Am Musikfest soll's besser werden

ST.GALLEN. Glas ist am St.Galler Fest ein Problem. Auch dieses Jahr zogen sich diverse Personen Schnittwunden zu. Kurzfristig ist keine Lösung in Sicht, längerfristig gibt es mehrere Optionen. Ein Mehrwegsystem könnte die Abfallberge reduzieren.

Yvonne Bugmann
Drucken
Teilen
Mit einem Depotsystem könnten die Abfallberge reduziert werden. (Bild: Michel Canonica)

Mit einem Depotsystem könnten die Abfallberge reduziert werden. (Bild: Michel Canonica)

Samstagnacht. In den Gassen türmen sich Abfallberge. Überall liegen Scherben, bei jedem Schritt knirscht es unter den Füssen. Die Folgen sind gefährlich: Zehn Personen musste wegen Schnittwunden an Händen und Füssen von Sanitätern behandelt werden. Auch die Putzequipen sind nicht begeistert: «Scherben haben schon Pneus von Maschinen und Fahrzeugen beschädigt», sagt Gerald Hutter vom Strasseninspektorat.

Problem bekannt, Lösung nicht

«Wir haben seit Jahren ein Problem mit Flaschen», sagt OK-Präsident Bruno Bischof. Am St. Galler Fest selber darf aus Sicherheitsgründen kein Glas verkauft werden. Doch viele der Besucherinnen und Besucher bringen ihre eigenen Gläser und Flaschen mit. Statt im Abfalleimer landen sie oft auf der Strasse.

Das Problem ist somit bekannt, doch Lösungen fehlen. Anders am OpenAir St. Gallen: Dort wird jeder Besucher kontrolliert. Das ist am Stadtfest nicht möglich. «Wir verlangen keinen Eintritt und können deshalb auch keine Eintrittskontrollen durchführen», erklärt Bischof. Somit sei es unmöglich zu überprüfen, ob die Besucher Flaschen mit aufs Gelände bringen.

Die Kontrolle am OpenAir sei einfacher, weil der Anlass auf einem abgeschlossenen Festgelände stattfinde, sagt Urs Weishaupt, Informationsbeauftragter der Stadt St. Gallen. «Am Stadtfest müssten wir Eingänge errichten, doch das ist nicht praktikabel.»

Depot oder Verkaufsverbot?

Glas ist nicht nur am Stadtfest ein Problem, sondern an allen Veranstaltungen, wie Urs Weishaupt sagt.

Und nicht nur an Veranstaltungen, auch an gewöhnlichen Wochenenden sind Gläser im öffentlichen Raum ein Thema. «Kurzfristig lässt sich das Problem nicht lösen.» Mittel- bis längerfristig sieht Weishaupt drei Möglichkeiten. In Deutschland etwa gebe es auf alle Gläser ein Depot. «Dieses muss hoch genug sein, damit die Leute die Gläser zurückbringen», erklärt Weishaupt. Die zweite Option: Ab 22 Uhr dürfen Läden keine Gläser mehr verkaufen.

«Oder ab 22 Uhr darf kein Alkohol mehr über die Gasse verkauft werden», nennt Weishaupt die dritte Variante. Dann dürften nur noch die Standbetreiber Alkohol ausschenken – in Plastikbechern.

Mehrwegsystem gegen Abfall

Genau diese Plastikbecher verursachen aber auch grosse Abfallmengen. Am OpenAir wurde das Mehrwegsystem mit Depot bereits eingeführt. Nicht so am Stadtfest. «Wir wollen irgendwann Mehrweggebinde einführen», versichert Weishaupt. Doch das System sei nicht unproblematisch, vor allem wegen dem Nachschub.

«An manchen Orten ist es so eng, dass es fast unmöglich ist, den Ständen dort Becher nachzuliefern.» Und den Ständen von Anfang an genügend Becher zur Verfügung zu stellen, gehe aus Platzgründen nicht. Die Stadt will deshalb das Mehrwegsystem zuerst an kleineren Festen testen, um dort Erfahrungen zu sammeln. Das System wird laut Weishaupt «fast sicher» am Eidgenössischen Musikfest im nächsten Jahr zum Tragen kommen.

Aktuelle Nachrichten