Am liebsten in Rom

RORSCHACH. Angelo Gotadoro tippt: Italien gewinnt den Final gegen Spanien 2:1. Und wenn Italien morgen verliert? «Dann beissen wir in den sauren Apfel.»

Marianne Bargagna
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Viva Italia: Angelo Gotadoro hofft auf italienische Europameister. (Bild: Lea Müller)

Viva Italia: Angelo Gotadoro hofft auf italienische Europameister. (Bild: Lea Müller)

Er strahlt. Sitzt draussen vor dem «La Vela» in Rorschach. Einen Espresso vor sich. Gekleidet ins offizielle Leibchen der Italiener. Dieses trägt der 43jährige italienisch-schweizerische Doppelbürger Angelo Gotadoro während der ganzen Europameisterschaft. Er grinst. Am Mittag gehe er nach Hause, dann wasche und tumblere seine Frau das Leibchen, damit er es nachmittags wieder frisch anziehen könne.

Fest in der Hand

Eigentlich sei Sport nicht seine Stärke, gibt Gotadoro unumwunden zu. Er, der in Rorschach aufgewachsen ist und heute in Wittenbach wohnt, hat als Knirps bei den Junioren des FC Rorschach gespielt. Gegenwärtig verfolgt er mit Spannung die Spiele der italienischen Nationalmannschaft. Wie am Donnerstagabend. «Nach einer Viertelstunde hatten wir das Spiel in der Hand», stellt der Malermeister fest. Zusammen mit seinen Angestellten und Lehrlingen hat er das Spiel verfolgt und danach gefeiert. Und freut sich im nachhinein noch über das «multikulturelle Fest». Den Final von morgen Sonntag würde er am liebsten auf dem Petersplatz in Rom verfolgen. Das wird aber nicht möglich sein. Darum sucht sich Gotadoro einen Ort in der Region, wo sich viele Italiener treffen. «Dann sind wir während 90 Minuten eine grosse Familie.»

Schöne Europameisterschaft

Ob diese grosse Familie nach neunzig Minuten ausgiebig feiern kann, steht noch in den Sternen. Angelo Gotadoro hofft es. Er tippt: 2:1 für Italien. Und wenn Italien verliert? «Wenn die Azzurri verdient verlieren, so ist das gerecht.» Traurig wäre eine Niederlage aber dann, wenn sie zuvor alles gegeben hätten, sagt er, für den Fussball ein Sport ist, der mit Leidenschaft und Herz betrieben werden sollte. Ein Sport, der Völker verbindet und vereint, solange er fair betrieben werde und nicht als Schleuse für Frust diene.

Wenn die Italiener Europameister werden, dann dürfen sich die Angestellten und Lehrlinge in Gotadoros Malerbetrieb freuen. Denn dann können sie am Montagmorgen ausgiebig ausschlafen. Und dann wird das Leibchen von Angelo Gotadoro wieder gewaschen und bekommt in seinem Büro einen Ehrenplatz, wie jenes aus dem Jahr 2006, als Italien Weltmeister wurde. Wenn die Azzurri verlieren, «haben wir eine schöne Europameisterschaft erlebt», sagt Angelo Gotadoro, dessen Leibchen dann, nachdem es gewaschen worden ist, sorgfältig im Kleiderkasten verstaut wird.

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