersten auf Meisterschaftsebene seit 1971. Brühl trifft auf die U-21 des FC St. Gallen. «Ich hoffe auf zwei fröhliche Fussballfeste», sagt Richard Zöllig.

Eines auf dem Krontal, eines auf dem renovierten Espenmoos. Wie einst.