Am Stadtapéro genau hingehört

Als zukünftiger Bürger der «Stadt am See – Rorschach» habe ich am Stadtapéro mit grossem Interesse die verschiedenen Ausführungen zum Projekt Hafengebäude zur Kenntnis genommen.

Merken
Drucken
Teilen

Als zukünftiger Bürger der «Stadt am See – Rorschach» habe ich am Stadtapéro mit grossem Interesse die verschiedenen Ausführungen zum Projekt Hafengebäude zur Kenntnis genommen. Nebst den blumigen Erklärungen zum Platz und dem Gebäude selbst, bekam ich dann doch einige Aussagen des Stadtpräsidenten zu hören, die zu denken geben.

Richtig hat Herr Müller eingangs festgehalten, dass es sich um ein Projekt handelt, das den Hafenplatz für die nächsten 50 bis 100 Jahre prominent prägen wird. Dazu mein Gedanke, dass viele verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger seit Jahren vergeblich auf das längst versprochene Stadtentwicklungskonzept warten. Darin wäre sicher enthalten, welche Rolle der Hafen mit Kornhaus, freiem Platz, Musikpavillon, Bahnhof, Häuserzeile mit Restaurants usw. spielen soll.

Passt nun ein solcher Neubau in ein Konzept, zu dem sich noch niemand äussern konnte? Es macht den Anschein, dieser Neubau ist ein teures, konzeptloses Projekt, das zukünftigen Lösungen Mittel entzieht und im Weg stehen könnte. Ein Beweis dafür war eine weitere Aussage von Thomas Müller betreffend desolatem Zustand des Musikpavillons und dessen WC Anlagen. Gemäss Müller fehlen nach dem Neubau des Hafengebäudes selbstverständlich die Mittel zur Instandstellung dieser Anlagen und können nur über Anhebung des Steuerfusses freigemacht werden. Mit anderen Worten, warten bis zum Zerfall, damit dann abgerissen werden kann. Im weiteren hat Herr Müller versprochen, den ganzen Platz in zwei Jahren verkehrsfrei zu machen und neu (wenn möglich als klein Bundesplatz) zu gestalten. Über wie viele Steuerprozente soll dieser dann finanziert werden?

Das Hafengebäude wird mit ca. 3.5 Mio. Franken sehr teuer. Etwa 90 Prozent davon wird von der Brauerei Schützengarten genutzt, die sich mit etwa 25% an den Investitionen beteiligt und jährlich 24 000 Franken als Pacht abliefert. Alle Rorschacherinnen und Rorschacher subventionieren somit den Betrieb dieses Restaurants mit ca. 100 000 Franken jährlich oder knapp einem Steuerprozent. Sie unterstützen also einen Betrieb aus St. Gallen, der der Stadt bis anhin eine Industrieruine und Arbeitslose beschert hat.

Aber laut der wiederum sehr interessanten Aussage von Herr Müller ist das einheimische Gewerbe nicht finanzstark genug, um überhaupt nur einer Anfrage würdig zu sein. Laut seinen Einschätzungen gab und gibt es nur diese Firma. Eine Beleidigung speziell an die Adresse des innovativen Teams der Kornhaus Bräu, die er noch mit der abwertenden Geste «für euch bleibt dann halt noch das desolate Kornhausgewölbe…» untermauerte. Stellt sich auch die Frage, wie es zu einer solchen einseitigen «Einschätzung» des Stadtrates gekommen ist. Eine Aufgabe für die GPK?

Das ganze Projekt scheint ein konzeptloses teures Gebilde, das in einer Hauruck-Übung durchgeboxt werden soll. Es verbaut nicht nur den schönen raren Platz am Hafen, es verbaut auch die Realisierung von Lösungen für das zur Erhaltung des wirklich Schönen am Hafen Rorschach. Lösungen, die einem breit abgestützten Stadtentwicklungskonzept zugrunde liegen.

Reto Kuratli

Neumühlestrasse 15, Goldach