Am Rand des Risikogebietes

Die Zecken kommen aus ihrem Winterversteck hervor. Die Stadt St. Gallen liegt am Rand des Gebietes, in dem gehäuft Fälle von FSME gemeldet werden. Panik sei aber nicht angebracht, sagen Ärzte – auch nicht im Falle eines Stiches.

Christina Weder
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Auf Entdeckungstour im Wald – trotz Zecken: Mit der richtigen Kleidung kann man sich schützen. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Auf Entdeckungstour im Wald – trotz Zecken: Mit der richtigen Kleidung kann man sich schützen. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Die Zeckensaison steht vor der Tür. Mit den steigenden Temperaturen erwachen die kleinen Blutsauger aus der Winterstarre. Das geht nicht unbemerkt an Robert Klingl vorbei, dem Leitenden Arzt im Arzthaus beim Spisertor. Bereits suchen wieder Personen die Praxis auf, die von einer Zecke gebissen wurden.

Verunsichert nach dem Biss

Pro Jahr zählt das Arzthaus 70 bis 100 Konsultationen aufgrund von Zeckenstichen. Im Frühsommer kommen täglich zwei bis drei Personen aus diesem Grund in die Praxis. Ein Zeckenstich allein wäre zwar noch kein Grund, um einen Arzt aufzusuchen, sagt Klingl. «Doch viele Patienten sind verunsichert.» Manche haben die Zecke bereits entfernt, aber es befinden sich noch Reste in der Haut. Das sei nicht weiter schlimm, sagt Klingl: «Man könnte die Reste auch drin lassen.» Andere kommen mit Rötungen nach einem Zeckenbiss. Und wieder andere sagen: «Es hat mich etwas gebissen, aber ich weiss nicht, was.»

Wichtig sei, die Zecke sachgerecht zu entfernen und die Stichstelle zu beobachten. Das Risiko, sich zu infizieren, ist gemäss Klingl gering: «Die Wahrscheinlichkeit liegt im Promillebereich. Trotzdem ist die Zecke ein Schreckgespenst.»

Borreliose und FSME

Zecken, im Volksmund auch Holzböcke genannt, können zwei Krankheiten auf den Menschen übertragen: Die häufigere ist die Lyme-Borreliose, die im Normalfall vom Hausarzt mit Antibiotika behandelt wird. Im Arzthaus zählt man jährlich 20 bis 30 Fälle. Das Kantonsspital St. Gallen kümmert sich um die komplexen oder unklaren Fälle. Laut Mediensprecher Philipp Lutz handelt es sich monatlich um vier bis sechs Patientinnen und Patienten. Schweizweit geht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) von 9000 bis 12 000 Neuinfektionen im Jahr aus.

Weit seltener, aber viel gefürchteter ist eine Infektion mit dem FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Im vergangenen Jahr wurden schweizweit 113 Fälle registriert, 13 davon im Kanton St. Gallen. Die Stadt St. Gallen befindet sich nicht direkt im Risikogebiet. Doch dieses liegt nicht weit entfernt. Von Flawil und Bischofszell aus erstreckt es sich über die Kantone Thurgau und Zürich.

«Vereinzelte Fälle möglich»

Vor wenigen Jahren galten die Zeckenherde um Mörschwil als gefährlich. Auf der aktuellen Karte des BAG ist Mörschwil aber nicht mehr als Risikogebiet aufgeführt. Es liegt wie die Stadt St. Gallen in der Randzone des Gebietes mit gehäuftem FSME-Vorkommen. Das bedeutet laut Kantonsarzt Markus Betschart: «In Stadt und Umgebung wären vereinzelte Fälle von FSME möglich.» In den letzten Jahren wurden ihm zwei Personen mit Wohnsitz in der Stadt gemeldet, die am Virus erkrankten.

Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Die Impfempfehlung des BAG gilt nicht nur für das Risikogebiet, sondern auch für die Randzone und damit für die Stadt und ihre Umgebung. Die Impfung wird Personen ab sechs Jahren empfohlen, die sich in der freien Natur aufhalten.

Auch Schulärztin Ursula Kälin empfiehlt die Impfung. Seit 2010 führt der schulärztliche Dienst jedes zweite Jahr eine freiwillige FSME-Impfaktion für Schulkinder durch. «Waldtage, Lager und Ausflüge ins Risikogebiet gehören zum Schulalltag dazu», begründet die Schulärztin. Doch für sie ist klar: «Es gibt grössere Risiken, als an einem Zeckenstich zu erkranken.» Schliesslich gebe es Möglichkeiten, sich zu schützen: Mit langer Kleidung und geeignetem Insektenspray.

** ARCHIV ** Eine vollgesogene Zecke, nachdem sie sich von einem Wirtstier hat abfallen lassen, aufgenommen am 1. Juli 2007 in Bruchkoebel. Zecken werden als Uebertraeger von Krankheiten gefuerchtet - vor allem von Borreliose und Fruehsommer-Meningoenzephalitis (FSME). (AP Photo/Claudia Ostrop)   ---   ** FILE ** An engorged tick is seen after it dropped off from a cat, July 1, 2007 in Bruchkoebel, Germany. (AP Photo/Claudia Ostrop) (Bild: Claudia Ostrop (AP))

** ARCHIV ** Eine vollgesogene Zecke, nachdem sie sich von einem Wirtstier hat abfallen lassen, aufgenommen am 1. Juli 2007 in Bruchkoebel. Zecken werden als Uebertraeger von Krankheiten gefuerchtet - vor allem von Borreliose und Fruehsommer-Meningoenzephalitis (FSME). (AP Photo/Claudia Ostrop) --- ** FILE ** An engorged tick is seen after it dropped off from a cat, July 1, 2007 in Bruchkoebel, Germany. (AP Photo/Claudia Ostrop) (Bild: Claudia Ostrop (AP))